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Konzert-Bericht
 
Chaoten alter Prägung

White Flag

Köln, Sonic Ballroom
29.09.2011

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White Flag
"The 25th Anniversary of White Flag's First German Show" gab es laut Konzertposter an diesem Abend in Köln zu feiern - und auch ein Vierteljahrhundert nach ihrer Deutschland-Premiere ist der kalifornischen Punk-Institution überdrehter Satire-Spaß wichtiger als musikalische Exaktheit. So musste - wie schon beim Europa-Tournee-Auftakt an gleicher Stelle vor rund drei Jahren - der nachmittägliche Soundcheck als erste und einzige gemeinsame Probe des Quartetts herhalten. Doch dass die beiden WF-Veteranen, der hyperaktive Gitarrist/Sänger Pat Fear und der stoisch ruhige Drummer Trace Element, ihre beiden schwedischen Kollegen an Gitarre und Bass, Chips K und Kent Norberg von Sator, lange nicht gesehen, geschweige denn mit ihnen zusammen gespielt hatten, machte den ganz besonderen Charme des Konzerts aus.
Anders als 2008 gab es dieses Mal allerdings keinen wilden Marathonauftritt mit Gästen aus dem Publikum, die spontan die Bühne erklimmen, und keine endlose Beatles-Jam. Schließlich hatten White Flag mit den Sachsen Volt Ghosts und ihren luxemburgischen Tourmates Versus You noch zwei weitere Bands im Schlepptau. Also musste eine Dreiviertelstunde reichen, in denen sie sich vor allem auf ihre oldschooligsten Nummern stürzten. Sprich: Statt dem tendenziell melodiöseren Spätwerk standen vor allem die in Richtung Hardcore deutenden Songs im Mittelpunkt, die auch schon 1986 im Programm gewesen sein dürften: "Kill Yourself" zum Beispiel oder "Ticket To Moscow" (Bei dem Song ist damals während des Konzerts in Köln Randale ausgebrochen, glaubt sich Pat zu erinnern, und auch wenn es nicht stimmt, eine gute Ansage ist es allemal!). Kent darf für den alten Heuler "Face Down" ans Mikro, Chips K dagegen singt gleich mehrere Stücke, darunter das unkaputtbare Saints-Cover (!) "Demolition Girl". Auch die anderen lieb gewonnenen Coverversion sind wieder im Set: An "He's A Whore" schließt sich praktisch nahtlos "Hot Rails To Hell" an.
Fast noch mehr Spaß als die Songs macht allerdings die Interaktion der Band: Chips K steht ein Dauergrinsen ins Gesicht geschrieben, denn offenbar amüsiert es ihn köstlich, wie Bandleader Pat bemüht ist, ihm mit den Griffen für die ungeprobten Lieder zu helfen, während Kent seine Unwissenheit sogar offen preisgibt: "Ist das Lied in G?" fragt er irgendwann, doch als Antwort erhält er nur ein: "Die Frage kommt ein bisschen spät!" Irgendwann stimmt Pat sogar "1 2 XU" von Wire an - ohne die Akkorde zu kennen! Zwischen den Songs ist er derweil oft herrlich verkrampft darum bemüht, das Publikum zu bespaßen. Nachdem seine Geschichten über das Frühwerk der Scorpions nicht so recht zünden wollen, schnappt er sich eine Wasserflasche, wirft den Kopf in den Nacken und lässt sich einen halben Liter Aqua Minerale "freihändig" auf Ex in den Rachen laufen. Doch die albernen Jahrmarkttricks passen zu White Flag. Welche andere Band würde wohl darauf kommen, einen Song "Dido" zu nennen, nur weil besagte englische Sängerin ob ihres "White Flag" betitelten Hits unseren kalifornischen Freunden das Leben bei Google und Co. schwer macht? White Flag tun es, auf ihrer neuen Split-LP mit Versus You, "Levitate The Listener"! Oder wer würde als Ami-Band eine Nummer "Ich liebe die Hosen der Toten Hosen" nennen? Natürlich auch White Flag, auf ihrer brandneuen Split-7" mit The Holy Kings aus Regensburg! Mit "Jungle" gehen 45 kurzweilige Minuten in Köln zu Ende, und dieser Song bewies ein letztes Malan diesem Abend, dass ein Konzert dieser liebenswerten Chaotentruppe auch ohne Präzision geradezu perfekt sein kann.

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/whiteflagofficialmyspacesite
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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