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Chris Brokaw

Dortmund, Subrosa
13.10.2011

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Chris Brokaw
15 Minuten vor seinem Auftritt sitzt Chris Brokaw am zum Merchandise-Tisch umfunktionierten Kicker des Subrosa und blickt etwas unschlüssig auf den vor ihm liegenden Zettel. Wirklich leicht fällt es dem amerikanischen Musiker dieser Tage wohl nicht, eine Setlist für seine Auftritte zusammenzustellen, denn in Zeiten, in denen andere Künstler mit weniger als einem Dutzend Songs jahrelang durch die Weltgeschichte touren und allabendlich identische Konzerte abliefern, hat Brokaw ein Luxusproblem: Obwohl sein letztes "reguläres" Soloalbum bereits mehr als fünf Jahre alt ist, hat er seitdem rund ein Dutzend höchst unterschiedlicher Alben veröffentlicht - Produktionen, bei denen er nur Sessionmusiker war, noch gar nicht mitgerechnet - und muss nun das Kunststück fertigbringen, daraus ein möglichst zusammenhängendes Konzertprogramm zu zaubern. Während er an dieser Aufgabe in der Vergangenheit durchaus auch schon mal gescheitert ist, löst er sie in Dortmund hervorragend.
Überhaupt wird es ein toller Abend. Denn trotz freien Eintritts hat ein echtes Konzertpublikum den Weg ins Subrosa gefunden. So ist Brokaw zwar nur mit einer Akustikgitarre angetreten, dennoch ist bisweilen das Quietschen des Stuhls, auf dem er sitzt, das lauteste Geräusch im Raum. Das muss ihm in einer gut besuchten Kneipe erst mal jemand nachmachen! Obwohl er an diesem Abend Songs aus einem Dutzend verschiedener Platten spielt und dabei alle erdenklichen Stimmungen und Stile streift, franst das Programm nie aus, nie geht der imaginäre rote Faden verloren. Den Anfang macht "Into The Woods", das Chris an diesem Abend mit so viel Verve interpretiert, dass man die fehlende (Indie-)Rockband dennoch förmlich hören kann. "Stagger Lee" (aus dem Brokaw/Farina-Album "The Angel's Message To Me") ist eigentlich ein Fingerpicking-Blues, aber auch dieser Song hat so viel Drive, dass er sich praktisch nahtlos anschließt. Selbst der Rückgriff auf das just veröffentlichte Soundtrack-Album "Road" und der lupenreine Indie-Pop von "Crooked" (ein Cover von Wussy) wollen nicht aus dem Rahmen fallen. Für sanfte Momente ist derweil nur kurz, in der Mitte des rund 75-minütigen Programms, Platz. Dem feinen Instrumental "Exemptive" aus dem "Canaris"-Album folgt das melancholische "X's For Eyes", und das wunderbar zarte Jenifer-Jackson-Cover "Whole Wide World" entpuppt sich als heimliches Highlight der gesamten Veranstaltung, bevor es sogar ein wenig albern wird: Das rasante "She's A Fucking Angel From Fucking Heaven" hat Chris innerhalb von 15 Minuten geschrieben, um seine niedergeschlagene Freundin aufzumuntern... Einmal richtig aufgewärmt, rutscht sogar noch das großartige "Recedivist" von Chris' alter 90er-Band Come ins Programm, und auch mit "Blues For The Moon" bleibt es rockig und betont eingängig.
Mit der Zugabe "Collisions", seinem schönsten Popsong der vergangenen Jahre (veröffentlicht auf dem Dirt Music-Album "BKO"), will sich Chris dann eigentlich verabschieden, aber das begeisterte Publikum nötigt ihm weitere Songs ab, und so gibt es nach "My Idea" sogar noch einen Ausblick auf das nächste reguläre Soloalbum, dessen Veröffentlichung Chris für 2012 anpeilt: "How To Listen", geschrieben aus der Sicht seiner jüngsten Schwester, gerät geradezu punkig und sorgt für einen lauten Knalleffekt ganz zum Schluss. Aber was heißt hier Schluss? Chris' Solotournee durch Deutschland geht mit diesem fulminanten Auftritt zwar zu Ende, aber schon im November tourt er wieder kreuz und quer durch die Republik, dann als Duo, gemeinsam mit Geoff Farina von Karate.

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Surfempfehlung:
www.chrisbrokaw.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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