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Konzert-Bericht
 
Alte Traditionen in neuem Licht

Young Rebel Set
Torpus & The Art Directors

Essen, Zeche Carl
27.10.2011

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Young Rebel Set
Erstaunlich gemischt ist das Publikum an diesem Abend: Einige Indierockettes haben ihre Mütter mitgebracht, manche Zuschauer wirken so, als hätten sie auch Tickets für die kommende Bryan Adams-Tournee, und selbst ein paar Kinder mit Young Rebel Set-Shirts springen durch den Saal. Es ist offenbar nicht nur die lebensbejahende Melange aus Indie, Folk(-Rock) und Punk, die das Publikum an diesem Abend in die Zeche Carl treibt. Denn Young Rebel Set leben die Arbeiterklassementalität ihrer von der Industrie allein gelassenen nordenglischen Heimat nicht nur in ihren Songs, sondern auch mit ihrem gesamten Auftreten aus. Da passt es wie die Faust auf Auge, dass die neuerliche Deutschland-Tournee der Band ausgerechnet im Herzen des Ruhrpotts beginnt. Wo könnte man diese hemdsärmelige Band wohl besser verstehen?
Obwohl, einige Verständigungsprobleme gibt es schon: Die in herrlich breitem Akzent vorgetragenen Ansagen des Sextetts verpuffen zumeist wirkungslos, zunächst zur Irritation, schon bald aber zur Belustigung der Band. Nur der Aufruf, doch nach dem Konzert noch ein paar Bier mit der Band zu trinken, sorgt für die gewünschte Reaktion. Großartig, wie sich Sänger Matt Chipchase danach zu Multiinstrumentalist Mark Evans umdreht und meint: "Schau mal, das haben sie verstanden!" Große Worte sind allerdings gar nicht nötig, um eine Verbindung zwischen Musikern und Zuschauern herzustellen, dafür sorgt allein die Musik: Roh und ungekünstelt, ob fehlender Innovationen mit hohem Wiedererkennungswert und mitreißend leidenschaftlich dargeboten. Los geht's gleich schnell und direkt mit "Lion's Mouth", dem wohl rockigsten Song des an dieser Stelle zur Platte der Woche gekürten Debütalbums "Curse Our Love" (und, nebenbei bemerkt, einer der drei besten Singles des Jahres), und sofort ist klar, dass die Band für große Bühnen wie gemacht ist. Zwar konnte die Band auch in kleinen Läden schon begeistern, aber echtes Bruce Springsteen-Feeling kommt halt erst auf, wenn der Sänger nicht gleich die Decke berührt, wenn er die Faust in die Luft reckt, um zu unterstreichen, wie ernst es ihm ist mit den Geschichten vom kleinen Mann, die er dort singt. Soundtechnisch rücken die Folk-Elemente - von Chipchases räudigem Gesang einmal abgesehen - derweil etwas in den Hintergrund. Fast möchte man sich einbilden, dass statt auf polternden Country-Rhythmus nun verstärkt auf einen in die Beine gehenden Groove gezielt wird. Anders gesagt: Hier werden alte Traditionen scheinbar mühelos in ein neues Licht gerückt.
Schön auch, dass die Band inzwischen ihren siebten Mann zwar eingebüßt hat, dennoch dieses Mal aber gleich ein ganzes Arsenal an Tasteninstrumenten dabei hat, die wir bei unserer letzten Begegnung mit der Band auf einer Clubbühne noch schmerzlich vermisst hatten. Denn gerade Piano und Orgel unterstreichen an diesem Abend ungemein wirkungsvoll das hymnische Flair vieler YRS-Nummern, egal ob bei "Walk On" oder dem ohne jeden Zweifel auch stadiontauglichen "Fall Hard". Letzterer Song handelt laut Chipchase übrigens von einem reichen Mädchen. Offenbar kommt nicht nur Hochmut, sondern auch Reichtum vor dem Fall. Dass Young Rebel Set mit Reichtum nichts am Hut haben, beweisen die zwei Stücke, die besagtes "Fall Hard" an diesem Abend einrahmen: das neue "Penny To My Name" und die so ungemein humorvolle Debütsingle "If I Was", die den offiziellen Teil des Abends beschließt, bevor Zugaben lautstark gefordert und von der Band, das Flaschbier in der Hand, auch gewährt werden.

Eröffnet hatte den Abend übrigens Torpus & The Art Directors aus Hamburg, die in ähnlicher Besetzung (hier gesellte sich zu Akustikgitarre, Mandoline, Bass, Drums, Tasten und Mundharmonika bisweilen sogar noch eine Trompete) vielleicht etwas amerikanischer inspiriert waren - sprich: mehr Conor Oberst als The Pogues mit ihren Songs kanalisierten -, aber mit Witz und Engagement einen ähnlich lebensbejahenden Sound wie die Headliner auf die Bühne brachten und so für einen sehr gelungenen und äußerst kurzweiligen Einstieg in diesen prima Konzertabend gesorgt hatten.

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Surfempfehlung:
www.youngrebelset.co.uk
www.torpus.de
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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