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Konzert-Bericht
 
Blindes Verständnis

Chris Brokaw & Geoff Farina

Köln, King Georg
10.11.2011
Brokaw/Farina
Zugegeben, die Aussicht, zwei Herren in den besten Jahren dabei zuzuhören, wie sie vornehmlich Fingerpicking-Blues-Songs spielen, die oft fast 100 Jahre alt sind, ist sicherlich nicht unbedingt das, was man landläufig unter dem Begriff "gut gelauntes Entertainment" versteht. Chris Brokaw (Codeine, Come, Steve Wynn, Evan Dando etc.) und Geoff Farina (Karate, Glorytellers) gelang es mit ihrem ausgezeichneten Auftritt in Köln allerdings dennoch mit Leichtigkeit, nicht nur den Songs aus den 20er- und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts musikalisch neues Leben einzuhauchen, sondern auch noch das Publikum mit einer geradezu unerwartet lebendigen Performance und zudem vielen amüsanten Ansagen zu begeistern.
Brokaw/Farina
Mit geradezu blindem Verständnis - auf der kleinen improvisierten Bühne war es so dunkel, dass die beiden Amerikaner noch nicht einmal sehen konnten, welche Akkorde sie gerade griffen - präsentierten sie zunächst Songs ihres ersten gemeinsamen Albums, "The Angel's Message To Me", und warfen sich zwischen den Stücken immer wieder herrlich die Bälle zu. "Das nächste Lied handelt von einer Situation, die wir alle nur zu gut kennen", sagte Farina zum Beispiel, bevor Brokaw trocken hinzufügte: "Genau, es handelt davon, von einer Prostituierten verdroschen zu werden!", um dann mit "Never Happen No More" das erste Highlight des Abends abzuliefern. Vor "In The Evening" meinte Farina dagegen: "Wenn ihr 107 Jahre alt seid, könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, als dieser Song ein Hit war", und Brokaw ergänzte: "Wenn ihr damals dazu getanzt habt, dann könnt ihr das verdammt noch einmal jetzt auch tun!"

Nun gut, zum Tanzen war es etwas zu eng in Kölns schönster Klubbar, dafür brachten die beiden Protagonisten ein anderes Kunststück fertig. Obwohl sie viel länger spielten, als eigentlich angedacht, und sich deshalb am Ende immer mehr reguläre Bar-Besucher unter das Konzertpublikum mischten, blieb es - der Musik angemessen - mucksmäuschenstill. Das lag vielleicht auch daran, dass die beiden das Country-Blues-Programm wirkungsvoll mit zwei kurzen Solo-Sets aufbrachen: Zunächst durfte Farina mit einer Handvoll größtenteils unveröffentlichter Songs (und einem Mississippi John Hurt-Cover) im Alleingang ran, danach präsentierte Brokaw einen kurzen, aber erstaunlich umfassenden Querschnitt durch sein großes Oeuvre und wagte sich sogar an einen unveröffentlichten Codeine-Song ("Media"), bevor die beiden das Finale wieder gemeinsam bestritten und der Auftritt mit "Ginseng Blues" seinen Höhepunkt erreichte.

Brokaw/Farina
Doch auch abseits der Bühne war es ein prima Tag für die zwei. Gleich mehrfach erwähnten sie die thematisch gestalteten King Georg-Apartments über der Bar, in denen sie für die Nacht untergebracht waren. Brokaw war im 80er-Jahre-Zimmer untergekommen, in dem es zu seiner großen Freude einen Plattenspieler gab ("Ich hab nämlich zu Beginn der Tour in Spanien ein Mayhem vs Burzum-Bootleg aufgegabelt, das ich kaum erwarten konnte zu hören"), während Farina das Zimmer "Nizza" erwischt hatte: "Da gibt es keinen Plattenspieler, aber die Gardinen haben den gleichen Farbton wie mein Gitarrenkoffer", ließ er uns wissen, um nach einer kleinen Kunstpause noch anzufügen: "Das ist sehr wichtig!!
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Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-

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