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Konzert-Bericht
 
Nicht gut, sondern besser

Sophia

Köln, Die Wohngemeinschaft
28.12.2011

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Sophia
Als Robin Proper-Sheppard alias Sophia 2010 solo und akustisch durch betont kleine Clubs tourte, hatte er eine spezielle Bühnendeko im Gepäck, um dem Tourmotto "At home with Sophia" auch visuell Rechnung zu tragen. In Köln fehlte die Deko nun zwar, trotzdem kam Robins fünftes und letztes Konzert 2011 der letztjährigen Maxime wohl näher als jeder Auftritt des Vorjahres. Schließlich ist das etwas euphemistisch Theatersaal genannte Hinterzimmer der Wohngemeinschaft, einer mit viel Retro-Chic eingerichteten Kneipe/Jugendherberge/Konzertlocation am Rande des Belgischen Viertels, in der es sogar einen alten, zur Sitzecke umfunktionierten VW-Bus gibt, kaum größer als ein "echtes" Wohnzimmer. Außerdem sorgten auf der Bühne eine zum Haus gehörige Uralt-Stehlampe, Teakholzmöbel und 70er-Jahre-Tapete auf ganz natürliche Weise für genau das Ambiente, das Robin auch für seine 2010er-Shows vorgeschwebt hatte.
Das nachweihnachtliche Konzert war bereits das zweite am gleichen Ort binnen einer Woche. Weil der kurzfristig anberaumte Auftritt am Tag vor Heiligabend in Windeseile ausverkauft war, gab es diese Zusatzshow, und auch für die waren die wenigen Tickets in null Komma nichts unters Volk gebracht. Karten gab es nur bei Robin selbst, ein Abend unter Freunden gewissermaßen. Während der derzeit heimatlose Amerikaner beim ersten Konzert noch erkältungsgeschwächt war, fühlte er sich dieses Mal auf der Bühne richtig wohl. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er, obwohl sichtlich gesundet, vor dem Auftritt sicherheitshalber trotzdem ein bisschen Medizin eingeworfen hatte. Seine Oma habe immer gesagt: "If you feel good, why not feel better?", lautete die überzeugende Erklärung dafür. Und tatsächlich: Das Konzert war nicht nur gut, sondern besser! So gab sich Robin redlich Mühe, einige der üblichen Verdächtigen von der Setlist zu kegeln und stattdessen tiefer als sonst in der Vergangenheit zu kramen. Sprich: Songs wie "I Left You" oder "Heartache" fehlten an diesem Abend im Programm, dafür gab es viel, sehr viel aus dem ansonsten oft übergangenen Debüt "Fixed Water", wie das sehr selten gespielte "When You're Sad". Das war nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass sich die Zuschauer auch für dieses Konzert vorab per eMail Songs wünschen durften. Genauer gesagt durften vor allem die Damen wünschen. "Das nächste Lied ist für Natascha", kündigte Robin irgendwann an, um dann augenzwinkernd hinzuzufügen: "Beim Konzert in Brüssel hat ein Kerl es sich gewünscht und ich hab's nicht gespielt! Diejenigen Typen von euch, die mit Frau oder Freundin hier sind, lasst euch das eine Lehre sein: Es sollten immer die Frauen sein, die die Wünsche äußern!" Ein Herr fand trotzdem Erwähnung, denn Robin bedankte sich ausdrücklich bei einem gewissen Björn für seine 26 (!) Songwünsche.
Überhaupt gelang es Robin an diesem Abend ganz ausgezeichnet, seine traurigsten Songs mit kurzen, spaßigen Ansagen zu würzen, anstatt, wie in der Vergangenheit durchaus üblich, mit langen Monologen in Selbstmitleid zu baden. Als nach drei Songs zwei Zuschauer den Raum verließen, meinte er zum Beispiel nur trocken: "Das waren die Facebook-Gewinner. Jetzt kann die Party losgehen!" Nun ja, die Party des selbsterklärten Versagers, der jede Beziehung gegen die Wand fährt und darüber großartige Songs wie "Something" oder "Last Dance (To Sad Eyes)" schreibt... Auch zur Version von "The River Song" auf der in Bälde auch regulär erscheinenden Akustik-Doppel-CD "At Home With Sophia" gab es eine lustige Anekdote: Obwohl eigentlich als echtes Solo-Werk mit Neuinterpretationen alter Band-Stücke geplant, habe er sich bei "The River Song" nicht mit einem Instrument begnügen können und am Ende ein ganzes Dutzend Gitarren aufeinandergetürmt - "aber es waren akustische!"

Beenden wollte der Amerikaner das Konzert nach annähernd zwei Stunden dann eigentlich mit zwei Coverversionen, doch nach einer feinen Version von John Lennons "Jealous Guy" (mit der fast mantramäßig wiederholten Zeile "I was swallowing my pain" - typisch Robin!) entschied er sich am Ende doch gegen Anna Ternheims "What Have I Done" und beschloss den Auftritt mit seinem eigenen Song "Another Trauma" und schaffte es dabei ein letztes Mal, dass die Zuschauer Zeit und Ort vergaßen: Nach Mittwochabend, Köln und Tagesthemen-Zeit klang die höchst emotionale Version des Songs nun wirklich nicht! Auch die tiefen Seufzer, die gleich mehreren Songs folgten, unterstrichen: Selbst ein gut gelaunter Robin Proper-Sheppard singt seine Songs auf der Bühne nicht einfach, er (er)lebt sie mit jeder Performance neu. Genau deshalb war dieses Konzert so intim, so intensiv, so wunderschön.

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Surfempfehlung:
www.sophiamusic.net
sophia.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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