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Konzert-Bericht
 
Glorreiche Rückkehr

The Bevis Frond

Köln, Sonic Ballroom
25.01.2012

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Bevis Frond
Lange Zeit war die alljährliche The Bevis Frond-Tournee genauso sicher wie Ostern oder Weihnachten. Doch 2004 war damit ohne große Vorwarnung plötzlich Schluss. Nach siebenjähriger Veröffentlichungs- und fast ebenso langer Konzertpause tauchte Mastermind Nick Saloman letzten Herbst mit dem Album "The Leaving Of London" - fraglos einem der besten in der mehr als 25-jährigen Bandgeschichte - wieder aus der Versenkung auf, und Ende Januar tourte die britische Kult-Band zwei Wochen lang durch deutsche Clubs. Das vorletzte Konzert fand im brechendvollen Sonic Ballroom in Köln statt. Es wurde ein richtig toller Abend und das, obwohl die Band sich weigerte, "Johnny Kwango", den mit Abstand besten Song des neuen Albums, zu spielen!
Zwei Stunden stehen Nick, sein langjähriger Bassist Adrian Shaw (inzwischen auch schon 65), Gitarrist Paul Simmons und - ein bisschen Spinal Tap steckt auch in Bevis Frond - Neuschlagzeuger Dave Pearce auf der winzigen Ballroom-Bühne, getaucht in psychedelisch bunte Projektionen und verschwommene Film-Szenen, die auf die Wand hinter der Band projiziert werden. Das Schaffen der Band hat viele Facetten, aber in Köln kommen sie fast alle zum Zuge - der Hang zum psychedelisch verschwurbelten Jangle-Pop der späten 60er ebenso wie das Faible für Classic Rock mit ausufernden Gitarrensoli und die heimliche Vorliebe für Ausflüge in bisweilen doomige Heavy Rock-Gefilde.

Vielleicht auch, weil die Band letzteren Aspekt zu Beginn des Konzerts in den Mittelpunkt rückt, dauert es eine Weile, bis die Band richtig "ankommt". Spätestens aber, als Nick die vierte Nummer augenzwinkernd als "unseren zweitgrößten Hit - von zweien!" ankündigt und die Großtat "He'd Be A Diamond" folgt, ist das Eis gebrochen. Ziemlich schluffig spielen die vier die Nummer, die schon Teenage Fanclub, Mary Lou Lord oder Juliana Hatfield gecovert haben, und ähnlich gehen sie später am Abend auch den anderen "Hit", nämlich "Lights Are Changing" an, aber das passt ausgezeichnet zu der fröhlichen Gemütlichkeit, die der inzwischen fast 60-jährige Nick ausstrahlt. Dass The Bevis Frond episch angelegte Classic Rock-Balladen beherrschen, unterstreicht gleich danach "Son Of A Warm Gun", bevor das Herzstück des Konzerts auf dem Programm steht: "Superseded" ist eine grandiose Achterbahnfahrt - orientalisch zu Beginn, hypnotisch groovend in der Mitte, rasant, laut und heavy am Ende - und dabei so spannend, dass die weit über 20 Minuten (!) trotzdem wie im Fluge vergehen. Zum Ausgleich zeigt sich Nick, der die meiste Zeit mit geschlossenen Augen singt und spielt, danach mit "High On A Downer" (aus "Valdedictory Songs", dem vielleicht schönsten Bevis Frond-Werk überhaupt) von seiner romantischsten Seite. Dafür bittet er die schnatternden Zuschauer in den hinteren Reihen ausdrücklich um Ruhe, was allerdings auf taube Ohren stößt. Doch anstatt sich zu ärgern, zuckt er nur mit den Schultern und meint lässig: "Nun ja, vermutlich habt ihr wichtige Sachen zu besprechen!" Mit "Confusion Days" wird es dann wieder heftiger, denn Nick darf schon vor der ersten Strophe seine Qualitäten als Gitarrengott unterstreichen, bevor das episch-balladeske "Stain On The Sun" und das straight-rockige "Down In The Well" (beide aus dem 1991er-Klassiker "New River Head") ein weiteres Mal Nicks Händchen für unglaublich ohrwurmige Melodien unter Beweis stellen.

Vor der Zugabe plaudert der Bevis Frond-Vordenker dann sogar noch ein wenig aus dem Nähkästchen: Er freue sich sehr, endlich wieder mal in Köln zu sein, schließlich hätte ihn sein aus Berlin nach England emigrierter deutscher Vater im Kindesalter auf einen Urlaub nach Köln mitgenommen. "Wir waren auch in Wuppertal und ich habe immer noch ein original Schwebebahn-T-Shirt von 1967! Leider passe ich nicht mehr rein!" Mit der neuen Nummer "Too Kind", die an diesem Abend so ausufert, dass Adrian für einen Moment etwas ratlos schaut und auch Paul nur grinsend mit den Schultern zucken kann, gibt es dann noch eine letzte 15-Minuten-Jam, bevor das Quartett mit der Gun-Coverversion "Race With The Devil" kurz vor Mitternacht ein letztes Mal zu seinen psychedelisch umwehten 60s-Heavy-Rock-Wurzeln zurückkehrt.

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Surfempfehlung:
bevisfrond.bandcamp.com
members.chello.nl/cvanderlely/bfrond.html
de.wikipedia.org/wiki/The_Bevis_Frond
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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