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Konzert-Bericht
 
Landstraßenkapelle auf Entdeckungsreise

Loch Lomond

Duisburg, Steinbruch
21.02.2012

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Loch Lomond
Wie oft passiert es in letzter Zeit, dass selbst vergleichsweise kleine Indie-Bands 20 Euro Eintritt verlangen, das Publikum dann noch mit einer unsäglichen lokalen Vorgruppe getriezt wird und man, nachdem man sich hat hinreißen lassen, sogar noch die überteuerten Devotionalien zu kaufen, am Ende doch nur das Gefühl hat, nicht mehr als professionell abgespultes Entertainment geboten bekommen zu haben? Der Auftritt der fünfköpfigen Indie-Folk-Truppe Loch Lomond im Duisburger Steinbruch - übrigens das allererste Deutschland-Konzert der auf dieser Tour fünfköpfigen Band aus Portland, Oregon – war da in jeder Hinsicht eine wohltuende Alternative.
Nicht nur, dass die Band nach dem Konzert ihr Merchandise praktisch verschenkte (Vinylsingles gab es für drei Euro, wer Album und die exklusive Tour-EP im Paket mitnahm, musste dafür nicht mehr als schlappe 15 Euro berappen), auch der Eintrittspreis war mit acht Euro im Vorverkauf kaum der Rede wert, und dass die Band pünktlich um 20.30 auf der Bühne stand, freute nicht nur diejenigen, die noch von den Karnevals-Festivitäten der Vortage angeschlagen waren. Das Allerschönste jedoch: Loch Lomond spielten ein wunderbar "echtes" Konzert. "Elephants And Little Girls" vom aktuellen Chemikal Underground-Album "Little Me Will Start A Storm" entpuppte sich dabei als perfekter Einstieg in den Konzertabend. Die Richtung Folk deutenden Melodien, die feinen Gesangsharmonien und die geradezu versteckte Energie, die oberflächlich betrachtet vielen zunächst zerbrechlich wirkenden Songs hymnisches Flair verleiht – all das steckte bereits in diesem ersten Song.

Doch obwohl vieles, was diesen Abend so schön machte, bereits im Opener anklang, bestachen Loch Lomond vor allem durch ihre Vielseitigkeit. Mal tauschte der Mann mit der so wandelbaren Stimme, Sänger Ritchie Young, die Akustikgitarre gegen eine Geige, mal stellte Jason Leonard die Stromgitarre in die Ecke, um das Glockenspiel zu bedienen, und selbst Ritchies Bruder am Schlagzeug, der, neu in der Band, sich herrlich unsicher, aber dennoch ohne größere Pannen durch den Abend zitterte, durfte bei einem der neuen Songs von der "White Dresses"-EP nach vorne kommen, um Ritchie und Keyboarderin Brooke Parrott gesanglich zu unterstützen. Für die Zugabe stellten sich dann Ritchie, Brooke und Dave Depper (an diesem Abend Bassist, ansonsten aber auch als Multiinstrumentalist von den Fruit Bats und Musee Mecanique bekannt) vor die Bühne, um unplugged eine herzerweichende Version von Damien Jurados Großtat "Yuma, AZ" zu singen.

Nach einer letzten Bandnummer hätte dann eigentlich Schluss sein sollen, doch das Publikum im geradezu erstaunlich gut gefüllten Steinbruch wollte noch mehr. Also versuchte sich Ritchie solo noch an einem seiner ältesten Songs, "Bird And A Bear". Nachdem er langatmig den Inhalt des Liedes erklärt hatte, verpatzte er allerdings nicht nur den Anfang, sondern stolperte auch am Schluss noch einmal. Das Ende vom Lied? Anstatt die letzte Strophe zu singen, erzählte er kurzerhand, wie die Geschichte ausgeht, und hatte damit die Lacher auf seiner Seite und die Patzer waren verziehen. Momente wie dieser und die bisweilen herrlich unbeholfenen deutschsprachigen Ansagen von Dave waren es, die diesem Abend neben vielen, vielen ausgezeichneten Songs das gewisse Etwas verliehen. Loch Lomond präsentierten sich in Duisburg nicht als überprofessionelle Touring-Band, sondern als gefühlsechte Landstraßen-Kapelle auf Europa-Entdeckungsreise. Doch auch für das Publikum gab es an diesem Abend etwas zu entdecken: eine potenzielle neue Lieblingsband.

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/lochlomondmusic
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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