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Konzert-Bericht
 
Alles, nur nicht gewöhnlich

Jonathan Richman

Essen, Grend
04.03.2012

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Jonathan Richman
Jonathan Richman mag das Grend in Essen. Bereits zum dritten Mal machte er nun in dem Kulturzentrum im Herzen des Ruhrgebiets Station, vermutlich, weil er an dem Laden genau das mag, was andere sogenannte Rockstars daran stören würde. Die niedrige Bühne zum Beispiel, die es ihm erlaubt, mit wachen Augen immer wieder in die Gesichter einzelner Zuschauer zu blicken, oder den nicht an die Bühne angrenzenden Backstageraum, der es ihm am Ende des Konzerts ermöglicht, nicht wie sein treuer Sidekick, Drummer Tommy Larkins, durch den Bühneneingang zu verschwinden, sondern, mit der Gitarre in der Hand, noch einen letzten Marsch quer durchs Publikum zu machen, um wie seine Fans auch durch den Haupteingang nach draußen zu gelangen. Etwas spleenig, aber entzückend - so ist Jonathan halt und so könnte man wohl auch den Konzertabend in Essen treffend beschreiben.
Nach dem vergleichsweise songdienlichen Auftritt vor zwei Jahren scheint das Konzert dieses Mal mehr vom Jazz als vom Rock zu haben, aber genau das verleiht dem Abend die besondere Note. Neu ist diese Herangehensweise natürlich nicht: Seine großartigen Drei-Minuten-Popsongs zu spielen (und die hat der frühere Kopf der Modern Lovers bekanntlich dutzendweise) und sich zwischendurch beklatschen zu lassen, das hat der Tausendsassa mit dem feinsinnig-intelligenten Humor bekanntlich schon vor vielen Jahren aufgegeben. Für die Show in Essen bedeutet dies, dass sich Jonathan in weiten Schlenkern bei jedem der Stücke viel improvisatorischen Freiraum gönnt, hier und da zwischendurch sogar Songs anderer Künstler wie "Hang On Sloopy" zitiert, seinen Drummer mitten im Lied anweist, es doch bitte einmal mit einem anderen Rhythmus zu versuchen ("Yeah, that's better", kommentiert er den neuen Beat danach hocherfreut), auf offener Szene einfach mal mit der Kuhglocke ins Publikum springt, um ein Bad in der Menge zu nehmen, oder herrlich eigensinnig auf der Bühne tanzt, bis auch dem letzten Bernd Begemann-Anhänger im Saal klar ist, wer die Bühnenshow des Hamburger Liedermachers ganz maßgeblich inspiriert hat.
Die Reise, auf die uns Jonathan mitnimmt, umspannt die ganze Welt und praktisch das komplette Leben des Protagonisten. Gleich zu Beginn thematisiert er seine Liebe zu Vermeer und anderen Alten Meistern aus Holland, wir folgen ihm mit mehrsprachigen Songs nach Frankreich und Italien, wortlos sogar nach Ägypten ("Egyptian Reggae"), hören von seinem Umweltbewusstsein (beim niedlichen "The Ocean") und lassen uns bei "Bohemia" gerne noch einmal in muskalischer Form die Geschichte erzählen, wie er damals in den 60ern mit der Bewerbungsmappe "full of pretentious artwork" unter dem Arm seinen heimatlichen Vorort verließ und seine Eltern ihren anfänglichen Widerstand aufgaben, als sie sahen, dass ihr Sprössling es sogar mit The Velvet Underground aufnahm, um seinen Traum zu verwirklichen, bevor er zum Schluss noch einmal zurück nach Frankreich geht. Eine Zugabe im gewohnten Sinne gibt es nicht. Aber das ist vollkommen in Ordnung, denn ein Jonathan Richman-Auftritt ist ja auch kein gewöhnliches Konzert.

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Surfempfehlung:
www.jojofiles.blogspot.com
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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