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Konzert-Bericht
 
"Schnelles, kurzes, präzises Arbeiten"

Tom Liwa
Gregor McEwan

Bochum, Bahnhof Langendreer
21.03.2012

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Tom Liwa
"Goldrausch" heißt das jüngst veröffentlichte schöne neue Album von Tom Liwa, auf dem er, die Ukulele unter dem Arm, die Trennung von der Mutter seines vierten Kindes verarbeitet. Bei seinem ausgezeichneten Konzert in Bochum präsentierte er das Werk praktisch in Gänze, und trotzdem war es einer der musikalisch wie textlich abwechslungsreichsten Auftritte von Duisburg's Finest seit Langem. Denn auch wenn er seine Wollmütze tief ins Gesicht gezogen hatte und größtenteils zwischen den Songs stumm blieb, zeigte er sich an diesem Abend von seiner aufgeräumten, ja, glücklichen Seite, ganz anders also als im Sommer 2010, als er die Songs seines inzwischen verworfenen, Südamerika-inspirierten "Nord über Südwest"-Albums erstmals präsentiert hatte. Einen Gast hatte in Bochum er auch noch mitgebracht: Wolfgang Sellner begleitete ihn - wie schon auf der Platte - bei vielen der "Goldrausch"-Songs am Cello und setzte markante klangliche Kontrapunkte zum bisweilen eher dünnen Klang der Ukulele(n).
Das Vorprogramm bestritt der Mann, der sich inzwischen Gregor McEwan nennt. In einem früheren Leben hatte er dagegen behauptet, er hieße Hagen Siems und war als Sänger bei der Britpop-Band Helter Skelter aktiv. Letzteres schien auch bei seinen Solo-Sachen bisweilen noch etwas durch, allerdings waren es an diesem Abend nicht die energischen Pathos-Songs mit Oasis-Akkorden mit denen er punktete, denn Eindruck machte McEwan eher in der (neuen) Rolle des traurigen, Halstuch-tragenden Folkies, der auch mal einen Song unplugged und am Bühnenrand sitzend spielt oder Natalie Imbruglias "Torn" oder It's My Life" von den Beatles in ein neues Licht rückt. Mit seinen durchaus humorigen Anekdoten from the road (zum Beispiel der, dass die Greifswalder Hip-Hop-Kids ihre Heimatstadt G-Wood nennen) konnte er beim Liwa-Publikum zwar nicht so recht landen, das für einen Song als Begleitung unerlässliche Meeresrauschen - mit eingestreuter Möwe! - simulierten die Zuschauer dann allerdings dennoch mit geradezu unerwartetem Eifer und klatschten den inzwischen in Berlin heimischen Musiker anschließend für eine Zugabe noch einmal auf die Bühne.
Was Jules Verne einst 80 Tage kostete, nämlich einmal um die Welt zu reisen, gelang Tom Liwa an diesem Abend in knapp 20 Minuten. Mit "Väinämöinen", dem ersten von drei, vier Rückgriffen auf "Nord über Südwest" deutete er gleich zu Beginn Richtung Finnland, mit dem leisen Cover von Bob Marleys "Redemption Song" nach Jamaika, dann besuchte er Caetano Velosos Schwester "Maria Bethania" in Brasilien und schloss, zurück mitten in Deutschland, bei "Dein Wille geschehe" mit seiner letzten gescheiterten Beziehung ab. Auf dem Papier mag das nach einer wilden Mischung klingen, allerdings war diese Weltreise im Zeitraffer äußerst kurzweilig, was sicherlich auch daran lag, dass die Songs von "Goldrausch" durch die Bank schnell auf den Punkt kommen. Besonders auffällig war dies, als Liwa seinen Begleiter Sellner für das kaum 90-sekündige "Wohin mit dem verheulten Gesicht" (mit einem tollen Cello-Arrangement à la "Eleanor Rigby") zurück auf die Bühne bat. "Das ist schnelles, kurzes, präzises Arbeiten", merkte er anschließend lächelnd an. Zum Schmunzeln brachte ihn übrigens auch die letzte Zeile von "Heideblume": "Nur ein Idiot würde dich als Braut / verschmähen, bevor der Morgen graut." Ein Zeichen, dass er den Trennungsschmerz inzwischen wirklich hinter sich gelassen hat?

Dass sich unter den 19 Liedern des Sets nur ein einziges befand, das älter als vier Jahre war (das immer wieder wunderbare "Stunde des Zweifels"), fiel praktisch gar nicht weiter auf. Und als seien Gitarren-Nummern, Ukulele-Stücke und Cello-Begleitung noch nicht Abwechslung genug, streute der Mann in der Lidl-Trekking-Hose, aus deren Taschen so leicht das Kleingeld fällt ("Da verliert man dann das Geld wieder, das man vorher bei Lidl gespart hat... Ist ein sehr urbanes Problem!"), immer wieder Coverversionen ein. "Wouldn't You Miss Me" von Syd Barrett schenkte er seinem Musiker-Kollegen Florian Kühlem (alias Unter Anderem Max) zum Geburtstag, und bei der Zugabe gab es auch noch Neil Youngs "Old Man" und als Finale "Natural Mystic" von Bob Marley zu hören. Und: Den Zuschauern dankte er abschließend nicht fürs Kommen, sondern fürs Bleiben...

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Surfempfehlung:
www.tomliwa.de
www.gregormcewan.com
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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