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Konzert-Bericht
 
Der Erfinder der Metrosexualiät

Bernd Begemann
Dorit Jakobs

Bochum, Theater Rottstr 5
27.04.2012

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Bernd Begemann
Lag es an der ungewohnten Location, dem mitgebrachten Special Guest oder der Curfew-bedingten kurzen Spielzeit? Dieser Freitagabend mit Bernd Begemann machte jedenfalls richtig Spaß! Nichts war zu spüren von der Düsterkeit, die sich in den letzten Jahren schleichend in seinen Auftritten breitgemacht hatte. Gut gelaunt und mit schon länger nicht mehr erlebter fröhlicher Lockerheit führte Hamburgs Entertainer Nummer 1 durch diesen kurzen Abend in dem winzigen, aber brechendvollen Off-Theater in einem Eisenbahnbrückenbogen am Rande der Bochumer Innenstadt und begeisterte das Publikum aus neugierigen Theaterstammgästen, alteingesessenen Begemann-Fanatikern und oft jungen Erstkontaktlern nicht nur mit seinen Songs, sondern auch mit hanebüchenen Behauptungen wie: "Ich hab damals in den 70ern die Metrosexualität erfunden. Meine Mitschüler dachten, ich sei ein Lutscher, dabei war ich einfach metrosexuell!"
Weil um Punkt 22.00 Uhr der Strom abgestellt wurde, war es ein ungewohnt kurzes Vergnügen. Obwohl Bernd die traditionelle Pause zu einem kleinen Nikotinpäuschen verkürzte ("Wir Nichtraucher bewundern euch Raucher - ihr riskiert so viel für so wenig!"), blieb kaum mehr als eine Eindreiviertelstunde Nettospielzeit für ihn. Trotzdem hatte man am Ende nicht das Gefühl, nur ein halbes Begemann-Konzert gesehen zu haben, denn irgendwie war alles da: Ein knuffiges Intro vom Band (Ennio Morricones Soundtrack zu "Mein Name ist Nobody"), jede Menge mit fast unerwartet viel Drive gespielte Lieder der letzten Jahre ("Weil wir weg sind", "Nichts erreicht außer dir", "Die Slums von Eppendorf", letzteres mit original "Sabrina-87-'Boys, Boys, Boys'-Feeling und der schelmischen Frage, ob es in Bochum auch Nobelvororte gäbe), an genau den richtigen Stellen eingestreute alte Klassiker à la "Deutsche Hymne ohne Refrain", "Bleib zuhause im Sommer" sowie als einzige echte Rarität "Sie blieb niemals stehen", das Verlosen von alten Monica-Bellucci-Filmen auf VHS und natürlich das scharfzüngige Philosophieren zwischen den Songs. Doch obwohl der elektrische Liedermacher reichlich Zeit benötigte, bis sich seine Empörung darüber gelegt hatte, dass jetzt sogar Die Ärzte auf den aus der Comedy bekannten "Männer sind ganz anders als Frauen"-Zug aufspringen, blieb sogar noch Raum für einige unerwartete Schlenker. So bat Bernd am Ende des ersten Teils die junge Hamburger Sängerin und Gitarristin Dorit Jakobs auf die Bühne, um mit ihr gemeinsam "Fernsehen mit deiner Schwester" zu spielen. Der Dialog der beiden mitten im Song wirkte zwar ein wenig einstudiert, aber immerhin hatten sie so die Chance, noch zwei als TV-Titelmelodien bekannte Songs anzuspielen, sie aus den "Gilmore Girls", er aus "Dawsons Creek". Ein großartiger Duettsänger wird Bernd allerdings wohl nie - dafür baut er viel zu gerne spontan unerwartete Wendungen in seine Songs ein.
Die zweite Hälfte eröffnete Dorit dann mit einer Solonummer aus eigener Feder, die nett und sympathisch, in diesem Rahmen aber etwas unspektakulär war. Dennoch ließ sich Bernd von seinem Special Guest kurz darauf zu gleich zwei Coverversionen inspirieren. Dorits einsam auf der Bühne stehender Mikroständer erinnerte ihn nämlich daran, dass sie nun nicht mehr da war, und welcher Song hätte da besser passen können als "She's Not There" von den Zombies? Den 60s-Evergreen zu spielen begeisterte Bernd so sehr, dass er anschließend gleich noch einen zweiten Zombies-Klassiker, nämlich "Time Of The Season", dranhängte, bevor er sich wieder seinen eigenen Hits wie "Judith" oder "Unten am Hafen" zuwandte. Allerdings achtete er auch darauf, dass die Stimmung nicht zu ausgelassen wurde, indem er kurz vor Schluss noch den Publikumswunsch "Die Apokalypse erreicht Borkhorst" ("Immer ein sicherer Partyknaller!") erfüllte. Das Finale mit "Bist du dabei" bestritten Bernd und Dorit dann wieder zusammen, bevor noch eine einzige Zugabe ohne Mikro und mit runtergedrehtem Verstärker erlaubt war: "Eigentlich wollte ich nicht nach Hannover", oder wie Bernd es dieses Mal in Gedenken an Otis Redding sang: "Hano-fa-fa-fa"! Es waren kleine Details wie dieses, die dafür sorgten, dass dieses Begemann-Konzert so viel Freude machte.

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Surfempfehlung:
www.bernd-begemann.de
www.doritjakobs.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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