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Konzert-Bericht
 
Schluffig, schüchtern, schön

Holmes

Essen, Grend
28.04.2012

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Holmes
Ein erst kurz vor der Tournee veröffentlichtes neues Album, der erste schöne Sommertag draußen, jede Menge Konzertkonkurrenz im Ruhrpott - kein Wunder, dass beim von Gaesteliste.de präsentierten Tourstopp der Skandinavier Holmes in Essen das Publikum eher überschaubar war. Die Veranstalter hatten aus der Not allerdings eine Tugend gemacht. Hohe Tische mit roten Samtdecken und Barhocker machten aus dem Auftritt ein Sitzkonzert, und das passte ganz ausgezeichnet zum oft besinnlichen Sound auf der Bühne. Denn auch wenn das junge Sextett aus Schweden bereits drei Alben veröffentlicht hat - ihre Schüchternheit, gepaart mit einer gewissen Schluffigkeit, haben die fünf Herren plus Dame (noch) nicht abgelegt. Paradebeispiel war im Grend die Einleitung zum großartigen "Debris": Sie hätten bislang auf dieser Tour ganz vergessen, diesen Song zu spielen, dabei sei er doch ihre neue Single...
Doch auch wenn es Holmes bisweilen geradezu peinlich zu sein schien, zwischen den Stücken Ansagen machen zu müssen - sobald die Schweden Musik spielen konnten, waren sie glücklich. Nicht nur Akkordeonspielerin Larisa Ljungkrona hatte praktisch die kompletten 70 Minuten über ein leicht entrücktes Lächeln im Gesicht. Und was für Musik sie spielten! Verwurzelt im Americana, sorgten Akkordeon und die schwer zu erklärende, aber stets greifbare skandinavische Melancholie bei den meisten Songs für die besondere, betont eigene Note. Dass die Band einen ihrer Songs ursprünglich "Warren Zevon" nennen wollte, bis sie sich kurzfristig anders entschied, passt perfekt. Denn all die Adjektive, die für gewöhnlich zur Charakterisierung der Musik des leider 2003 verstorbenen amerikanischen Troubadours verwendet werden - tiefsinnig, ironisch, eigensinnig, unangepasst, subtil -, beschreiben auch den Sound von Holmes treffend. Obwohl die Band zu sechst auf der Bühne stand, wirkten viele Songs trotz ihrer instrumentalen Fülle wunderbar zerbrechlich. Je nachdem, ob Klavier, Akkordeon oder Lap Steel den Ton angaben, deuteten die Nummern in Richtung Pop, Folk oder Country. Dass Holmes das große Instrumentarium aber gar nicht benötigen, zeigte sich bei "A Bad Aubade", das Sänger Kristoffer Bolander allein zur Akustikgitarre sang und damit (dennoch) für das heimliche Highlight des Abends sorgte.
Obwohl auf der Setlist - geschrieben mit Bleistift auf Notenpapier! - ausdrücklich lediglich zwei Zugabensongs vermerkt waren, forderten die Zuschauer der Band letztlich vier ab, darunter auch die eigentlich nicht vorgesehene B-Seite "Luxury Is Treasury", eine unerwartet rockige Uptempo-Nummer, die ins Programm gerutscht war, weil Keyboarder Daniel Zackrisson, der den ganzen Abend mit technischen Problemen zu kämpfen hatte, den Wettstreit Mensch gegen Instrument letztlich verlor und so zum Schluss zur Gitarre griff. Mit "Waiting" aus dem aktuellen Album, "Burning Bridges", stand dann der wohl fröhlichste Song des Abends absichtlich ganz am Ende, um das Publikum mit einem guten Gefühl aus dem Konzert zu entlassen. So viel Umsicht wäre allerdings gar nicht nötig gewesen, denn auch bereits davor waren die Zuschauer vollauf begeistert.

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Surfempfehlung:
www.holmesareburningbridges.com
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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