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Von wegen, no more heroes!

Hugh Cornwell

Essen, Grend
30.04.2012

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Hugh Cornwell
Dass ein Künstler innerhalb von sieben Monaten zwei Mal im gleichen Laden auftritt, mag auf den ersten Blick seltsam anmuten, bei Hugh Cornwell ergab es allerdings durchaus Sinn. "Wir können sie nicht alle spielen - oder zumindest würde es sehr, sehr lange dauern", hatte er letzten Herbst mit Blick auf seine unglaublichen 23 Top-40-Hits gesagt. Also kam er jetzt wieder ins Essener Grend, um ein paar der Nummern zu spielen, die beim vorangegangenen Abstecher ins Ruhrgebiet nicht ins Programm gepasst hatten. Natürlich, all seine Charterfolge liegen mehr als 20, in vielen Fällen sogar mehr als 30 Jahre zurück, doch anders als seine ohne ihn auch noch aktive frühere Band, die britischen Punk-Pioniere The Stranglers, beschränkt sich der knapp 63-jährige Brite keinesfalls darauf, lediglich seine glorreiche Vergangenheit zu verwalten.
Das bewiesen gleich drei neue Songs aus seinem in Bälde zur Veröffentlichung anstehenden neuen Album, "Totem And Taboo". Nach dem betont garagigen Vorgänger "Hoover Dam" scheint Cornwell dabei - trotz Steve Albini als "Produzent" - vermehrt auf songtechnische Eingängigkeit zu setzen: Neben "Love Me Slender" entpuppte sich vor allem "Stuck In Daily Mail Land" als echter Ohrwurm und war so etwas wie das heimliche Highlight des Abends. Überhaupt schien es dieses Mal mehr ein Konzert der Extreme zu sein. Nachdem wir letzten Herbst den Eindruck hatten, dass Cornwell darum bemüht war, mit punkigem Drive die bei den Stranglers einst so wichtige Orgel zu ersetzen, und die Band bisweilen froh schien, einige der vertrackteren Liedern schnell aus dem Weg räumen zu können, hatte das Trio - neben Cornwell wieder Caroline Campbell am Bass und Chris Bell am Schlagzeug - dieses Mal vor allem an den musikalisch zickigeren Nummern wie "Bear Cage", dem alten Stranglers-Heuler über Berlin (Bärlin!) oder "Philip K Ridiculous" aus "Hoover Dam" richtig Spaß. Sogar "Golden Brown", beim letzten Mal noch eine der wenigen schwächeren Stücken, gelang dieses Mal glänzend.

Natürlich war es unvermeidlich, dass es auch einige Parallelen zum letzten Konzert gab, etwa die, dass das Publikum - zahlenmäßig doppelt so stark wie letzten September, sprich: Es waren nicht nur alle wiedergekommen, sondern hatten sogar noch jemanden mitgebracht - auch dieses Mal wieder hin und weg war! Aber kein Wunder bei einem Schlagzeuger, der vor Energie geradezu übersprudelt und keine Sekunde still sitzen kann, einer Bassistin, der die pure Freude am Zusammenspiel mit ihren Kollegen immer wieder ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubert, und einem coolen Hund an Gitarre und Mikro, der, auch ohne viel sagen zu müssen, vor Charisma sprüht und auch dieses Mal für ein bisschen Humor sorgt. Nachdem er beim letzten Auftritt seine Merchandise-Preise für "Besser als Karstadt" befunden hatte, konnte er sich dieses Mal ob der Hitze auf und vor der Bühne den Scherz nicht verkneifen, dass seine Gaststadt doch besser Trinken statt Essen heißen sollte...

Am Ende des schweißtreibenden Vergnügens stand dann sogar noch eine ungeplante Zugabe. Die vorher ausgeheckte Setlist war jedenfalls schon durch, und eigentlich hatte Cornwell auch zweifelnd mit dem Kopf geschüttelt, als ihn sein Tourmanager nach "Always The Sun" fragte, ob er nicht vielleicht doch noch ein weiteres Mal auf die Bühne zurückwolle, doch dann überlegte er es sich anders und spielte noch eine allerletzte Nummer, und zwar nicht irgendeine, sondern den beim letzten Mal ausgelassenen Hit-für-alle-Ewigkeit "No More Heroes!" Wow!

Über eine Stunde nahm sich die Legende zum Anfassen anschließend, um Tonträger und T-Shirts zu verkaufen, Autogramme zu geben, Fotos mit Zuschauern zu machen und Fan-Gespräche zu führen. Wenn ihn das nicht zu einem Helden macht!

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Surfempfehlung:
www.hughcornwell.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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