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Konzert-Bericht
 
Gisbert wer?

Daantje & The Golden Handwerk
Pappmaché

Dortmund, Subrosa
10.05.2012

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Daantje
Für Gisbert zu Knyphausen war bei seinem letzten Besuch in Dortmund das Konzerthaus gerade groß genug, bei Joachim Zimmermann alias Daantje & The Golden Handwerk ist trotz freiem Eintritt sogar im kleinen Subrosa an diesem Donnerstagabend noch Platz - dabei stammt von dem Stuttgarter Singer/Songwriter mit der herrlich nöligen Stimme doch "Wer du bist", jenes Lied, das als Coverversion seit Jahren immer wieder das heimliche Highlight bei Konzerten von eben jenem Herrn von und zu ist. Wie schon beim feinen (und leider auch nicht gut besuchten) Konzert in der Kölner Lichtung letztes Jahr hat Daantje auch dieses Mal wieder Verstärkung aus Norddeutschland im Schlepptau: Das Vorprogramm bestreiten Pappmaché aus Hamburg.
Christoph Kohlhöfer, wie der Kopf hinter der Fast-Ein-Mann-Band Pappmaché heißt, ist gekommen, um sich zu beschweren. Mit den Songs aus seinem jüngst erschienenen Album "Zwischen King Grill und Porsche Zentrum" schließt er die Lücke zwischen Tocotronic und dem leisen deutschen Liedermachertum, das seit einigen Jahren verstärkt en vogue ist. Mit der Akustikgitarre in der Hand und lediglich von Steffen "Staring Girl" Nibbe an Bass, Stromgitarre oder Glockenspiel dezent begleitet, verströmt der Hamburger musikalisch oft ein ähnliches Flair wie derzeit viele deutsche Befindlichkeitsmusiker, geht in den Texten aber konsequent alles an, was ihn in der Welt aufregt, anstatt sich unter der eigenen Bettdecke zu verkriechen. Ob der geradezu punkigen Attitüde mancher Texte verwundert es nicht, dass es an diesem Abend in Dortmund vor allem Uptempo-Stücke wie "Meditativer Punk Song #2 (Bewegung)" sind, die besonders hängen bleiben. Bei einigen der ruhigeren Nummern dagegen ist die eingangs beschriebene Idee dahinter besser als das Ergebnis.
Danach geht es fast nahtlos mit Daantje weiter. Der ist dieses Mal mit vierköpfiger Band angetreten. Mit Gunnar Ennen als musikalischem Direktor und "an allen Instrumenten dieser Erde", wie Joachim am Ende sagt, dem einmal mehr stoisch ruhigen Bassisten Frenzy Suhr sind zwei Gesichter darunter, die man aus der Band von Gisbert zu Knyphausen kennt. Wer allerdings gekommen ist, um "Wer du bist" und einen Gisbert 2.0 zu erleben, wird gleich zu Beginn überrascht. Zwar baut Daantje seine Songs auf einer ähnlichen Basis auf wie derzeit viele deutsche Singer/Songwriter, er ist dabei aber wesentlich eigener als die meisten. Mit dem umwerfenden, fast zehnminütigen Opener "Rampenlied" bedient Daantje so gar nicht das Klischee des musikalischen Leisetreters, eher glaubt man, eine Schuhkartonversion von The Velvet Underground zu hören. Groß! Auch mit dem augenzwinkernden "Meine BumBumBum Revolte" bleibt das Rock'n'Roll-Energielevel hoch. Das bereits erwähnte "Wer du bist", beim Auftritt in Köln vor Jahresfrist noch mit einer spaßigen Ansage besonders hervorgehoben, wird dieses Mal fast beiläufig als drittes Stück aus dem Weg geräumt, solistisch zu Beginn, mit Bandbegleitung am Ende, wobei vor allem die Geige von Dorin Daiber für schöne neue Facetten sorgt. Auch "Weiße Wände" gefällt mit ungewöhnlicher Instrumentierung. Während Gunnar erklärt, durch seinen Banjoeinsatz würde daraus eine Bluegrass- oder Americana-Version, kontert Joachim lapidar: "Ich sag ja immer Truck-Stop-Version." Glücklicherweise hatte das Stück dennoch mehr von den texanischen Weiten als von der ZDF-Hitparade.

Weil der Auftritt in Dortmunds Hafenschänke Nummer 1 der erste Stopp auf der Tournee ist, darf auch einiges schiefgehen und trotzdem lediglich mit einem Lachen der Musiker kommentiert werden. Ein Fehler beim Blick auf die Setlist (Joachim macht die falsche Ansage zum richtigen Lied oder umgekehrt) gibt dem Mann am Mikro dann auch noch die Chance, für Klarheit in der Hackordnung in der Band zu sorgen. Als Schlagzeuger Utz Wellmann nämlich kurzerhand die Setlist durcheinanderwürfeln will, sagt Joachim klipp und klar: "Wenn der Chef sagt: 'Nicht viel', dann spielen wir auch 'Nicht viel'!" Natürlich muss er danach lachen. Auch ein paar brandneue Lieder sind im Programm, mindestens genauso gut wie die alten "Hits", wenngleich textlich oft etwas weniger runterziehend als man es von Daantje bisher gewohnt ist. Fast scheint es, als habe er es sich zum Ziel gemacht, sich von den Fallen, die auf Musiker der Kategorie "Liedermacher, traurig" lauern, so weit wie möglich fernzuhalten. Als "Rausschmeißer" dient, wie auf dem aktuellen Album "Ach", der Song "König", der musikalisch den Kreis schließt, der sich 70 Minuten zuvor mit "Rampenlied" geöffnet hatte.

Bei der ob der Subrosa-Curfew einzigen erlaubten Zugabe, "Immer rot", darf die Band dann sogar noch ein Weilchen ohne ihren Chef laut und wild jammen und hat sichtbar einen Riesenspaß dabei. Am Ende strahlen allerdings nicht nur die Musiker auf der Bühne, sondern auch die Zuschauer davor, denn dieser Konzertabend war wirklich fantastisch.

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Surfempfehlung:
www.daantje.de
www.facebook.com/pappmusik
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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