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Kolossal!

Messer
Out On A Limb

Münster, Gleis 22
08.06.2012

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Messer
Eigentlich hätte es bei diesem Abend die ersten Exemplare des Messer-Debütalbums "Im Schwindel" zu kaufen geben sollen. Doch nach einer begeistert aufgenommenen Tournee - sogar der eigentlich nicht als Fachblatt in Sachen deutschsprachiger Indierock bekannte Kölner Express hatte in die Lobeshymnen mit eingestimmt! - gab es bei diesem Heimspiel zum Tourabschluss lediglich die letzten Exemplare der Erstauflage zu ergattern, dabei ist der Erstling des Quartetts auf den offiziellen Vertriebswegen noch gar nicht erhältlich! Wer die vorab erschienene "Augen"-EP erstehen wollte, schaute sogar vollkommen in die Röhre: Bei der Band ausverkauft! Keine Frage, die Gruppe Messer mit ihrem Sound im Dunstkreis von Heroen wie Fehlfarben, Blumfeld oder Kolossale Jugend ist auf dem Sprung in die erste Liga - oder vielleicht sogar schon einen Schritt weiter.
Eröffnet wird der Abend von Out On A Limb aus Karl Marx-Stadt, wie es in der Gleis 22-Ankündigung treffenderweise heißt. In der Tat klingt das Quintett mehr nach Karl Marx-Stadt als nach Chemnitz, denn nicht nur der Bandname (Hüsker Dü!) und das T-Shirt des Sängers (Minutemen!) deuten in Richtung 80er-Jahre-Tristesse, auch die Düsterkeit zwischen Wave und Garage, die sich unter die SST-Punk-Anleihen mischt, passt dazu. Doch obwohl die fünf kaum ein halbes Dutzend Songs aus ihrem aktuellen Album "Drowned" spielen, klingt vieles zu gleichförmig, um den Funken zum in gehörigem Sicherheitsabstand postierten Publikum überspringen zu lassen. Schade!
Ganz anders bei Messer: Schon vor dem ersten Song knubbeln sich die Fans direkt vor der Bühne, offenbar sind die paar Zentimeter, die Sänger Hendrik von der ersten Reihe trennen, einigen noch zu viel. Kein Wunder, dass die Band das Publikum von Anfang an auf ihrer Seite hat, obwohl das vergleichsweise verhaltene "Was man sich selbst verspricht" kaum mehr als die Ouvertüre für das ist, was kommen soll. Mit "Augen in der Dunkelheit" und "Gassenhauer" brechen dann alle Dämme und Hendrik hängt zum ersten, aber längst nicht letzten Mal im Gestänge der niedrigen Gleis-Decke und brüllt den Zuschauern die Zeilen entgegen, die sie längst kennen: Wo gibt's das sonst schon, dass das Publikum die Texte bereits mitsingt, obwohl die Platte eigentlich noch gar nicht richtig draußen ist?

Der Sänger ist ohne Frage der Mittelpunkt der Band, sein Auftreten ist extrovertiert, sein Gesang ist rau und wütend, oft mehr ein Schreien als ein Singen, aber das passt ganz ausgezeichnet zu den rätselhaft düsteren Texten. Im Hintergrund wirbelt Drummer Philipp. Immer wieder bläst er die Backen auf, als würde das seinem eh schon druckvollen Spiel irgendwie noch mehr Punch verleihen, und auch ohne Mikro singt er des Öfteren die Texte mit. Bassist Pogo steht derweil mit bisweilen stoischer Ruhe links vom Schlagzeug und hält die um ihn wogenden Noise-Wellen locker im Zaum. Nur Gitarrist Pascal will auf den ersten Blick nicht so recht ins Bandgefüge passen. Doch die Zurückhaltung, die er ausstrahlt, steht im krassen Gegensatz zu den krachigen Gitarrensplittern, die er durch den Verstärker jagt: schroff, kantig, großartig!

Fast das komplette Album haut uns das Quartett in Rekordzeit - Zeit für lange Ansagen wird nicht verschwendet - um die Ohren, lediglich die Spoken Word-Nummer "Weißer Rauch" fehlt verständlicherweise. Dazu gesellen sich einige unveröffentlichte Songs wie "Neonlicht" und "Platzpatronen", mit denen Messer neue Pfade beschreiten: Mehr Experiment, weniger Adrenalin sozusagen. Die Gewinner des Abends sind allerdings die herrlich unmittelbaren Songs des Debüts: "Lügen" zum Beispiel oder das bei der stürmisch geforderten Zugabe gespielte "Fieberträume", bei dem Hendrik kurzerhand das Mikro an die Meute in Reihe eins übergibt, ohne dass deshalb eine einzige Zeile gefehlt hätte! Anschließend gibt's noch eine letzte neue, "zerstörerische" Nummer, die das Quartett an diesem Abend zum allerersten Mal spielt. Dass danach Schluss ist, liegt nicht daran, dass das Publikum genug hätte. Lediglich die Tatsache, dass die Band keine weiteren Songs mehr hat, verhindert einen längeren Auftritt. Aber Messer kommen wieder, keine Frage!

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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