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Überraschung!

Bob Dylan

Bonn, Kunst!Rasen
04.07.2012
Bob Dylan
Lange Zeit war Bob Dylan als Live-Act eine Klasse für sich. Abend für Abend pflückte er auF seiner inzwischen fast 25 Jahre währenden "Never Ending Tour" scheinbar wahllos immer wieder andere Songs aus seinem riesigen Repertoire an Hits und Hymnen, und selbst die Stücke, die regelmäßig im Programm waren, interpretierte er bei jedem Konzert anders: ein neues Gitarrensolo hier, ein Mundharmonika-Einsatz dort, von den ständig wechselnden Phrasierungen der Texte ganz zu schweigen. Von Folk über Country-Rock bis zu bluesgetränkten Nummern war stets alles erlaubt. In den letzten Jahren sind die Shows des inzwischen 71-jährigen US-Troubadours allerdings deutlich vorhersagbarer geworden. Womöglich nicht zuletzt wegen seiner vollkommen zerstörten Stimme, die ihm deutlicher weniger Spielraum lässt als früher, setzt er seit einiger Zeit vermehrt auf eine recht überschaubare Auswahl an Songs neueren Datums - und vieles davon ist Blues nach dem immer gleichen Schema.
Der Abend in Bonn versprach also trotz schönstem Open Air-Wetter mehr ein Pflichtbesuch bei einer Legende denn ein wirklich tolles Konzerterlebnis zu werden, doch rechtzeitig zum Gastspiel am Rheinufer hatte Dylan einige kleine Details verändert und konnte so positiv überraschen, ohne freilich die Form der späten 90er, geschweige denn die der 60er und 70er zu erreichen. Hatte er sich in den letzten Jahren fröhlich durch seine Songs georgelt, spielte das nervtötende, weil von Dylan eher als perkussives Instrument eingesetzte elektrische Keyboard in Bonn keine große Rolle mehr. Stattdessen saß Dylan die meiste Zeit am Konzertflügel, was den Songs nicht nur eine unerwartete Klangfarbe gab, sondern auch dafür sorgte, dass die höllisch lauten, variationsarmen Blues Rock-Arrangements des Vorjahres gegen leisere Versionen ausgetauscht wurden. Sprich: Anstatt von seinen Musikern alles mit Lautstärke niederwalzen zu lassen, gab Dylan dieses Mal bewusster den Ton an, und seine fünfköpfige, ausschließlich mit Könnern besetzte Band folgte ihm. Dass die Herren bei längerer Leine sicherlich mehr gekonnt hätten als das, was sie an diesem Abend zeigen durften, steht außer Frage, aber es ging ja nicht um die Band.

Dass der Meister - vermutlich (auch) ob seines Wechsels ans Piano - gut aufgelegt war, zeigte sich gleich zu Beginn. Statt des fast ein Jahr pausenlos als Opener zum Zuge gekommenen unsäglichen "Leopard-Skin Pill-Box Hat" gab's in Bonn überraschenderweise "Just Like Tom Thumb's Blues" am Anfang - noch dazu trotz eines Texthängers bei Strophe eins in einer ungemein flüssigen Version, bei der sogar Gitarrist Charlie Sexton die Chance bekam, mit einem ausführlichen Solo zu glänzen. Auch "Man In The Long Back Coat" gleich im Anschluss war eine Überraschung, von Dylan nur mit der Mundharmonika in der Hand in der Bühnenmitte geradezu unerwartet klar und mit viel Dynamik gesungen.

Danach schwenkte die Band zwar auf die erwartete Setlist ein, die gute Laune auf der Bühne allerdings blieb. Immer wieder erlaubten sich die Musiker kleine Scherze - Tony Garniers Slap-Bass-Part bei "Summer Days" quittierte Dylan sogar mit einem hörbaren Lachen - und sorgten so für eine entspannte Atmosphäre, die unter anderem dazu führte, dass selbst "Rollin' And Tumblin'" dieses Mal gar nicht so rumpelig wie sonst klang und bei "High Water" munter drauflos gejammt werden durfte und sich der Song so als heimliches Highlight des Abends empfahl. Manches Mal lief das Jammen zwar ins Leere, doch das Trial-and-Error-Verfahren ist einfach Teil der Dylan'schen Herangehensweise. Ein einziges Mal griff der Amerikaner an diesem Abend zur Gitarre, doch während sein arg atonales Spiel den Songs in den letzten Jahren oft mehr geschadet als geholfen hatte, gelang "Simple Twist Of Fate" in Bonn ganz ausgezeichnet.

Am Ende des 100-Minuten-Auftritts standen dann die großen Klassiker der 60er, doch auch für die fand Dylan bisweilen neue Drehungen und Wendungen: Beim explosiven "Ballad Of A Thin Man" wurde seine Stimme mit mächtig viel Echo versetzt und so die Dramatik des Songs noch einmal gesteigert, und "All Along The Watchtower" wurde nun wieder als straighter, knapper Rocksong gegeben, nachdem das Arrangement zuvor jahrelang in Richtung Hendrix gedeutet hatte.

Auch wenn man Dylan sein Alter inzwischen immer deutlicher anmerkt: Nach diesem unverhofft energiegeladenen, erfreulich fokussierten Konzert steigt die Vorfreude auf sein in wenigen Wochen erwartetes neues Studioalbum.

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Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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