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Konzert-Bericht
 
Michael Jackson wacht über uns

Alela Diane
Reflecting Elephants

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
18.07.2012

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Alena Diane
Eine neue Platte ist immer eine Reaktion auf die vorangegangene, so heißt es. Das ist auch bei Alela Diane nicht anders, denn gerade als es so aussah, als hätte sie mit ihrem letztjährigen, betont bandorientierten, soundtechnisch ein Stück weit in Richtung (Alternative-)Pop deutenden Werk "Alela Diane & Wild Divine" ihren solistischen Folk-Wurzeln endgültig den Rücken gekehrt, macht die 28-jährige Kalifornierin einen U-Turn. Ihre nächste Platte soll "much more of a solo affair" werden, und um auszutesten, wie es sich anfühlt, erstmals seit den Tourneen zu ihrem Erstling "The Pirate's Gospel" wieder allein auf der Bühne zu stehen, probierte sie eine Handvoll neuer, verheißungsvoller Songs auf einer sehr kurzen Europa-Tournee schon einmal weit vor der Veröffentlichung aus. Dabei stattete sie auch dem von der Klosterkapelle zum Poppodium mutierten Roepaen an der deutsch-holländischen Grenze einen Besuch ab.
Zunächst stehen allerdings Robert "Shane" Siroen and Charl Delemarre alias The Reflecting Elephants auf der Roepaen-Bühne. Die zwei blutjungen Musiker sind zwar in Ottersum so etwas wie Local Heros (sie stammen aus dem Nachbardorf Milsbeek), präsentieren sich an diesem Abend allerdings eher als Weltbürger. Ihr Bandname wurde von Salvador Dali inspiriert, die Songs erzählen von Charls Sechs-Monats-Trip nach Indien genauso wie von todgeweihten Freundinnen daheim, während das Duo musikalisch tief in der US-amerikanischen Singer/Songwriter-Tradition verwurzelt ist. Ein bisschen wirken sie wie eine strubbelige Version von Simon & Garfunkel, die nicht in New York, sondern in Austin oder Tucson beheimatet ist. Auch wenn die beiden in Zukunft vielleicht auf eine stärkere eigene Note setzen sollten - der wohlwollende Applaus der Zuschauer unterstreicht: Robert und Charl wissen schon jetzt durchaus zu gefallen.

Auch Alela nimmt das Publikum in der selbst an einem Mittwochabend zur Ferienzeit praktisch voll besetzten Kapelle auf Roepaen schnell gefangen. Nur bei der Eröffnungsnummer "Dry Grass And Shadows" stochert sie noch etwas im Nebel, aber gleich danach entfaltet sich beim leisen, aber umso eindringlicheren "Tired Feet" die ganze Magie der trotz hoher Absätze kleinen Dame mit der einnehmenden Stimme. Doch so willkommen die Rückgriffe auf ihre ersten drei Alben auch sind, spannender sind die neuen Songs, die Alela auf dieser Gastspielreise erstmals präsentiert. "Lost Land" zum Beispiel begeistert als sanfte Ballade mit dezentem Country-Einschlag und klingt ein wenig so, als atme der Song den Geist der Solowerke von Bruce Springsteen, während "Hazel Street" eher Storytelling-Folk klassischer englischer Prägung ist und der Refrain von "Rose & Thorn" trotz traditionalistischem Anstrich mit der höchsten Eingängigkeit glänzt. Die vielleicht beste neue Nummer, "About Farewell", die sich Alela passenderweise für die Zugabe aufhebt, setzt dagegen auf Townes Van Zandt'sches Flair und kommt auch textlich angenehm düster daher. Lediglich "Colorado Blue" wirkt trotz willkommenem 60s-Westcoast-Einschlag etwas ungelenkt und (zu) kantig.

Große Erklärungen zum Inhalt der neuen Songs liefert Alela an diesem Abend nicht. Lieber freut sie sich über die tolle Atmosphäre ihres Auftrittsorts oder macht Scherze über das Portrait von Michael Jackson, das - neben vielen anderen Musikerbildern - die Roepaen-Wände ziert. "Ich muss einfach immer wieder zu ihm rüberschauen", sagt sie lachend. "Ich habe das Gefühl, das er heute über uns wacht!" Immerhin erklärt sie noch die Abwesenheit vieler Stücke ihres (noch) aktuellen dritten Albums. "Alela Diane & Wild Divine" sei nun mal eine Bandplatte gewesen, deshalb falle es ihr nun schwer, die Songs allein zu spielen. Macht nichts, denn schließlich sind mit "Elijah" und "The Wind" zwei Highlights des Albums trotzdem im Programm, zudem entschädigen ausgezeichnete Versionen alter "To Be Still"-Hits wie "White As Diamonds" - mit einem in der tollen Kirchenschiff-Akustik erst recht beeindruckenden A-cappella-Part in der Mitte - oder das gepfiffene Solo bei der finalen Zugabe "Lady Divine" (das vom Publikum mit einem kollektiven Lächeln quittiert wird) mehr als genug. Dass Alela ihren heimlichen Hit, "The Pirate's Gospel", gar nicht spielt (Fans ihres Debüts kredenzt sie stattdessen "The Rifle" und "Oh! My Mama"), fällt da praktisch gar nicht auf, denn auch so ist der Abend einfach zauberhaft.

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Surfempfehlung:
www.aleladiane.com
www.reflectingelephants.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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