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Konzert-Bericht
 
Anspruch trifft Spaß

Efterklang
Peter Broderick

Köln, Gebäude 9
11.12.2012

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Efterklang
Zehn Jahre gibt es Efterklang nun schon, doch erst jetzt scheint die schwer zu kategorisierende dänische Ausnahmeband endlich auch beim Publikum angekommen zu sein. Fanden die Konzerte der Kritikerlieblinge in der Vergangenheit zumeist vor einem überschaubaren Publikum statt, waren viele Auftritte der Tour zum aktuellen Werk "Piramida" bereits im Vorverkauf restlos ausverkauft - so auch das imposante Gastspiel im Kölner Gebäude 9. Sogar ein "hauseigenes" Vorprogramm hatten Efterklang mitgebracht: Peter Broderick hatte an diesem Abend eine Doppelschicht. Nachdem vor zweieinhalb Jahren, beim letzten Efterklang-Tour-Stopp an gleicher Stelle, seine Schwester Heather Woods Broderick den Abend eröffnet hatte, war nun er als De-luxe-Supportact an der Reihe, um künstlerischen Anspruch und popmusikalische Eingängigkeit mit leichter Hand zu verbinden.
Nachdem er wenige Tage zuvor in Berlin dem Vernehmen nach eher seinem Faible für neoklassische Abstraktheit gefrönt hatte, spielte der sympathische Amerikaner in der Domstadt ein kompakt-songdienliches Set, das trotzdem genug Platz bot, seine überbordende Kreativität zu unterstreichen, etwa, wenn er mitten im Song von der Gitarre an die Tasteninstrumente wechselte oder die Klänge seiner Geige loopte, bevor er zur Gitarre griff, um den Klang einer Ein-Mann-Band zu simulieren. Lustig auch seine Spoken-Word-Performance in der Mitte des Sets, bei der er Einträge aus seinem als Siebenjähriger geschriebenen Tagebuch vortrug. Selten ein so kurzweiliges, unterhaltsames Aufwärmprogramm gesehen! Trotzdem waren nach dem Konzert einige Broderick- Aficionados enttäuscht. "Er hat ja gar nicht seine Hits gespielt", klagte ein Zuschauer auf dem Weg nach Hause und hatte auch gleich die Erklärung dafür parat: "Dann hätte er Efterklang vermutlich an die Wand gespielt!"
Ähnlich wie bei Broderick durfte man im Anschluss auch bei Efterklang gespannt sein, wie sich das neu besetzte Sextett präsentieren würde. Immer wieder hatten die Dänen in den vergangenen Jahren neue Wege beschritten, inzwischen schlagen sie gekonnt eine Brücke von unterkühltem New Wave über einschmeichelnden Soul bis zu klassisch-stilvollen Crooner-Qualitäten und wandeln damit, bei aller unbestrittener Einzigartigkeit, bisweilen ein wenig auf den Pfaden von Lambchop und den Tindersticks, allerdings ein bisschen weniger ernsthaft. So schwenkte der Anzug-tragende Sänger Casper Clausen zwar gleich beim dezent-verhaltenen Beginn mit "Hollow Mountain" sein Rotweinglas, war aber im weiteren Verlauf des Abends für jeden Schabernack und jede Publikumsanimation zu haben. Auch wenn in den Songs immer wieder nordische Melancholie durchschien - Efterklang waren gekommen, um Spaß zu haben. Einzig und allein Broderick, der sich im Laufe des Abends trotz seines Status als Gastmusiker als musikalischer Direktor der Band entpuppte, achtete peinlich genau auf Exaktheit. Immer wieder warf er den anderen Musikern strenge Blicke zu, wenn sie vom Weg abzukommen drohten. Man hat es nicht leicht als musikalisches Wunderkind, bei dem Perfektion die leichteste Übung ist! Einmal drehte Clausen den Spieß allerdings um, als er ein furioses Piano-Intro Brodericks unterbrach. Manchmal, verriet der Sänger grinsend, müssten sie ihren Mitstreiter einfach bremsen, sonst würde er über das Ziel hinausschießen und alles zu funky spielen...

Bei allem Entertainment sind Behutsamkeit und Subtilität schließlich ein ganz wichtiger Pfeiler der anspruchsvollen, aber dennoch eingängigen Pop-Klangwelten Efterklangs, die bisweilen wirkungsvoll von an die Bühnenwand projizierten Bildern begleitet wurden und das Konzert so zu einem Fest für alle Sinne machten. Zur perfekt ausbalancierten Opulenz der Instrumente (Gitarren, Bass, Keybaords, Elektronik, Geige und Schlagzeug) gesellten sich ausgeklügelte Gesangsarrangements, bei denen vor allem die Sopranistin Katinka Fogh Vindelev glänzen konnte. Die Intensität ihrer Performance hielten die sechs Musiker den ganzen Abend über eindrucksvoll aufrecht - und das, obwohl sie rund zwei Stunden auf der Bühne standen und das Konzert erst nach Mitternacht zu Ende ging. Der heimliche Höhepunkt war trotzdem das semi-unplugged gespielte "Alike" in der Zugabe, für das Clausen am Bühnenrand sitzend mit den Zuschauern auf Tuchfühlung ging und auch die restlichen Musiker hinter ihren Instrumenten hervorkamen und im vorderen Teil der Bühne in einer Reihe stehend spielten und sangen und so aus dem Konzert im Gebäude 9 eine Wohnzimmer-Party bei Freunden machten. Am Ende war das sichtlich beeindruckte Kölner Publikum um die Erkenntnis reicher, dass höchst ambitionierte Popmusik und packende Unterhaltung keine unüberbrückbaren Gegensätze sein müssen - zumindest dann nicht, wenn die Band auf der Bühne Efterklang heißt.

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Surfempfehlung:
www.efterklang.net
www.peterbroderick.net
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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