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Konzert-Bericht
 
"Ein guter Abend!"

Yo La Tengo

Düsseldorf, Zakk
12.03.2013
Yo La Tengo
War das ein tolles Konzert! Zugegeben, wirklich überraschen konnten Yo La Tengo ihr Publikum im geradezu erstaunlich gut gefüllten Zakk an diesem nasskalten Abend nicht - zu bekannt ist das unkaputtbare Erfolgsrezept der Amerikaner inzwischen. Doch ähnlich wie auf ihrem feinen aktuellen Album "Fade" fand das Trio aus Hoboken, New Jersey, auch auf der Bühne einen Dreh, sein untrügliches Gespür für sanften Indiepop, krachig-ausufernden Indierock und umwerfende Coverversionen in ein neues Licht zu rücken, und konnte damit auf ganzer Linie begeistern. Neu war nämlich, dass Yo La Tengo ihr Programm in Düsseldorf strikt dreiteilten: Einem stillen Akustikset am Anfang folgte ein elektrischer Mittelteil mit viel Wumms, bevor es bei den Zugaben ausschließlich Fremdkompositionen zu hören gab.
Yo La Tengo
Los ging's kurz nach halb neun am Bühnenrand, ganz nah am Publikum, unplugged: Ein sitzender Ira Kaplan an der Akustikgitarre, Georgia Hubley natürlich ebenfalls sitzend und zumeist mit Besen am Minischlagzeug, an dem ein Stand-Tom mit Fußmaschine als Ersatz-Bassdrum diente, und James McNew an der anderen Akustikklampfe. So spielten die drei eine wunderbar reduzierte Version von "Ohm", dem Opener ihres neuen Albums, und eröffneten damit den Abend in Düsseldorf. Auch wenn einige der folgenden Songs bisweilen nur semi-akustisch dargeboten wurden, war doch allen Songs die sanfte Grundstimmung gemein, die auch die neue LP bestimmt. Allerdings gab es auch im Unplugged-Teil nicht nur ausschließlich brandneue Songs zu hören: Georgia versuchte sich sogar an der obskuren Lovin'-Spoonful-Nummer "Butchie's Tune" - mit ans Schlagzeug geklebtem Spickzettel für den Text! Ira freute sich derweil am meisten darüber, dass die entlang des Bühnenrands verteilten Zettel Wirkung zeigten, die er erstmals bereits vor dem ersten Ton inspiziert hatte. "Jetzt haben wir schon vier Songs gespielt und immer noch liegen keine Jacken oder Getränkebecher auf der Bühne", lobte er das Düsseldorfer Publikum später. "Das scheint ein guter Abend zu werden!" In der Tat, schließlich gingen die kurzweiligen ersten 45 Minuten mit einer sich langsam steigernden Version des YLT-Klassikers "Big Day Coming" zu Ende, beim dem Georgia von den Drums an die Gitarre wechselte und diese am Ende vor dem Verstärker kreisen ließ, um erstmals an diesem Abend das für Yo La Tengo so typische Feedback zu erzeugen.

Danach wurde die Bühne (etwas zu lange) umgebaut, die ans aktuelle Coverartwork erinnernde Sperrholz-Bäumchen-Deko zurück an den hinteren Bühnenrand gerückt und der Weg frei gemacht für ein fulminantes, noisiges Rock-Set, das mit einer ungewöhnlich großen Zahl an Single-Krachern ("Shaker", "Autumn Sweater", "Sugarcube") aufwartete und ohne die sonst obligatorische Endlos-Nummer à la "Pass The Hatchet" auskam. Allerdings hatte Ira bei Songs wie "We're An American Band" oder "More Stars Than There Are In Heaven" auch so genug Raum, in Kontakt mit seinem inneren Neil Young zu treten. Mit "Ohm" tauchte auch ein bereits im ersten Set gespieltes Stück noch einmal auf, und dieses Mal betonte die Band die hypnotisch groovende Seite des Songs. Interaktion mit dem Publikum gab es derweil noch weniger als in den Jahren zuvor. Ein wenig hatte man das Gefühl, als sei dies ein Familienausflug in den Proberaum, bei dem nur zufällig ein paar hundert Menschen zuschauen. Einen besseren Beweis dafür, dass es Yo La Tengo auch nach fast 30 Jahren in erster Linie um die Musik geht und nicht etwa um das Entertainment der Massen, kann es wohl kaum geben.
Yo La Tengo
Folgerichtig fiel auch das Wunschkonzert bei den Zugaben aus. War es zuvor lange Jahre üblich gewesen, dass die Band am Konzertende auf Zurufe aus dem Publikum reagierte, wurden dieses Mal ausschließlich Wünsche der Band gespielt - und das, obwohl Iras erneute Überprüfung ergeben hatte, dass immer noch keine Jacken oder (volle) Getränkebecher den Bühnenrand säumten! So durfte sich Georgia das von James gesungene "She's My Best Friend" von The Velvet Underground aussuchen, danach brachte Ira seine Gattin dazu, "With A Girl Like You" von den Troggs zu singen, und an Neil Youngs "Time Fades Away" hatten anschließend alle drei einen Heidenspaß. Kein Wunder, denn diese rasante Version war frei nach dem Motto "Country-Schluffigkeit raus, Indierock-Noise rein" wirklich ein krönender Abschluss - fast jedenfalls. Ganz zum Schluss stellte sich das Trio nämlich noch in einer Reihe am Bühnenrand auf, um den Abend im Glitzerschein der rotierenden Discokugel mit "Yellow Sarong" von The Scene Is Now so ausklingen zu lassen, wie er rund zweieinhalb Stunden zuvor angefangen hatte: Sanft, akustisch, wunderschön.
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Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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