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Konzert-Bericht
 
Spaß haben mit Jojo!

Jonathan Richman

Düsseldorf, Zakk
23.10.2001
Jonathan Richman
Auf der Bühne steht nur ein mittelgroßer Gitarrenverstärker und ein winziges, fast als niedlich zu bezeichnendes Standschlagzeug. Eigentlich eher ein Aufbau, der an krude Straßenmusik und nicht an Rock N Roll-Entertainment jenseits aller Vergleiche denken läßt. Der Grund, warum uns im erstaunlich gut gefüllten Zakk für gut 90 Minuten trotzdem letzteres geboten wurde, ist nur mit einer Akustikgitarre bewaffnet und heißt Jonathan Richman.
Jonathan Richman
Man kann dem inzwischen in Kalifornien heimisch gewordenen Bostoner Urgestein mit der unglaublichen Bühnenpräsenz eine Menge vorwerfen: Daß seine Platten seit Jahren sehr ähnlich klingen, er immer wieder alte Lieder in neuen, aber nicht unbedingt besseren Versionen erneut einspielt und daß er mit seiner liebenswerten laxen Art nicht aus jedem Song auf der Bühne das Optimum herausholt, aber eines kann man dem für seine 50 Jahre besorgniserregend jung aussehenden Amerikaner ganz sicher nicht absprechen: Daß er ein Entertainer ist, wie es außer ihm nur ganz, ganz wenige gibt.

Ohne viel zu reden schaffen es Jonathan und sein mit preisverdächtigem Outfit angetretener stoischer Drummer Tommy Larkin alleine mit ihren sensationellen Songs, witziger Mimik und Gestik, sowie einigen irren Tanzeinlagen, von denen selbst der bekennende Richman-Jünger Bernd Begemann noch einiges lernen kann, das Publikum glücklich zu machen. Egal, ob sie gleich als erstes Lied den alten Modern-Lovers-Klassiker "Egyptian Reggae" bringen, das überarbeitete "Give Paris One More Chance", "Vampire Girl" oder "Let Her Go Into The Darkness" - mit minimalen Mitteln erzielen die zwei stets maximale Wirkung. Was natürlich in erster Linie an den unbeschreiblich guten Texten Jonathans liegt. Gespickt mit genial formulierten alltäglichen Beobachtungen und Banalitäten, die sonst niemand in einem Popsong auftauchen lassen würde, gewinnt Jonathan jeder Tragödie noch eine positive Wendung ab. Was nicht heißen soll, daß er nur als Clown ein As ist, wie er mit einer geradezu nachdenklichen Version von "Springtime In New York" ("Ich habe den Song vor der Tragödie geschrieben, aber jetzt bin ich wirklich froh, daß wir ihn im Repertoire haben, denn ich liebe New York"!) unter Beweis stellte.

Es soll ja tatsächlich Menschen geben, die meinen, Jonathans beste Zeit sei seine kommerziell erfolgreichste Periode mit den Modern Lovers Ende der 70er gewesen. Dieser Abend überzeugte wohl jeden vom Gegenteil. Obwohl gut 3/4 des Programms aus Songs der letzten acht, neun Jahre bestand, wurden die alten Highlights nie vermisst. Wahrscheinlich, weil Songs wie "The Night Is Still Young" oder das grandiose "You Can't Talk To The Dude" mindestens genauso gut sind wie die Songs, die Jonathan vor einem Vierteljahrhundert geschrieben hat. Oder das tolle Titelstück seines einen Tag vor dem Düsseldorfer Konzert veröffentlichten Albums "Her Mystery Not High Heels And Eyeshadow", bei dem Jonathan seinen Drummer mitten im Song zunächst anweist, doch bitte jetzt ganz leise zu spielen, damit die textliche Message beim Publikum ankomme, anschließend dann aber sagte: "Der Song ist zwar jetzt offiziell zu Ende, aber so leise können wir einfach nicht aufhören, also spielen wir jetzt noch mal eine Strophe ganz laut!"

Jonathan Richman
Eines ist sicher: Jonathan hat auf der Bühne eine gute Zeit. "Zu touren macht jetzt mehr Spaß als je zuvor. Die einzige Zeit, in der es genauso viel Freude gemacht hat, war 1972, als wir gerade anfingen und uns noch niemand kannte", hatte er der Gästeliste vor zwei Jahren erzählt. "Mehr Leute ist nicht unbedingt besser. Das größte Publikum hatte ich Mitte der 70er. Aber das hat nicht den meisten Spaß gemacht. Es kommt drauf an, wer kommt, und nicht, wie viele."

Und daß er diese Aussage ernst meint, war auch in Düsseldorf gut zu erkennen: Aufmerksam sucht er während des gesamten Konzertes immer wieder intensiven Blickkontakt mit dem Publikum, lächelt viel und läßt Tommy auch gerne mal ein "Schlagzeugsolo" spielen, wenn er mitten im Song mal eben einen Schluck Mineralwasser trinken muß... Er macht eben, was er will, und genau deshalb kommt er wohl auch so entspannt und charmant rüber. Zum Schluß gab es dann trotzdem noch einen kleinen Abstecher in die Vergangenheit, denn Jonathan gönnte uns gleich drei alte Modern-Lovers-Songs: "Lonely Financial Zone" aus seiner allerersten regulären LP von 1976, "Girlfriend" und - auf Zuruf aus dem Publikum - "Ice Cream Man". Als ihn das restlos begeisterte Publikumdann auch nach einigen Zugaben noch nicht gehen lassen wollte, verabschiedete sich Jonathan - der zuvor schon einige seiner spanischen Songs gespielt hatte - a capella mit einem italienischen (!) Abschiedslied. Eine Geste, die stellvertretend für das ganze Konzert war: Eigensinnig, liebenswert und einfach nur ganz, ganz große Klasse!

Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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