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Konzert-Bericht
 
Kalifornien, circa 1969

Woods

Köln, King Georg
06.08.2013
Woods
"Schuster, bleib bei deinem Leisten", heißt es im Volksmund. Deshalb darf man durchaus skeptisch sein, wenn ein Labelboss plötzlich anfängt, selbst Platten aufzunehmen, auch wenn man zu jung ist, um Alan McGees Versuche live und in Farbe miterlebt zu haben. Im Falle von Jeremy Earl, der auf seinem Label Woodsist in der Vergangenheit Werke von Real Estate, White Fence und Kurt Vile veröffentlicht hat, ist die Sorge allerdings unbegründet. Das stellte der äußerlich ein wenig an einen vollbärtigen Woody Allen erinnernde Amerikaner mit der auffälligen Falsettstimme beim Auftritt seiner Band Woods im für einen sommerlichen Dienstagabend erstaunlich gut gefüllten Kölner King Georg eindrucksvoll unter Beweis.
Woods
Referenzen an die Gegenwart blieben an diesem Abend außen vor. Trotzdem trafen Jeremy und seine drei Begleiter (darunter Kevin Morby von The Babies an Bass und Mundharmonika) durchaus den Zeitgeist - undergroundiger Psychedelic-Folk-Rock im Geiste der 60er-Jahre, der zwischen rustikalem Singer/Songwritertum und außerweltlicher Abgedrehtheit hin und her pendelt, liegt schließlich voll im Trend. Dass das Quartett in Brooklyn zu Hause ist, war ebenfalls nicht zu spüren. Statt urbaner Enge atmete die Musik geradezu kalifornische Weite.

Dass ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass das aktuelle Woods-Album, "Bend Beyond", ein Stück weit von der In-sich-Gekehrtheit der Vorgänger abrückt und die Band lebendiger als je zuvor klingt. In Köln ging es deshalb gleich mit dem sonnigen Drei-Minuten-Indiepop-Song "Pushing Onlys" los, der mit seinem wunderbaren Folk-Country-Vibe ein wenig an die frühen The Shins erinnerte, bevor kurz danach "Cali In A Cup" nicht nur wegen Kevins Mundharmonikasolo dylaneskes Feeling aufkommen ließ. Doch nachdem die ersten vier Songs in kaum mehr als 12 Minuten abgehakt waren, legten Woods einen anderen Gang ein und machten aus dem Titelstück der neuen Platte - in der Studioversion ein Lo-fi-Diamant von viereinhalb Minuten Länge - ein ausuferndes Acht-Minuten-Stück, als gelte es, den Geist der ersten Konzerte von Neil Young & Crazy Horse im Jahre 1969 heraufzubeschwören. Das wäre auf jeder Bühne gut gewesen, im winzigen King Georg war diese wilde Jam dagegen ein echter "Wow!"-Moment - und ein ohrenbetäubender noch dazu!

Woods
Doch als wäre nichts gewesen, stürzte sich die Band gleich danach in das fast unerwartet knackige "Size Meets The Sound", dass mit Byrds'scher 12-String-Jangle-Gitarre und einem in Richtung Galaxie 500 deutenden Bass-Part aufwarten konnte. Obwohl die Band großen Spaß zu haben schien, verabschiedete sie sich eine Viertelstunde vor der eigentlichen Curfew bereits mit der Ankündigung, dass nur noch ein Song folgen werde. Das schien im ersten Moment etwas seltsam, aber atemberaubende 15 Minuten und ein weiteres Neil Young-Workout später war klar, wie das gemeint war: Das großartige Schlussstück "I'm Gone" hatte kurzerhand ein Viertel der Auftrittszeit beansprucht! Kein Wunder also, dass noch eine (kurze) Zugabe folgen musste, mit der ein feiner Auftritt zu Ende ging, der reich an musikalischen Zitaten war, die sich fernab eines faden Abklatsches bewegten und so als perfekt umgesetzte klangliche Hommagen durchgingen. Als Labelchef weiß nun einmal: Gut geliehen ist immer besser als schlecht selbst gemacht.
Surfempfehlung:
www.facebook.com/woodsfamilyband
www.woodsist.com/catalog/_woods/
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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