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Falsche Reihenfolge?

Intergalactic Lovers
The Elwins/ Nicole Milik

Oberhausen, Druckluft
29.09.2013

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Intergalactic Lovers
Früher musste man Millionen von Platten verkaufen, um einen Fuß in die Tür des Musikbusiness zu bekommen, heute bemühen Labels und Promotionagenturen gerne hohe Klickzahlen im Internet, um angeblichen Erfolg ihrer Künstler zu suggerieren. Ginge es allein um den dubiosen Maßstab der Internet-Popularität, hätten die drei Acts an diesem Sonntag im Oberhausener Druckluft in einer anderen Reihenfolge spielen müssen, denn in der virtuellen Welt war der nominelle Supportact den anderen beiden Bands dieses Abends weit voraus.
Nicole Milik ist gerade einmal 18, erfreut sich aber schon seit Jahren unter dem Namen nicolascage09 auf YouTube mit ihren Solo-Unplugged-Covern aktueller Popsongs größer Beliebtheit. Inzwischen schreibt sie auch eigene Lieder und ist nicht nur im Internet, sondern auch live zu erleben. In Oberhausen eröffnete sie den Abend und präsentierte - in Anbetracht ihres jungen Alters mit fast schon erstaunlicher Sicherheit und Gelassenheit - ihr gut getimtes Set mit eigenen Songs wie der just veröffentlichten Debütsingle "The Bigger Picture" und einigen Coverversionen von Emeli Sandé und dem Passenger-Sommerhit "Let Her Go". Lediglich der zwischen den Songs wiederholte Hinweis auf selbst verfasste Lieder outeten sie als Online-Star, schließlich sind in Schuppen wie dem Druckluft selbst geschriebene Songs nicht die Ausnahme, sondern die Norm. Dennoch konnte die Dame mit dem Sound eines Folkies und dem Aussehen eines Popstars an diesem Abend durchaus beeindrucken.

Bei jedem anderen Konzert hätte Nicole sicherlich den Preis für den/die bestausehendste/n Musiker/in des Abends gewonnen, in Oberhausen wurde sie allerdings von The Elwins-Gitarrist Feurd Moore locker übertrumpft, der als Mischung aus Groucho Marx und Greg Norton schon vor dem ersten Ton für breit grinsende Zuschauer sorgte. Das sollte sich auch nicht ändern, als sich das Indiepop-Quartett aus Toronto kurz darauf in sein Set mit den kurzen, knappen und ungemein energiegeladenen Songs aus dem aktuellen Album "And I Thank You" warf. Mit dem schrägen, jugendlichen Charme von Jonathan Richman und der kantigen, geradezu punkigen Wucht des 70s-Pop eines Elvis Costello - andernorts war dagegen auch nicht völlig unzutreffend schon von einer Mischung aus Vampire Weekend und Orange Juice die Rede - zelebrierten die vier einen ohrwurmige Power-Pop-Gassenhauer nach dem anderen und steckten mit ihrem komplett überdrehten, aber dennoch aufrichtigen Spaß schnell auch die Konzertgänger an. Ob es Publikumsanimationen in liebenswert krudem Deutsch waren oder die Tatsache, dass es praktisch keine Sekunde gab, in der nicht zumindest einer der vier Musiker sprang, hüpfte oder eine Faust oder sein Instrument in die Luft reckte - die Elwins nicht zu lieben, war einfach vollkommen unmöglich. Dass ihre gerne mit ordentlich 70s-Patina versehenen Songs mitunter recht simpel gestrickt sind, fiel gar nicht weiter auf, denn die mit unbändiger Spielfreude gesegnete Band zu sehen, war mindestens so unterhaltsam, wie sie zu hören. Neben den Stücken der aktuellen LP gab es übrigens auch noch brandneue Songs zu hören, und als heimliches Highlight ein herrliches Cover des 70s-Classic-Rock-Hits "Magic" von Pilot, eine dieser Nummern, die namentlich niemand kennt, die aber trotzdem jeder schon mal gehört hat. Und: Schon im Mai nächsten Jahren kommen The Elwins wieder nach Europa!

Danach betraten die Intergalactic Lovers die Bühne, doch auch wenn sich die Lücke, die zuvor noch zwischen Bühne und Publikum geklafft hatte, schnell schloss, konnte das Quartett trotz gleich einer ganzen Handvoll Hits in seiner belgischen Heimat von allen drei Acts des Abends am wenigsten überzeugen. Sie sprechen ein Publikum an, das von schnödem Radio-Pop die Nase voll hat, aber auch nicht so tief wühlen möchte, bis es auf die wirklich spannenden Independent-Künstler stößt. Die Songs der Band um Sängerin Lara Chedraoui sind knallbunte Überraschungseier: außen mit wohlschmeckender Indiepop-Schokolade, innen aber leider hohl. Mehr als textliche Klischees zu bedienen gelingt den Intergalactic Lovers nämlich leider nicht, und selbst die Hits plätscherten an diesem Abend lediglich unaufdringlich vor sich hin. Auch die Bühnenshow blieb - nicht nur im Vergleich mit den Elwins zuvor - stets verhalten, ja eindimensional. Lediglich in den Momenten, in denen die Band ihren Stücken einen melancholischeren düsteren Anstrich verpasste, blitzte so etwas wie echte Atmosphäre auf. Warum das mit einer Veröffentlichung auf dem sonst so geschmackssicheren Label Grand Hotel Van Cleef belohnt wurde, blieb zumindest an diesem Abend im Ruhrgebiet ein Rätsel.

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Surfempfehlung:
www.intergalacticlovers.com
theelwins.ca
de-de.facebook.com/NicoleMilikMusic
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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