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Konzert-Bericht
 
Unerklärlich schön

Kat Frankie
Jonas David

Bochum, Bahnhof Langendreer
21.10.2013

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Kat Frankie
Als uns Kat Frankie auf den Tag genau vor drei Jahren zum ersten Mal auf einer Konzertbühne begegnete, war die in Berlin lebende australische Singer/Songwriterin noch auf die tatkräftige Mithilfe ihrer gut verdrahteten Vorgruppe angewiesen, damit sich der Saal einigermaßen füllte. Inzwischen ist sie so populär, dass aus dem ursprünglich als bestuhlt angekündigten Auftritt in Bochum letzten Endes ein Stehkonzert wurde, weil so viele Tickets verkauft worden waren - und das an einem Montagabend!
Eröffnet wurde das Konzert von Jonas David, der mit Strubbelfrisur und Vollbart zunächst ein wenig so wirkte, als würde er lieber allein zu Hause als vor Publikum mit seiner Akustikgitarre und seiner Loopstation Musik machen, doch nachdem er ein, zwei Nummern mit geschlossenen Augen und zumeist gesenktem Kopf gesungen hatte, taute er merklich auf. So kündigte er das vierte Lied mit seinem Titel an, nur um dann hinzuzufügen: "Eigentlich auch egal, die anderen Songs hab ich ja auch nicht angesagt!" Sein Geständnis "Ich kann vieles, aber nicht mit dem Publikum reden" erschien fast schon wie Koketterie, wenn er in Tom Liwa-Manier Zwischenfragen aus dem Publikum jederzeit locker und mit einem Lachen parierte und Ansagenklischees von Kollegen durch den Kakao zog. Selbst eine gerissene Gitarrensaite brachte ihn nur leicht aus dem Konzept. Kurzerhand lieh er sich eins von Kat Frankies bereits bereitgestellten Instrumenten, nachdem seine höfliche Frage um Erlaubnis unbeantwortet geblieben war: "Entweder ist Kat nicht hier oder sie hat nichts dagegen", kommentierte er dies lakonisch und ließ eine Superversion von Daft Punks Überhit "Get Lucky" folgen. Doch nicht nur wegen der wirklich feinen Coverversion (letztes Jahr hatte er sich bereits erfolgreich an Rihannas "Umbrella" versucht) war sein kurzer Auftritt äußerst kurzweilig. Mit smarten Ideen und genau dem richtigen Maß an Loops - die nicht unbedingt dazu dienten, eine komplette Band zu simulieren, sondern eher dazu, die bisweilen durchaus sperrigen Folk-Songs ein wenig weicher und atmosphärischer klingen zu lassen - machte er eigentlich alles richtig.
Gleiches konnte man im Anschluss auch Kat Frankie bescheinigen. Die Australierin mit der imposanten Stimmpräsens brauchte nämlich nur wenige Songs, um eindrucksvoll zu unterstreichen, dass ihr musikalisches Schubladendenken zuwider ist. Geradezu spielerisch hüpfte sie nicht nur zwischen allen erdenklichen Stilen hin und her, sie deckte dabei auch das komplette Gefühlsspektrum von aufbrausend-energisch bis verletzlich-zerbrechlich bruchlos ab, als wollte sie sagen: "Seht her, meine Musik ist unerklärlich schön!" So begann sie in Amanda Palmer-Manier stark und emotionsgeladen solo am Keyboard mit "People", lud danach die ersten beiden ihrer fünf Mitstreiter ein, um "The Saint" als fragilen Folk-Song im Trio zu interpretieren, sang nicht viel später ein fantastisches Stück allein praktisch a cappella zu ein paar dezenten Loops ("The Wild Ones"), mischte deutschsprachige Lieder unter die englischen, neue unter altbekannte und sorgte in kompletter Bandbesetzung, bei der sich Harmonium und Cello zu Gitarre, Bass und Schlagzeug und der zweiten Stimme von Charlotte Brandi (Me And My Drummer) gesellten, endgültig dafür, dass die Grenzen zwischen Folk, Piano-Pop, Ambient und Jazz verschwammen. Zwischen den Songs bewies Kat derweil, dass sich hinter ihren ob ihrer unglaublichen Intensität recht düster wirkenden Liedern ein bisweilen durchaus fröhlicher Mensch verbirgt. Gerade bei ihren Ansagen wirkte sie äußerst gelöst, selbst in Momenten, wenn es eigentlich nicht angebracht schien. "Das nächste Lied ist das traurigste des Abends", kündigte sie zum Beispiel ein Stück an - und musste lachen. "Nein wirklich, es ist total traurig", sagte sie, nachdem sie sich wieder gefangen hatte - und musste natürlich schon wieder lachen. Kein Wunder, dass ihr das Publikum von Anfang an aus der Hand fraß und, nachdem sich Kat und ihre Band nach rund einer Stunde und "Please Don't Give Me What I Want" verabschiedeten, stürmisch eine Zugabe forderte. Die gab es dann auch, doch statt eines lauten Rausschmeißers stellte Kat ein leises Abschiedslied ans Ende. "Take Care Of Him" sang sie gemeinsam mit ihren am Bühnenrand aufgereihten Mitstreitern wie eine Gospel-Nummer a cappella und stellte so nicht nur ein letztes Mal ihre stimmlichen Qualitäten, sondern auch ihre musikalische Wandelbarkeit unter Beweis. Doch nicht nur musikalisch passte alles perfekt, auch der Bahnhof Langendreer erwies sich mit seiner anheimelnden Atmosphäre, seinem Holzfußboden und den hohen Decken als das ideale Ambiente für diesen wirklich feinen Konzertabend.

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Surfempfehlung:
www.katfrankie.com
www.jonasdavid.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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