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Thanksgiving mit James McNew

Dump

Düsseldorf, Die Kassette
28.11.2013
Dump
Die glitzernde 12-saitige Danelectro-Gitarre lehnt für alle Vorbeigehenden sichtbar an der großen Glasfront der Kassette, praktisch als Geheimzeichen: Psst, hier gibt's heute Abend prima Livemusik! In der Tat spricht später ein Stammgast der kleinen, aber feinen Düsseldorfer Bar im Stadtteil Oberbilk augenzwinkernd von einem "konspirativen Treffen" – und liegt damit gar nicht so falsch. An diesem amerikanischsten aller Feiertage - Thanksgiving! - ist ein kleines Häufchen Eingeweihter zusammengekommen, um Yo La Tengo-Bassist James McNew rund 20 Jahre nach seiner ersten Platte als Dump erstmals überhaupt mit seinem liebenswerten Solo-Sideprojekt live in Europa zu sehen.
Dump
Fast eine Stunde spielt der gemütliche Amerikaner mit der Falsettstimme an diesem Abend in sich versunken und ohne eine einzige Pause. Während andere Künstler sich nach jedem Song beklatschen lassen, macht McNew mit seinen mitgebrachten Effektgeräten und live eingespielten Loops lieber selbst Krach, bis es an der Zeit ist, dass sich der nächste Song aus dem Klangnebel schält - und was da auftaucht, ist keineswegs eindimensional, obwohl der Mann auf der nicht existenten Bühne nur seine Gitarre als Begleiter hat. Mal experimentiert er mit langen Instrumentalpassagen, mal entpuppen sich die Songs als kurze, knackige Indierock-Perlen, und bei "Superpowerless" wird es sogar zwischendurch mal ohrenbetäubend laut. Kurz gesagt: Der Abend bietet alles, was McNew seit über zwei Jahrzehnten auszeichnet. Zudem deckt die Setlist praktisch das gesamte Dump'sche Schaffen ab, und sogar die vor Ewigkeiten auf einer Split-Single mit Lambchop erschienene Go Betweens-Coverversion "Dive For Your Memory" ist mit dabei.
Dump
Schade nur, dass die durchgängige Performance keinen Raum für Ansagen lässt, denn wenn McNew mit dem Publikum kommuniziert - zu Beginn des Konzerts und bei den stürmisch geforderten Zugaben -, beweist er trockenen Humor. So spricht er von seinem Soloprojekt Dump todernst wie von einer richtigen Band im Plural, kommentiert ein Missgeschick mit der Gitarre nur lakonisch mit "Ich muss mal kurz die elf Saiten nachstimmen, die mir noch geblieben sind" oder tituliert bei den ausschließlich aus Coverversionen bestehenden Zugaben Prince als Folk-Sänger und Grateful Dead als Punk-Band. Ganz zum Schluss ("Das ist jetzt wirklich der letzte Song, ich schwör's", sagt er und erntet dafür viel Gelächter im Publikum) spielt er sogar noch "NYC Tonight" vom berüchtigten Punk-Querkopf GG Allin - in überarbeiteter, kindgerechter Version. "Dafür musste ich einen Großteil des Textes ändern", verrät er ohne eine Miene zu verziehen, und tatsächlich: Aus Allins Streifzug auf der Suche nach Sex und Drogen wird plötzlich Indierock für die ganze Familie, "Lion King"-Besuch und Abstecher in den Cupcake-Laden inklusive... Nur die Curfew verhindert danach, dass weitere Zugaben folgen.
Surfempfehlung:
www.yolatengo.com
en.wikipedia.org/wiki/Dump_(band)
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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