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Konzert-Bericht
 
Spaß in Pornobeleuchtung

Nina Persson
Worry Doll

Köln, Gloria
25.02.2014

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Nina Persson
Vor einigen Jahren erzählte uns Nina Persson, dass sie es bereue, die ersten zehn Jahre ihrer Karriere nicht richtig genossen zu haben. Statt Spaß zu haben, glänzte die Schwedin bei den Cardigans oft mit kühlem nordischen Charme und setzte zuletzt bei A Camp auf viel Theatralik. Ob ihre neue Mutterrolle, die überstandene Krebserkrankung oder ihr bevorstehender 40. Geburtstag sie zum Umdenken bewegt hat, verriet sie nicht, doch bei ihrem Konzert-Debüt als Solistin hatte sie Ende Februar sichtbar Freude an ihrem Tun auf der Bühne, lachte viel und stellte sich nach dem Auftritt sogar noch für Autogramme zur Verfügung. Zugegeben, mit dem lokalen Lichttechniker war sie anfangs nicht so glücklich, aber sobald klar war, was beleuchtet werden soll ("Die Zuschauer sollen mich sehen, nicht ich sie!"), und sie in Anlehnung an die 70er-Jahre-Nutzung des Glorias "Porn lights" bestellt hatte, waren alle Probleme aus der Welt geschafft. Sicherlich wurde es kein Konzert für die Ewigkeit, aber wer mit den richtigen Erwartungen nach Köln gereist war, durfte sich dennoch sehr gut unterhalten fühlen.
Dabei hatte der Support Worry Doll zunächst alles dafür getan, die Vorfreude auf den Hauptact zu trüben. Auf einen einzelnen Herrn, der leidlich zu elektronischen Pop-Songs ohne große Hooks aus dem MacBook sang und zwischendurch vergeblich versuchte, das Publikum mit überschäumender Fröhlichkeit einzufangen, hätte man auch gern verzichten können. Vermutlich hatten die Veranstalter ob der deutlich erhöhten Elektronik-Anteile auf Ninas jüngst erschienenem nominellen Soloerstling "Animal Heart" ein Vorprogramm ihm Zeitgeist-Sound für eine gute Idee gehalten. Das Konzert der in New York lebenden Skandinavierin gefiel allerdings nicht zuletzt deswegen, weil die Sounds aus der Steckdose - von wenigen discoesken Ausnahmen wie dem LP-Titelstück oder "Food For The Beast" abgesehen - live nur eine untergeordnete Rolle spielten. Kein Wunder, dass sie lachen musste, als sie ankündigte, der Mann zu ihrer Linken sei für Bass, Synthbass und, äh, den Computer zuständig. Viel wichtiger war stattdessen, dass sie auch noch einen Gitarristen, einen Drummer und eine Dame an Keyboard und zweiter Stimme mit dabei hatte. Denn auch wenn Ninas bestickter Seidenkimono und der Fascinator in ihrem Haar keinen Zweifel daran ließen, wer der Star des Abends war - ihre vier Mitstreiter halfen ihr gekonnt über einige Schwächen im Songmaterial des neuen Albums hinweg und ließen Tracks wie "Jungle" live deutlich lebendiger als auf dem Album klingen, was vom Publikum auch hörbar honoriert wurde. Ganz besonders gelungen war dabei "Silver", das live mit Geisterorgel bestach und fast einen Hauch von Brill Building versprühte.
Der Umstand, dass die Songs von "Animal Heart" ein Live-Konzert dennoch nicht unbedingt allein tragen, schien Nina allerdings durchaus bewusst zu sein. Zumindest erklärte sie die Präsenz von einem halben Dutzend Songs ihrer Band A Camp lachend damit, dass sie den Abend "lohnenswerter" machen würden. Das taten sie auf jeden Fall: "Love Has Left The Room" klang wunderbar organisch, und "I Can Buy You" gab es in einer herrlich abgehangenen Version zu hören, die nicht nur wegen Ninas Mundharmonika noch besser war als das eigentlich kaum zu schlagende Platten-Original. Bei der Zugabe wurde es dann mit David Bowies "Boys Keep Swinging" noch einmal richtig wild, bevor Nina für die letzte Zugabe nur mit ihrer Pianisten auf der Bühne erschien, grinsend "Scheiß auf die Jungs!" rief und den Abend mit "This Is Heavy Metal" leise und in gedämpftem Licht ausklingen ließ.

Dass am Ende einige etwas enttäuscht nach Hause gingen, weil sie keine Cardigans-Songs zu hören bekommen hatten, sollte man Nina allerdings nicht zum Vorwurf machen. Die Künstler haften schließlich nicht für falsche Erwartungen des Publikums.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/ninaperssonofficial
de.wikipedia.org/wiki/Nina_Persson‎
www.facebook.com/worrydollmusic
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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