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Konzert-Bericht
 
Over 60 and singing the Blues

David Munyon

Krefeld, Kulturrampe
16.04.2014

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David Munyon
Als 1993 sein brillantes Debüt "Codename: Jumper" auch in Deutschland erschien, war David Munyon bereist jenseits der 40 und damit ganz offensichtlich selbst als klassischer Singer/Songwriter zu alt, um noch richtig Karriere zu machen. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass der Amerikaner trotz des Supports des genau richtigen Labels, Lobeshymnen von Kult-DJs wie Alan Bangs, prominenter musikalischer Gäste wie Garth Hudson, David Hidalgo oder Flaco Jiminez oder Coverversionen seiner Songs von Eric Burdon und Jennifer Warnes nie ein großes Publikum erreichte. An seinen vom Alltag geschriebenen Songs hat es sicherlich nicht gelegen, denn die sind auch zwei Jahrzehnte (und viele, viele weitere Platten später) immer noch ungemein lebendig und fesselnd. Dennoch spielt Munyon auf seiner aktuellen Deutschland-Tournee vor allem in den Wohnzimmern seiner Fans - oder in Locations, die kaum größer sind, wie etwa der Kulturrampe in Krefeld.
Auf der kleinen Bühne auf dem Krefelder Großmarkt gastierte der heute 61-jährige Amerikaner bereits des Öfteren. Kein Wunder also, dass selbst an einem Mittwochabend drangvolle Enge in der Kulturrampe herrscht - und es dennoch gewissermaßen ein Konzert unter Freunden ist. Einer davon sitzt sogar mit auf der Bühne: Biber Herrmann begleitet Munyon bei den meisten Songs dezent, aber durchaus wirkungsvoll an der zweiten Gitarre. Um kurz nach halb neun kommt der Mann mit dem etwas rausgewachsenen Hare Krishna-Haarschnitt auf die Bühne, blättert in den beiden großen, zum Bersten mit Zetteln gefüllten Aktenordnern, die sein Gesamtwerk beherbergen, und beginnt seinen Auftritt dennoch mit der Coverversion "Things Have Changed". "Das erste Lied ist von Bob Dylan, aber das hat nichts zu bedeuten", sagt er schelmisch. Denn natürlich hat der amerikanische Großmeister gerade mit seinem "Blood On The Tracks"-Album Spuren in Munyons Songs hinterlassen, im wunderbaren "Poet Wind" etwa, das in Krefeld schon früh am Abend auf dem Programm steht. Auch Townes Van Zandt und Neil Young hallen in den Liedern wider, die Munyon spielt. Dennoch: Vor allem steckt viel von David Munyon in diesen Songs, die gewissermaßen eine Landkarte seines Lebens sind oder manchmal sogar gleich eine Inhaltsangabe, wenn es "I'm over 60 and singing the Blues" heißt. Seine bildhaften Storyteller-Nummern handeln vom Alleinsein, vom Unterwegssein "on the Autobahn" und von all den Weggefährten, die Munyon in seinem Leben begegnet sind, vom "Girl from Krefeld" bis zu Radha, der ewigen Gefährtin im Hinduismus, die er ganz am Ende seines Auftritts ebenso besingt wie seine tiefe Verbundenheit mit Krishna.
Fast drei Stunden (inklusive einer kleinen Pause) hat er auf der Bühne gesessen und gespielt, als er mit dem feinen "Four Wild Horses" den Abend ausklingen lässt, doch die Zeit ist wie im Flug vergangen. So stark sind Munyons Songs, so klar seine in den Liedern erzählten Geschichten, den man auch dann problemlos stundenlang folgen kann, wenn man kein Intimkenner des umfangreichen Werkes des Amerikaners ist. Am Ende setzt nur die Vernunft dem Konzert ein Ende: "Wenn ihr morgen nicht arbeiten müsstet, würden wir die ganze Nacht für euch spielen", lässt er sein begeistertes Publikum wissen. Und weißt du was, David? Wir hätten dir auch gerne noch stundenlang zugehört!

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Surfempfehlung:
www.davidmunyon.de
de-de.facebook.com/david.munyon1
de.wikipedia.org/wiki/David_Munyon
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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