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Ideale Ergänzung

Minor Alps

Köln, Luxor
03.05.2014

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Minor Alps
Seien wir doch mal ehrlich: Vor 20, 25 Jahren waren die meisten Indierock-Jungs ein wenig verknallt in Juliana Hatfield. Einer von ihnen steht an diesem Samstagabend in Köln neben ihr auf der Bühne: Matthew Caws, inzwischen mit Nada Surf längst selbst zu Ruhm und Ehre gekommen, war Anfang der 90er-Jahre ein Riesenfan von Julianas alter Band, den Blake Babies, und das merkt man ihm auch immer noch ein wenig an. Während Juliana beim Konzert wie gewohnt ein wenig in sich selbst versunken wirkt, schaut Matthew mit einem Lächeln im Gesicht ständig zu seiner Partnerin hinüber, und fast könnte man sich einbilden, er stünde genauso gerne vor der Bühne wie darauf.
Doch nicht nur deshalb sind Minor Alps etwas Besonderes. Sideprojects gibt es viele, doch nur ganz, ganz selten ergänzen sich die Musiker dabei so ideal wie Juliana und Matthew. Nicht nur, dass ihre Stimmen beim Konzert wunderbar miteinander verschmelzen, auch die eingängigen, poppigen Songs des Nada Surfers und die rebellischer klingenden Nummern des einstigen Blake Babies ergeben genauso ein Ganzes wie sein jungenhafter Witz und ihr immer noch etwas sperriger Charme. So gibt es an diesem Abend nicht nur hinreißende Performances, sondern auch viele launige Ansagen, wobei sich Matthew aus Rücksicht auf seine etwas wortkargere Partnerin etwas zurückhält. Im Luxor setzt er eher auf Pointen, während bei seinen Solokonzerten die Geschichten zu den Songs deutlich ausführlicher sind.

Mitgebracht haben die zwei aus Cambridge, England, und Cambridge, Massachusetts, wie Matthew spitz bemerkt, nur zwei Akustikgitarren, ein Minikeyboard und ein paar vereinzelte Beats aus dem Laptop, doch ihre Songs und Harmonien sind so stark, dass sie mehr gar nicht brauchen. Dass die elektrischen Gitarren und das Schlagzeug der Studioversionen fehlen und die Lieder streng genommen live völlig anders klingen, fällt gar nicht weiter auf - die druckvolle Ohrwurm-Single "I Don't Know What To Do With My Hands" und das jangle-poppige "Far From The Roses" begeistern auch unplugged. Doch nicht alle Songs werden komplett umgekrempelt. Das großartige "Maxon" zum Beispiel atmet das gleiche Big Star-Flair wie die Plattenversion, wie überhaupt die Songs mit Juliana am Keyboard willkommene Kontrapunkte setzen und vermeiden, dass es zu eintönig wird. Doch die Gefahr besteht eh nicht, denn unter die Songs des feinen, fast in Gänze gespielten Minor Alps-Debüts "Get There" mischen sich auch eine Reihe Hits von gestern und vorgestern - "sonst wäre das Konzert ja schon nach 32 Minuten zu Ende", wie Matthew mit Blick auf die überschaubare Spielzeit der einzigen gemeinsamen Platte der zwei erklärt.

Also wirft er eine Handvoll Nada Surf-Großtaten in die Waagschale und kann vor allem mit "Beautiful Beat" und einer wunderbar reduzierten Version von "Inside Of Love" begeistern. Juliana singt mit "Such A Beautiful Girl" den ersten Song, auf dem sie mit Matthew gemeinsam zu hören war und der vor rund fünf Jahren den Grundstein für Minor Alps legte, und holt "Live On Tomorrow" und sogar "Out There" aus der Versenkung. Die alten Songs bieten den beiden auch Gelegenheit, in Erinnerungen zu kramen: Matthew erzählt von den vielen Gastspielen mit Nada Surf im ehemals als Prime Club bekannten Luxor, und auch Juliana kennt die Luxemburger Straße gut: "Ich hab vor rund 20 Jahren mal gegenüber auf der anderen Straßenseite gespielt. Ich konnte mich sofort an den Kiosk und die Eisenbahnbrücke erinnern", lässt sie das Publikum wissen, um dann augenzwinkernd hinzuzufügen: "War damals schon jemand von euch geboren?"

Sogar zwei echte Coverversionen haben die beiden im Gepäck: Bei der Zugabe gibt es Kim Carnes' "Bette Davies Eyes" ("Kennt ihr das, wenn ihr als Kinder Songs gehört habt, aber erst viel später verstanden habt, wovon sie eigentlich handeln?", fragt Matthew. "Dieser Song hat einige Zeilen, die damals für mich ein Mysterium waren"), nachdem sich zuvor die nur dahingetupfte Version von Robyn Hitchcocks "Airscape" als heimliches Highlight des Abends entpuppt hat.

Nach knapp anderthalb Stunden spielt es deshalb gar keine Rolle mehr, dass es an diesem Samstag im Luxor nicht richtig voll geworden ist und die nachfolgende Disco das Duo bereits um kurz nach acht auf die Bühne gezwungen hat. "Danke, dass ihr geholfen habt, dass es sich so anfühlt, als sei es schon viel später!", ruft Matthew kurz vor Ende den Zuschauern zu und bestätigt damit, dass nicht nur das Publikum einen wirklich schönen und trotz des minimalen Aufwandes auch sehr kurzweiligen Konzertabend erlebt hat.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/MinorAlps
minoralps.tumblr.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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