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Klappe zu!

Joe Henry

Bremen, Moments
31.05.2014

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Joe Henry
Selten sind sie, die Gastspiele von Joe Henry in Europa. Umso schöner ist es deshalb, dass uns der amerikanische Troubadour dieses Mal sogar pünktlich zur Veröffentlichung seines ganz ausgezeichneten neuen Albums, "Invisible Hour", in Europa beehrt. Nach dem Auftaktkonzert mit vielen Stargästen in London drei Tage zuvor ist sein wunderbar gedämpfter Auftritt im ausverkauften Bremer Varieté- und Livemusik-Club Moments gewissermaßen das erste reguläre Konzert seiner Welttournee - und nicht nur deshalb etwas ganz Besonderes. Anders als gewohnt ist Henry dieses Mal nämlich ohne Band unterwegs. Lediglich sein Sohn Levon unterstützt ihn bei einigen der neuen Songs wie schon im Studio auch live an Saxofon und Klarinette.
"Bitte schließt den Deckel", ist das Erste, was der gut gelaunte 53-Jährige beim nachmittäglichen Soundcheck sagt, als er entdeckt, dass der Konzertflügel auf der Bühne weit geöffnet ist. "Offen taugt er nur für Leute, die auch wirklich spielen können!" Später am Abend bittet er zudem das Publikum, sich bei "God Only Knows" die Stimme Bonnie Raitts vorzustellen, die den Song unlängst coverte. "Ich werde es auch tun", fügt er lächelnd hinzu. Natürlich scherzt der inzwischen als Produzent mehrfach Grammy-ausgezeichnete Singer/Songwriter-Veteran, allerdings nicht vollkommen grundlos. Zwar gelingt es ihm in Bremen hervorragend, die intime Stimmung von "Invisible Hour", nur mit Klavier und Akustikgitarre - und vereinzelter jazziger Unterstützung durch seinen Sohn - auf die Konzertbühne zu übertragen, gleichzeitig offenbart die karge Instrumentierung aber auch die verwirrenden Eigenheiten seines Songwritings, die seine All-Star-Band im Studio gekonnt zu kaschieren weiß. "Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass meine Musik eine Menge Leute verwirrt", hatte er uns vor der Show verraten. "Das ist keine Absicht. Ich schreibe einfach das, was ich höre. Mein Freund Loudon Wainwright, der ein sehr ehrlicher Mensch ist, sagte mir kürzlich: 'Dein neues Album ist vermutlich dein bestes und ernsthaftestes, aber dein Songwriting verwirrt mich komplett!' Er fühlte sich schrecklich dabei, mir das zu sagen, aber ich war hocherfreut. Denn auch wenn ich es nicht bewusst mache, weiß ich natürlich, dass es so ist!"
Dennoch ist es eine helle Freude, den so ungemein smarten Musiker live zu erleben, denn ohne Band im Rücken nimmt er sich viel Zeit, seine Songs zu erläutern, verrät, dass sich Lisa Hannigan bei einer Party als Gesangspartnerin für "Lean On Me" empfahl, und leitet bei der Zugabe mit der ergreifenden Geschichte seines Gastspiels in Hiroshima ("Dort aufzutreten erschien mir undenkbar, weil der Ort so mythisch ist") treffenderweise "Kindness Of The World" aus dem gleichnamigen 1993er-Album ein, das "älteste meiner Lieder, das ich noch spiele", wie er betont. Programmtechnisch konzentriert er sich zwar merklich auf sein neuestes Werk, ist sich aber auch der Tatsache bewusst, dass er zuletzt vor rund 20 Jahren wirklich ausführlich in Deutschland getourt ist. Sein vielleicht berühmtestes Lied, das durch seine Schwägerin Madonna zu Hit-Ehren gekommene "Stop" (alias "Don't Tell Me"), lässt er an diesem Abend (anders als beim Rest der Tournee) aus, dafür widmet er sich ausführlich den Songs der vorangegangenen drei Alben. All das tut er mit der Gelassenheit eines Künstlers, der nie zu kommerziellen Ehren gekommen ist, aber dennoch weiß: "After every sorrow comes a joy."

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Surfempfehlung:
www.joehenrylovesyoumadly.com
www.facebook.com/JoeHenryLovesYouMadly
en.wikipedia.org/wiki/Joe_Henry
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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