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Konzert-Bericht
 
Können und Charisma

Conor Oberst
Dawes

Köln, Gloria
17.08.2014

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Conor Oberst
Wenn derzeit die Altmeister des amerikanischen Musikbusiness eine perfekt eingespielte Begleitband suchen, dann sind immer häufiger Dawes die Antwort. In den vergangenen Jahren heimste das einst als Americana-Band gestartete Quartett aus Los Angeles nicht nur für seine inzwischen drei Platten viel Lob ein, sondern begleitete auch Größen wie Robbie Robertson, Jackson Browne oder John Fogerty bei Auftritten rund um den Globus. Kein Wunder also, dass Bright-Eyes-Chef Conor Oberst bei Taylor Goldsmith und den Seinen anfragte, als er auf der Suche nach einer Band für seine aktuelle Welttournee unter eigenem Namen war. In Köln machte das ausgezeichnete Package Mitte August im wunderschönen (und restlos ausverkauften) Gloria Station.
Wegen Conor Oberst waren die meisten an diesem Abend gekommen, aber als Fans von Dawes gingen sie nach Hause, denn was die Kalifornier im Gloria zeigten, war wirklich ganz, ganz groß! Selten haben wir in den letzten Jahren ein Konzert erlebt, in der die Vorgruppe das Publikum in kaum mehr als einer halben Stunde so vollkommen für sich einnehmen konnte. Dazu benötigten die vier Amerikaner nicht mehr als rund ein halbes Dutzend mit Hooks vollgestopfte, zeitlos schöne Songs, ein selbstbewusstes, aber dennoch nie aufdringliches Auftreten und fast schon beängstigende musikalische Perfektion. Der Sound war druckvoll und klar, und nach dem unerwartet verhaltenen Beginn mit "Western Skyline" folgten eine ganze Reihe Ohrwürmer wie "Most People" oder "Time Spent In Los Angeles", für die vor 35 Jahren auch The Eagles, Jackson Browne oder Fleetwood Mac dankbar gewesen wären. Dass Dawes inzwischen dem betont handgemachten Roots-Sound ihrer frühen Tage den Rücken gekehrt haben und stattdessen auf glänzenden 70s-Songwriter-Pop setzen, half ihnen zweifelsohne, das Publikum in der Domstadt in null Komma nichts für sich zu gewinnen. Das begeisterte Feedback war übrigens kein Einzelfall auf der Tournee. Das Merchandise, das eigentlich für die komplette Tournee hätten reichen sollten, war bereits seit Tagen ausverkauft!
Auch dem gemeinsamen Auftritt mit Conor Oberst drückten Dawes ordentlich ihren Stempel auf. Ohne dass es den Songs geschadet hätte, fegten die Musiker jegliche Anflüge von Schluffigkeit und Verdrehtheit aus den Stücken des 34-jährigen Amerikaners und bereiteten so die Bühne für einen ungewohnt, aber dennoch willkommen straighten Auftritts Obersts, der keine Wünsche offenließ. Anders als in der oft alkoholgetränkten Vergangenheit gab es an diesem Abend einen Conor Oberst zu erleben, der sein Können und Charisma nicht weiter verschleuderte, sondern es konzentriert in Kreativität umwandelte, ohne deshalb Herz und Seele vermissen zu lassen. Die veränderte Herangehensweise passte zudem zu seinem aktuellen Solowerk "Upside Down Mountain", auf dem er das bisweilen Skizzenhafte früherer Werke gegen größeren Produktionsaufwand und ein stärkeres Auge für musikalische Perfektion eingetauscht hat.

Programmtechnisch wurde allerdings in Köln ein Querschnitt durch (fast) das gesamte Schaffen Obersts geboten - und ein spontanes noch dazu, denn er wich gleich mehrfach von der geschriebenen Setlist ab: Zwei Songs des vielleicht besten Bright Eyes-Albums "I'm Wide Awake, It's Morning" hätten es ursprünglich sein sollen, drei weitere rutschten am Ende ins Programm, darunter ein etwas wackeliges, aber dennoch sehr schönes "First Day Of My Life", das auf dieser Tournee (hörbar) nur an ganz wenigen Abenden gespielt worden war, und ganz am Schluss "Another Traveling Song", das Oberst seinem langjährigen Drummer und Touringbuddy Jason Boesel widmete, der an diesem Tag Geburtstag feierte. Dazu kamen die Highlights des neuen Albums wie "Zigzagging Toward The Light" oder das mit einer langen Anti-Festival-Tirade eingeleitete "Governor's Ball" und ausgewählte Bright Eyes-Oldies wie "Bowl Of Oranges". Als besonderes Highlight empfahl sich darüber hinaus "Ladder Song", von Conor in einer bewegend-intensiven Fassung am Piano interpretiert. Ein "Wow"-Moment, wie man ihn nur bei den ganz, ganz Großen erlebt.

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Surfempfehlung:
www.conoroberst.com
www.facebook.com/conoroberst
de.wikipedia.org/wiki/Conor_Oberst
dawestheband.com
www.facebook.com/Dawestheband
en.wikipedia.org/wiki/Dawes_(band)
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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