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Our Idea of Tea

Hanna Fearns
Ken Stringfellow

Köln, King Georg
19.10.2014
Hanna Fearns
Dutzende, nein, Hunderte Shows hat Ken Stringfellow seit der Veröffentlichung seines letzten Soloalbums "Danzig In The Moonlight" vor rund zwei Jahren gespielt. Integraler Bestandteil eines jeden Konzerts: Das an Lee & Nancy angelehnte Country-Duett "Doesn't It Remind You", für das sich der amerikanische Tausendsassa allabendlich eine andere Gesangspartnerin ausguckte. Mal waren das frühere Kollaborateurinnen, mal lokale Geheimtipps, und zumindest einmal bat er in Ermangelung besserer Ideen auch einfach die Kartenabreißerin vom Einlass mit Textblatt auf die Bühne. Manchen dieser Duettpartnerinnen stand er seitdem auch als Produzent zu Seite, und auch seine Zusammenarbeit mit der englischstämmigen Kölner Singer/Songwriterin Hanna Fearns fand nun eine Fortsetzung - in Form einer gemeinsamen Tournee.
Ken Stringfellow
Der letzte Stopp der kurzen Gastspielreise war treffenderweise der Ort, an dem sich die zwei vor 18 Monaten zum ersten Mal begegnet waren. Damals war Ken Stringfellow zusammen mit Sir Simon an einem Samstagabend im Kölner King Georg zu Gast, dieses Mal wurde es eine Sonntagnachmittagsmatinee. Statt Bier und Cocktails gab es für die meisten Gäste ob der frühen Auftrittszeit deshalb eher Pflaumenkuchen und Tee, was dazu führte, dass sich eine ungewohnt relaxt-heimelige Atmosphäre im King Georg breitmachte. Das passte allerdings ganz ausgezeichnet zur Musik, schließlich bezeichnet Fearns ihre Version von Americana selbst als Sofa Country. Was hätte da besser sein können als ein bequem sitzendes und andächtig lauschendes Publikum? Aufgelockert wurde die gedämpfte Grundstimmung durch eine ganze Reihe alberner Ansagen zwischen den Songs. Als Stringfellow gegen Ende dem Publikum sagte: "Ihr bekommt heute die schlechtesten Witze der ganzen Tournee ab", unterstrich er damit nur das bereits Offensichtliche. Lustig waren Sprüche wie "Ich gebe vielen Leuten Ratschläge. Manchmal brauche ich einen ganzen Nachmittag dafür, manchmal reichen auch zwei Worte!" natürlich trotzdem.

Die Rezensenten ihrer aktuellen Platte "Sentimental Bones" bescheinigten Hanna Fearns in puncto Stimme und Stimmung bereits eine Nähe zu Lucinda Williams. Die Gitarre in Händen und mit dem oft honky-tonkenden Stringfellow am Keyboard klopfe sie etwa beim Highlight "You Stole My Crown" die klaren, schlichten Worte alter Country-Klischees auf Bezüge zu ihrem eigenen Leben ab und wich bei anderen Stücken wie "Act Of Grace" musikalisch immer wieder von den klassischen Genre-Pfaden ab. Wenn die Musik in Richtung Tex-Mex oder jazzig angehauchten Singer/Songwriter-Pop deutete, konnte man bisweilen schnell vergessen, dass wir es hier mit einer Deutschen mit Wurzeln in Liverpool zu tun hatten, die von einem Yankee unterstützt wurde.

Das zweistündige Programm teilten sich die beiden Protagonisten. Nach jeweils einer Handvoll Songs wurde das Mikro weitergereicht. Stringfellow bestritt seinen Part zunächst allein, sorgte allerdings mit seiner Songauswahl dafür, dass der Auftritt stimmig blieb. Auf die ambitionierteren Stücke von "Danzig In The Moonlight" verzichtete er an diesem Tag weitestgehend, und so sorgte neben Folk-Songs wie "110 Or 220 V" und "Even The Forgers Were Left Fingering The Fakes" das inzwischen auch 13 Jahre alte "Spanish Waltz" für Bezüge zu Fearns' Calexico-Anwandlungen, und mit dem seit Langem nicht mehr "freiwillig" gespielten "Too True" aus seinem 1997er-Solodebüt "This Sounds Like Goodbye" wurde es zwar ziemlich düster, aber musikalisch rückte er seiner Tourneepartnerin damit näher, als er es mit vielen der vertrackten Stücke seiner aktuellen Platte gekonnt hätte.

Hanna Fearns & Ken Stringfellow
Nie kam er ihr stilistisch allerdings näher als bei dem eingangs erwähnten "Doesn't It Remind You", das die beiden in Köln natürlich wieder gemeinsam zelebrierten. Die Nummer war zudem der Auftakt für eine ganze Reihe weiterer prima Duette, wobei die Wahl dabei mal auf ein Stück von Fearns Terrain fiel (zum Beispiel "Love Hurts"), mal eher Stringfellows Interessen widerspiegelte (etwa bei "Communication" von den Cardigans) oder sich die beiden einfach in der Mitte trafen, als sie Neil Youngs "I Believe In You" zusammen sangen. Dass Stringfellow über die Jahre nun bereits vier Songs aus der "After The Goldrush"-LP gecovert hat, sei als Randnotiz angemerkt. Lediglich die gemeinsame Version von "Something Stupid" wollte nicht so recht zünden.

Deshalb waren die beiden nicht schlecht beraten, bei der Zugabe zu ihren eigenen Songs zurückzukehren. Fearns hatte sich mit "Please Darkness Please" ihren wohl schönsten Song ganz bis zum Schluss aufgehoben, während sich Stringfellow mit einem kurzen "Saviour's Hands" verabschiedete - sein Wort zum Sonntag, gewissermaßen, und ein passender Ausklang für einen kurzweiligen Sonntagnachmittag.

Surfempfehlung:
www.fearns.com
de-de.facebook.com/hannafearnsmusic
www.kenstringfellow.com
www.facebook.com/KenStringfellow
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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