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We love Wayne Hussey, we do!

Wayne Hussey

Tourtagebuch Herbst 2014

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Wayne Hussey
Eigentlich war The Mission-Frontmann Wayne Hussey diesen Herbst auf einer 52-Daten-Tour kreuz und quer durch Europa, damit seine Frau Cinthya daheim in Brasilien das gemeinsame Heim ungestört umbauen konnte. Sozusagen nebenbei stellte der 56-jährige Brite dabei auch noch sein feines Solodebüt "Songs Of Candlelight And Razorblades" erstmals live vor. Doch weil die Goth-Ikone jeden Abend mindestens zwei, bisweilen sogar drei Stunden auf der Bühne stand bzw. saß, blieb neben neuen Highlights auch noch viel Raum für lieb gewonnene alte Mission-Songs und willkommene Coverversionen und Experimente. Gaesteliste.de war bei vier ganz ausgezeichneten und noch dazu äußerst abwechslungsreichen Konzerten mit dabei.
Essen, Grend, 21.10.2014

Gleich bei Husseys erstem Konzert in Deutschland in diesem Jahr hieß es "ausverkauft". Um Punkt 20.00 Uhr kam Hussey auf die Bühne des vollbestuhlten Grend-Theaters, doch anstatt sich ans Klavier zu setzen oder zu einer der gleich vier bereitstehenden Gitarren zu greifen, warf er den Sampler an und eröffnete den Abend praktisch in orchestraler Begleitung mit dem imposanten Albumopener "Madam G", an den sich mit "All Along The Watchtower" die erste von vielen Coverversionen nahtlos anschloss. Doch The Mission-Songs ließen nicht lange auf sich warten, wenngleich Hussey auch dabei einige Überraschungen aus dem Hut zauberte. Nicht nur, dass er fast ausschließlich (exzellente) B-Seiten und fast vergessene Albumtracks spielte, nein, "Like A Child Again" brachte er in einer rasanten Version auf der Ukulele! Anders als bei früheren Soloauftritten fragte Hussey auch dieses Mal sein Publikum mehrfach "What shall we play next?", war an diesem Abend aber nicht besonders großzügig im Erfüllen der Wünsche. So hörte er sich die Zwischenrufe nach alten Klassikern zwar an, spielte dann aber nach einem lässig dahingeworfenen "Ihr habt eure Chance gehabt!" lieber "Cosmic Dancer" von T. Rex! Am Klavier sang er nicht nur das neue "When I Drift Too Far From Shore", sondern auch eine atemberaubend schöne Version von All About Eves "Martha's Harbour". Ausgerechnet "You'll Never Walk Alone" versägte er trotz der Liverpool-FC-Fahne, die am Keyboard hing, gehörig - bei der Zugabe wagte er dann einen weiteren Versuch, der wesentlich besser klappte. Dazwischen konsumierte er ordentlich Rotwein und machte launige Ansagen. Als jemand nach dem alten Sisters Of Mercy-Hit "Marian" verlangte, spielte er kurzerhand Leonard Cohens "So Long Marianne" und schickte anschließend augenzwinkernd ein "Das soll euch eine Lehre sein!" hinterher, und als kurz danach jemand im Dunkeln hörbar in die Glastür des Saals rannte, meint er nur trocken: "War das der, der sich 'Marian' gewünscht hat? Dann geschieht es ihm recht!" Schade nur, dass am Ende die Technik versagte und Hussey sichtlich angefressen war - zwei Stunden und 20 Minuten hatte er aber dennoch auf der Bühne gestanden, als er sich - analog zum ersten Song des Abends - in Bandbegleitung aus dem Sampler mit "Swan Song" verabschiedete.

Hamburg, Prinzenbar, 22.10.2014

In Hamburg war das Publikum zwar zahlenmäßig nur halb so groß wie in Essen, trotzdem sollte Hussey den Auftritt in der wunderschönen Prinzenbar später gleich mehrfach als einen seiner Lieblingsabende der gesamten Mammuttour bezeichnen. Auch in der Hansestadt füllte er einen Gutteil seines sehr unterhaltsamen Zweieinhalb-Stunden-Auftritts mit Coversongs und spielte "Personal Jesus" von Depeche Mode (was ein Teil des Publikums in "Reach out and touch Wayne!" umdichtete), "The Killing Moon" von Echo And The Bunnymen (auf der Ukulele!), im Medley mit "Wasteland" "Like A Hurricane" von Neil Young und "Lucky" von (Radiohead) und brachte am Ende sogar George Michaels "Careless Whisper". "Als wir heute nach Hamburg reingefahren sind, musste ich an die damalige Zeit mit den Sisters denken. Das waren zwei furchtbare Wochen, die Andrew und ich irgendwo in einem Vorort gehaust haben. Aber das Einzige, worauf wir uns jemals wirklich einigen konnten: Das ist ein großartiger Song!", erklärte er dazu. Sogar das tags zuvor noch kategorisch verweigerte "Marian" gab es in einer Instrumentalversion zu hören, bei der das Publikum die deutsche Strophe singen durfte, was Hussey anschließend mit einem "I don't know what you mean...?" kommentierte. Mit "Tower Of Strength" und "Butterfly On A Wheel" gab es auch einige waschechte Hits zu hören, und am Ende war Hussey sichtlich gerührt, als ihm das Publikum mit "We love Wayne Hussey, we do!" in bester Fußball-Fansong-Manier sogar zum Dank noch ein kleines Ständchen brachte. Apropos Fußball: Hussey ließ sich während des Konzerts von seinem Tour-Begleiter Graham mit dem aktuellen Zwischenstand des Spiels Liverpool - Real Madrid (Ergebnis: 0:3) versorgen - was die anwesenden Fußball-Fans auch bemerkten und ihm als Beileidsbekundung "You'll Never Walk Alone" spendierten. Hussey ließ sich nicht lange bitten, stimmte am E-Piano mit ein und brachte den Song diesmal korrekt zu Ende.

Essen, Grend, 27.10.2014

Knapp eine Woche nach seinem ersten Gastspiel im Ruhrpott machte Hussey ein zweites Mal Station in Essen Station und löste dabei gleich zwei Versprechen ein: Zum einen gab es dieses Mal keine technischen Probleme, zum anderen krempelte er sein Set vollkommen um und griff dabei ganz, ganz tief in die Raritätenkiste. "Ihr seid echte Glückspilze, denn ich spiele heute Abend nur Songs, die ich sonst nie bringe", ließ er die Zuschauer im abermals bis auf den letzten Stuhl voll besetzten Saal wissen. "Heute gibt es all die guten Sachen zu hören!" Los ging es wie jeden Abend zwar wieder mit "Madam G", doch gleich danach folgten mit "Raising Cain" und "Heaven On Earth" die ersten Raritäten. Selbst bei seinem Abstecher zur Ukulele ließ er sich etwas Neues einfallen und spielte zuerst "The Crystal Ocean" und später bei der Zugabe sogar noch "The House Of The Rising Sun". Zwischendurch zog er immer wieder theatralisch das Programm der Vorwoche aus der Tasche ("Jemand hat mir netterweise eine Liste der Songs gegeben, die ich letzte Woche gespielt habe, als wollte er sagen: 'Die bitte heute nicht!'") und gab sein Bestes, Songdoppelungen zu vermeiden. So gab es ein effektbehangenes "Black Mountain Mist" zu hören, eine atemberaubende E-Piano-Version von "Naked & Savage", eine wundervolle Fassung des verlorenen Mission-Klassikers "Sweet Smile Of The Mystery", ein trotziges "Sorry" und die solo eigentlich auch nie gespielten "The Brightest Light" und "Litany For The Faithful". Patzer waren dennoch Fehlanzeige. Nur beim Zuschauerwunsch "Wake" wackelte er einmal kurz - aber wann hat man die Nummer schon mal mit einem Lacher in der Mitte gehört? Natürlich wurden auch einige der Hits nachgeholt, die in der Vorwoche den "Gitarren-Gremlins" zum Opfer gefallen waren, und am Ende wollte Hussey gar nicht mehr aufhören. "Habt ihr kein Zuhause, das auf euch wartet?", fragte er zu Beginn der zweiten Zugabe. "Ich hab 120 Songtexte hier auf meinem iPad, ich kann die ganze Nacht durchspielen!" Fast tat er das dann auch, denn als der Auftritt mit "Personal Jesus" um kurz vor 11 endete, hatte er fast die Drei-Stunden-Schallmauer durchbrochen und schickte das Publikum glücklich nach Hause.

Münster, Gleis 22, 05.11.2014

"Nicht, dass ich mitzähle, aber dies ist die 37. Show der Tour", sagte Hussey zu Beginn seines Auftritts im Gleis 22. Ein bisschen konnte man ihm die Strapazen der langen Gastpielreise auch anmerken. Die Performance war zwar weiterhin erstklassig, aber nicht nur seine Stimme war witterungsbedingt etwas rauer, auch seine Wortwechsel mit dem Publikum erschienen etwas arroganter als noch zwei Wochen zuvor - zwei Wochen übrigens, in denen Liverpool kein einziges Mal gewonnen hatte, wie er lachend bemerkte. So brach er etwa "Butterfly On A Wheel" nach einem wirklich eindrucksvollen Singalong ab, weil das Publikum in der letzten Strophe "love breaks..." statt "love heals..." gesungen hatte, und auch einige Labertaschen wurden (nicht ganz zu Unrecht) mit deutlichen Worten abgestraft. Ein paar Songwünsche erfüllte Hussey dennoch, darunter sogar "Severina", das er bei den Konzerten zuvor noch verweigert hatte, und das sehr willkommene "Blood Brother". Mit "Amelia" und - ganz am Ende - "Beyond The Pale" zauberte er dann noch weitere Fan-Favorites aus dem Hut bzw. iPad. Dazwischen konnte er mit "Wither On The Vine", dem in Sampler-Begleitung fast schon in Richtung Synth-Pop deutenden größten Ohrwurm seines aktuellen Soloalbums, punkten und mit dem ebenfalls neuen "The Bouquet And The Bows" am Klavier in Melancholie baden. In der Abteilung "Experimente" lag derweil "Coming Home" ganz weit vorne: Mit geloopten Stimmen brachte Hussey die Nummer praktisch als Ein-Mann-a-cappella-Chor ganz am Ende des Mainsets. Die Zuschauer - mehr als doppelt so viele wie bei Husseys letztem Gastspiel im Gleis 2009 - nahmen's mit Begeisterung auf und forderten stürmisch Zugaben.

"Some amazing memories from this tour to take home with me", schrieb Hussey kurz darauf in sein Facebook-Tagebuch. "It's made this ol' heart of mine beat just a little faster and stronger. The reaction to the new album and the new songs has been incredible. Thank you for that." Nein, Mr. Hussey, wir haben zu danken!

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Text: -Carsten Wohlfeld & David Bluhm-
Foto: -Carsten Wohlfeld-

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