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"We're gonna wreck shit tonight!"

Bob Mould

Köln, Gebäude 9
07.11.2014

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Bob Mould
Alte Helden nach vielen Jahren wieder live zu sehen, hat oft etwas Ernüchterndes. Denn natürlich geht selbst an den größten Musikern die Zeit nicht spurlos vorbei, und den meisten, die 20, 30 Jahre nach ihren größten Erfolgen noch auf der Bühne stehen, kann man anmerken, dass sie eher für Miete und Altersversorgung spielen und nicht, weil die jugendliche Flamme der Leidenschaft für ihre Musik weiterhin in ihnen lodert. Ausnahmen von dieser Regel gibt es nur wenige - Bob Mould allerdings zählt zweifelsohne dazu. Was der inzwischen 54-jährige Vater des Alternative Rock mit seinen langjährigen Mitstreitern Jason Narducy (Bass) und Jon Wurster (Schlagzeug) an diesem Freitagabend im Kölner Gebäude 9 ablieferte, war wirklich erstaunlich.
"We're gonna wreck shit tonight!", ruft der inzwischen erstaunlich gelassen wirkende Amerikaner dem Publikum im restlos ausverkauften Saal nach etwa 20 Minuten zu. Da lag der famose Einstieg mit "Flip Your Wig" und "Hate Paper Doll" von seiner ersten Band Hüsker Dü und Sugars Opus-Magnum "Hoover Dam" genauso bereits hinter ihm wie der vor Energie sprühende Ritt durch ein halbes Dutzend Highlights seiner allenthalben hochgelobten letzten zwei Alben, "Silver Age" und "Beauty & Ruin". Zugegeben, so innovativ wie einst bei den Hüskers, die ihrer Zeit um Jahre voraus waren und 1985 als eine der ersten der Hardcore-Szene entwachsenen Bands einen Majorlabel-Vertrag unterzeichneten, sind seine neuen Sachen nicht mehr, die gleiche Dynamik und vor allem Eingängigkeit besitzen "The Descent" oder "I Don't Know You Anymore" aber allemal. Denn auch wenn sich viele der älteren Semester im Raum natürlich ganz besonders über die Hits von vorgestern (Songs der "schwierigen Jahre" 1994-2010 spart sich Bob kurzerhand) freuen - die neuen Stücke sind so gut (und im Falle von "Kid With The Crooked Face" oder "Hey Mr. Grey" auch genauso eindringlich und schnell), dass der Auftritt nie Gefahr läuft, zu einer reinen Nostalgieveranstaltung zu verkommen.

Die erste Atempause in diesem klassischen Alternative-Rock-Sperrfeuer gibt es erst, als das Konzert bereits halb vorbei ist. Genau in der Mitte des Sets steht nämlich die große Hüsker-Ballade "Hardly Getting Over It" (in Köln im Tandem mit dem thematisch verwandten neuen Song "The War" gespielt) auf dem Programm, doch selbst hier explodieren die drei in bester Power-Trio-Manier in der katharischen zweiten Songhälfte - bester Beweis dafür, wie nie nah Bob die emotionale Nummer nach all den Jahren immer noch ist.

Nicht viel später biegen die drei dann auf die Zielgerade ein und hauen - wie in den besten Zeiten der Hüskers und Sugar - ohne erkennbare Pausen zwischen den Songs noch ein halbes Dutzend Superhits raus, darunter "If I Can't Change Your Mind" in der R.O.C.K.-Version (herrlich, wie Bob vor dem kurzen, ruhigen Zwischenspiel seiner Band die Anweisung "sexy!" zuruft), "Helpless" und ganz am Ende die Großtat "Something I Learned Today", an die sich nahtlos das ebenso sensationelle "In A Free Land" anschließt. Bei der Zugabe ist es dann endgültig wieder 1985: Nachdem das Konzert bereits mit zwei Songs aus "Flip Your Wig" angefangen hatte, folgt im Gebäude 9 auf das unkaputtbare "Makes No Sense At All" ganz am Ende noch das leichtfüßige Cover "Love Is All Around", damals ein beliebter Rausschmeißer bei Hüsker Dü.

Noch wichtiger als das Was ist an diesem Abend das Wie. Denn wenn Bob mit seiner Gitarre breit grinsend zu seinen Power-Chords wie ein Duracell-Häschen über die Bühne springt, die Brillengläser nach wenigen Minuten vollkommen beschlagen, wenn Jason seine besten Ausfallschritte probt und sein Bass dabei fast den Bühnenboden berührt, wenn Jon lachend die Zähne zusammenbeißt und die Wangen aufbläst, wenn das nächste halsbrecherische Drums-Fill ansteht, dann ist klar, dass diese drei Herren an diesem Abend nicht nur Geld verdienen, sondern auch noch einen Heidenspaß dabei haben. Das alles ist beeindruckend, wirklich sehr beeindruckend!

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Surfempfehlung:
www.bobmoud.com
www.facebook.com/bobmouldmusic
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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