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Das Einzige, was zählt

Teenage Fanclub

Köln, Stadthalle Mülheim
27.11.2014
Teenage Fanclub
Letztes Jahr jagte beim wunderbaren Week-End-Festival in Köln ein Highlight das andere. Praktisch jede auftretende Band, jeder einzelne Künstler war eine absolute Legende aus Post-Punk oder Indierock/pop und noch dazu schon länger oder gar lange nicht mehr in Köln und Umgebung aufgetreten. Dieses Jahr wurde das Programm nicht nur von zwei auf drei Tage erweitert, es wurde stilistisch auch wesentlich breiter gestreut. Die ganz, ganz großen "Dass ich das noch erleben durfte"-Momente fehlten allerdings mit Ausnahme von ESG dieses Mal. Statt eines Reviews des kompletten Festivals machen wir es uns deshalb leicht und behaupten in einem Anflug von Ignoranz und Arroganz: Die einzige Band, die wirklich zählte, trat bereits am Donnerstagabend auf und hieß Teenage Fanclub.
Teenage Fanclub
Mit Köln verbindet die schottischen Indierock-Lieblinge eine langjährige Liebe. Der Legende nach erhielten Norman Blake, Gerard Love, Raymond McGinley und Francis Macdonald auf ihrer ersten Europatournee vor 25 Jahren beim Zwischenstopp im Rose Club trotz nur 30 zahlender Gäste erstmals eine warme Mahlzeit vom Veranstalter - so etwas vergisst man natürlich nicht. Dennoch ist es inzwischen fast zehn Jahre her, dass Teenage Fanclub in der Domstadt zu Gast waren, und auch den Rest von Deutschland beehrten sie zuletzt vor vier langen Jahren. Zudem lassen sich die Konzerte, die das Trio/Quartett/Quintett (so genau weiß man das nicht) im zu Ende gehenden Jahr gespielt hat, bequem an einer Hand abzählen. Zu etwas Besonderem wird er Auftritt der Schotten aber vor allem durch die Leichtigkeit, mit der die Band Wohlklang an Wohlklang häkelt. So unterhalten Teenage Fanclub ihr Publikum weit mehr als anderthalb Stunden bestens, decken dabei programmtechnisch sämtliche Schaffensphasen des letzten Vierteljahrhunderts ab und unterstreichen, dass sie eine der besten, ach was, DIE beste Bands sind, die den glorreichen Gitarrenpop der 60er- und 70er-Jahre kongenial in die Neuzeit übertragen hat. Hier ist gerade das Unspektakuläre spektakulär.

Ohne die lästige Pflicht, ein neues Album promoten zu müssen, geht es - durchaus im Gegensatz zu vielen anderen Konzerten der letzten Jahre - in Köln gleich in die Vollen. Der alte Kracher "Star Sign" von 1991 steht gleich als erstes Lied auf der Setlist - was für ein Anfang! Das Lied ist laut und schnell, und in null Komma nichts grinst nicht nur die ganze Band (außer Raymond, aber das kennen wir ja schon), sondern auch jeder Einzelne in den ersten Reihen. In den nächsten rund 90 Minuten gibt es praktisch nur Hits. Natürlich sind Teenage Fanclub in den letzten Jahren nicht mehr unbedingt besser geworden, schlechter aber eben auch nicht. Das unterstreicht auch die Tatsache, dass der Ohwurm "Baby Lee" aus dem letzten Album "Shadows" von 2010 genauso begeistert vom Publikum begrüßt wird wie die Hits aus den 90ern wie "Start Again", "Don't Look Back" oder "Can't Feel My Soul". Sogar eine Weltpremiere gönnen die Schotten uns, denn mit "I'm In Love" gibt es einen allerersten Vorgeschmack auf das 2015 erscheinende nächste Fanclub-Album. Besonders interessant dabei: Der feine Lovesong von Norman ist eine echte Rock'n'Roll-Nummer und klingt beim ersten Hören wesentlich mehr nach "Bandwagonesque" denn nach "Shadows".

Auch neu ist, dass Teenage Fanclub an diesem Abend wieder mehr wie eine echte Band wirken. Hatte man zuletzt ein wenig das Gefühl, dass hier drei erstklassige Songwriter in einem Zweckverband zusammenwirken, entpuppt sich der Keyboarder und zeitweise Drittgitarrist Dave McGowan als der neue Kitt, der die Band zusammenfügt. So prägnant ist er zuvor noch nie im Sound vertreten gewesen, und das wiederum lässt die ganze Band stärker als echte Einheit erscheinen. Eine große Show gibt es (natürlich) auch dieses Mal nicht. Norman ist einmal mehr der Einzige, der mit ein paar gut gemeinten Sätzen einen nicht-musikalischen Draht zum Publikum aufbauen will. So lobt er die Leistung der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM in den höchsten Tönen - nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er das ganz und gar ernst meine und sich nicht einfach nur einschleimen wolle. Womit er allerdings nicht gerechnet hat: Direkt vor seiner Nase in der ersten Reihe steht ausgerechnet eine Brasilianerin, die das ganz und gar nicht witzig findet...

Teenage Fanclub
Witzig ist dagegen, dass Teenage Fanclub beinahe einen ihrer schönsten Hits vergessen hätten. Glücklicherweise ruft jemand im Publikum unüberhörbar nach "I Don't Want Control Of You" und löst damit bei der Band nach einem kurzen Blick auf die am Boden liegende Setlist ungläubiges Staunen aus. Das Lied steht wirklich nicht drauf! Zum Glück bleibt bei der Zugabe noch genug Zeit, es zwischen "Near You" und "Your Love Is The Place Where I Come From" einzuschieben. Nach "Everything Flows" soll dann eigentlich Schluss sein, doch Dave Doughman, der sich als Conferencier des Week-End-Festivals auch dieses Jahr wieder um Kopf und Kragen quasselt, peitscht das Publikum so auf, dass der Band gar nichts anderes übrig bleibt, als noch einmal für eine ungeplante letzte Zugabe wieder zurück auf die Bühne zu kommen. Mit dem lange nicht mehr gehörten "What You Do To Me" endet das Konzert so, wie es begonnen hat: mit einem Klassiker aus "Bandwagonesque". Dass es zu diesem Zeitpunkt fast ein Uhr morgens ist und die letzten Busse und Bahnen in Mülheim längst abgefahren sind, stört da niemanden mehr.
Surfempfehlung:
www.teenagefanclub.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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