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Konzert-Bericht
 
Sammy Hagar und die Jogginghose

The Posies
Amish Winehouse

Heerlen, Nieuwe Nor
19.12.2014

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The Posies
Ganz ehrlich? Wir hätten beinahe vergessen, wie gut (und lustig) Jon Auer und Ken Stringfellow sein können, wenn sie keine Agenda haben. Während sie in den letzten Jahren zumeist damit beschäftigt waren, mit den Posies ihre klassischen Alben in Gänze zu spielen und Ken sich bei seinen Solokonzerten bisweilen fast ausnahmslos darauf verlegte, sein aktuelles Werk "Danzig In The Moonlight" zu präsentieren, war an diesem Freitagabend kurz hinter der holländischen Grenze alles wie früher: In Duo-Originalbesetzung lieferten The Posies ein herrlich ungezwungenes, weit über zweistündiges Set ab, das ihr gesamtes Wirken abdeckte und randvoll war mit zeitlos schönen Ohrwürmern und albernen Scherzen.
Den Supportact Amish Winehouse hätte man aufgrund des Namens auf den ersten Blick für eine Fun-Punk-Band halten können, doch weit gefehlt. Die drei Niederländer machten mit Stimme, Akustikklampfe, Orgel und sparsam eingesetzter Stromgitarre Musik zwischen ätherischem Indiefolk mit isländischem Einschlag und britischem Dreampop, der dem (ebenfalls etwas zu cleveren) "Hopelessnesslessness"-Schriftzug ihrer T-Shirts und Sticker wesentlich mehr gerecht wurde als der Bandname. So stimmungsvoll die getragene Musik des Trios aus Maastricht auch war - zum Headliner wollte sie nicht so recht passen.

Jon und Ken legten anschließend bereits vor dem ersten Lied den inhaltlichen Rahmen für den Abend fest. Ohne ersichtlichen Grund zogen sie erst einmal genüsslich über Sammy "Der Typ trägt bei seiner eigenen Hochzeit eine Jogginghose" Hagar und seine "Supergroup" Chickenfoot her - und waren anschließend äußerst erfolgreich dabei, Hagar, seine Band und seinen größten Soloerfolg "I Can't Drive 55" in ihren eigenen Songtexten unterzubringen. Doch nicht nur dabei offenbarten die zwei einmal mehr blindes Verständnis. Ohne große Worte warfen sich Jon und Ken die Bälle, sprich: die Songs zu, und es war herrlich zu sehen, wie oft ein kurzes Lächeln über das Gesicht des jeweils anderen huschte, wenn er das Lied identifiziert hatte und mit einstieg. Schön zu sehen, dass die beiden offenbar inzwischen wieder gerne zusammen Musik machen. Das war in der Vergangenheit ja nicht immer so. Doch nicht nur die Protagonisten waren offenkundig sehr zufrieden mit der Programmgestaltung, denn obwohl es keine schriftliche Setlist gab, war die Auswahl geradezu ideal. Nicht nur, dass wirklich sämtliche Platten (sogar die oft vergessene EP "Nice Cheekbones And A Ph.D.") berücksichtigt wurden, auch die Balance zwischen Hits und Raritäten war ganz ausgezeichnet. So gab es für jedes "Dream All Day" ein "Lights Out", für jedes "Throwaway" ein "Song #1", für jedes "My Big Mouth" ein "Everyone Moves Away". Derweil unterstrichen Stücke wie "Conversations", "So Caroline" oder "For The Ashes" aus den 00er-Alben der Band, dass The Posies keine Nostalgieband sind, und mit "Farewell Typewriter" war sogar eine Hommage an den tags zuvor verstorbenen Ardent-Records-Gründer und Big-Star-Produzenten John Fry dabei.

Besonders hell leuchteten an diesem Abend allerdings dennoch die ältesten Songs im Programm. Wenn man am Tag nach dem Konzert aufwacht und "Ironing Tuesday" und "Paint Me" nicht aus dem Kopf kriegen kann, dann weiß man, warum der amerikanische Rolling Stone das Posies-Debüt "Failure" zu den zehn besten Reissues des ausgelaufenen Jahres zählt: Die Produktion des Albums mag 25 Jahre später etwas amateurhaft klingen - Kunststück, die LP wurde von zwei Teenies im eigenen Keller eingespielt! -, aber die wunderbar simplen Songs haben bereits den gleichen Ohrwurm-Faktor wie spätere Werke der Posies, ganz abgesehen von dem perfekten Harmoniegesang der beiden, der in den Duo-Versionen natürlich wieder ganz besonders gut zur Geltung kam. Beeindruckend auch die umarrangierten Songs. Am Ende des Sets wechselte Ken ans Klavier, und mit Gitarre und Piano gewannen die zwei "Everybody Is A Fucking Liar" und sogar "Burn And Shine" vollkommen neue Seiten ab.

Sogar die wenigen Fauxpas waren witzig. Offenbar gab genau in dem Moment, in dem Jon bei "Solar Sister" zu seinem besten Solo ansetzen wollte, die Batterie seines Effektgerätes den Geist auf und statt eines Solos gab es nur Stille. Was bei einer Full-Band-Show vor großem Publikum womöglich ziemlich peinlich gewesen wäre, führte in Heerlen zu Lachern auf und vor der Bühne und dem Versprechen, es beim zweiten Versuch besser zu machen. Also stöpselte Jon kurzerhand seine Gitarre direkt in den Verstärker ein, die zwei sprangen eine Strophe zurück und machten es im nächsten Anlauf viel besser. Im Vergleich zu den von verschiedensten Substanzen befeuerten Duo-Auftritten vor 15 Jahren, als die zwei oft mehr Coverversionen spielten als eigene Songs und an manchen Abenden kaum eine Nummer sauber zu Ende spielten, präsentierten sich The Posies an diesem Abend trotz aller abgedrehten Scherze von ihrer aufgeräumten Seite, mit Wasser statt Wein auf der Bühne und mit Ausnahme von kurzen Instrumentalschlenkern zu R.E.M.s "Driver 8" und Loves "Alone Again Or" auch ohne Coverversionen.
Als das Konzert kurz vor Mitternacht mit einer emotionalen Version von "Coming Right Along" endete, machten Jon und Ken am Merch-Stand übrigens nahtlos mit dem Thema des Tages weiter, indem sie die gekauften Platten nicht nur signierten, sondern auch noch mit dem Chickenfoot-Logo verzierten...

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Surfempfehlung:
www.theposies.net
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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