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Rock'n'Roll Berufsschule

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen
Isolation Berlin

Köln, Blue Shell
30.12.2014

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Wie hieß es früher in der Waschmittelwerbung so schön? "Da weiß man, was man hat." Das gilt ganz sicher auch für Carsten Friedrichs, der sich und seinen stilistischen Vorlieben nun inzwischen seit über 20 Jahren treu ist, ganz egal ob früher mit den Fünf Freunden, mit Superpunk oder jetzt mit der Liga der gewöhnlichen Gentlemen. Irgendwie ist der Hamburger auch heute noch am liebsten in den späten 60er-Jahren unterwegs, inspiriert von den Mods im Speziellen und der Counter-Culture ganz allgemein. Passend zum unveränderten Themenkreis - dass die neue Liga-Single "Kennst du Werner Enke?" heißt, wundert wohl niemanden - bleibt auch die Anzahl der in den Songs benutzten Akkorde weiterhin erfreulich überschaubar, und wenn die eigenen Ideen nicht besser sind als die Hits von gestern oder vorgestern, dann wird eben eine Hommage daraus.
Schon der Anfang des feinen Jahresabschlusskonzerts der Liga im Blue Shell ist herrlich skurril: Originalkommentare von der Pferderennbahn leiten den ersten Song, "Der fünfte Four Top", ein. "Wir ertränken unsere Sorgen in Musik", heißt es dort, Holland-Dozier-Holland und Barrett Strong werden erwähnt und bereits alles gestreift, was die Liga ausmacht: Der Mix aus Pop, (Northern) Soul, Beat, viel Orgel und unwiderstehlichem Groove ist das, was praktisch alle Lieder des hanseatischen Quintetts auszeichnet - auch wenn das Saxofon erst im zweiten Song seinen Auftritt hat. Die zweite Nummer ist das Titelstück des aktuellen Albums, "Alle Ampeln auf Gelb", benannt nach einem Slogan von Apo-Clown Peter-Ernst Eiffe, Deutschlands erstem Graffiti-Künstler. "Ah, ein Street-Artist", ruft jemand im Publikum. "Genau, aber früher sagte man Schmierer", verbessert ihn Carsten, ohne mit der Wimper zu zucken. Dass die Ansagen mindestens so gut wie die Songs sind, kennen wir ja noch von Superpunk! In Köln sagt der Frontmann Sachen wie: "Jetzt mal ganz kurz ruhig! Wenn die Musik weitergeht, könnt ihr wieder quatschen!", und als es tatsächlich still wird, kommentiert er keck: "Ich sollte vom Rock'n'Roller zum Berufsschullehrer umschulen." Später lobt er seinen Leadgitarristen Philip Morten Andernach, der "gewinnbringend" auf dem Boden befindlichen Effektgeräte tritt, denn: "Ich kann nur an oder aus!", oder er fragt den Mann am Mischpult: "Haben wir eine Discokugel, die wir auf dem kurzen Dienstweg anwerfen können?" Die Lacher hat er dabei immer auf seiner Seite.

Zwischen die vielen Uptempo-Songs mit tollem Drive, die im Publikum für ordentlich Bewegung sorgen, mischen sich hier und da jedoch auch ein paar melancholische Momente. Wenn Carsten von seiner Lieblingsjeans singt, die seine Mutter verbrannt hat (wenn man Bassist Tim Jürgens glaubt), oder wenn er bittet: "Begrabt mich bei Planten und Blomen". Ein Trauerspiel sind bekanntlich derzeit auch die Leistungen der beiden großen Hamburger Fußballvereine. Insofern sind die zwei St. Pauli- und drei HSV-Fans in der Band derzeit im Leid vereint. Mit "Nimm mich mit zum Spiel" und dem feinen Instrumental "Nach dem Spiel" kommt das runde Leder trotzdem nicht zu kurz. Bei der Zugabe gibt es mit "Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen" auch einen einzigen Rückgriff auf das Superpunk-Oeuvre (bei dem Tim allerdings aussetzt), bevor es ganz am Ende einen Tag vor Silvester ausgerechnet "Alleine auf Partys" als wohlmeinenden Rausschmeißer gibt. Was für ein Spaß!

Voll des Lobes ist die Liga übrigens auch für ihre Vorgruppe Isolation Berlin."Die kleinen Racker sind uns richtig ans Herz gewachsen", sagt Carsten. "Ehrlich gesagt: Als Mitbewohner würde ich noch mal überlegen, aber auf Tour - jederzeit wieder." Das junge Quartett ("die neue Lieblingsband der Melancholiebohème", glaubt flux.fm) zählt bereits die Kollegen von der Spex zu seinen glühendsten Verehrern und tut im Blue Shell alles dafür, dass in Köln auch noch ein paar Fans dazukommen. Live kommt die Band um einiges rauer rüber als auf seinem vor wenigen Monaten veröffentlichten ersten EP-Volltreffer "Aquarium", mit dem sie zwischen Ja, Panik, Rio Reiser und Anajo ein Plätzchen für ihren selbst betitelten Proto-Pop gefunden hat. Auch wenn manchem im Saal das Bühnengebaren von Isolation Berlin ein bisschen zu konstruiert erscheint - der große Durchbruch dieser Band ist ziemlich sicher nur noch eine Frage der Zeit.

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Surfempfehlung:
www.diegentlemen.de
de-de.facebook.com/DieLigaDerGewohnlichenGentlemen
de-de.facebook.com/ISLTN.BRL
isolationberlin.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-

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