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Konzert-Bericht
 
Kleine Bühne, großes Orchester

Lingby

Dortmund, Subrosa
02.04.2015

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Lingby
International konkurrenzfähiger Indierock und Deutschland, das wollte viele Jahre nicht so recht zusammenpassen. Natürlich hat es hierzulande auch abseits des Mainstreams immer wieder groß(artig)e Bands gegeben, aber die Idee, dass man einem Indie-Acts nicht sofort nach drei Takten anmerkt, dass er aus Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen oder Thüringen stammt und nicht aus Nebraska, Minnesota oder Massachusetts, ist immer noch recht neu. Auch Lingby haben seit ihrer Gründung vor rund zehn Jahren viel Zeit benötigt, um sich so richtig freizuschwimmen, aber seit aus dem Duo mit wechselnden Gästen ein festes Quintett geworden ist, stehen die Kölner kurz vor dem Einzug in die Indie-Königsklasse. Das beweist ihr just veröffentlichtes neues Album "Twist And Turn" ebenso wie ihr feiner Auftritt im Dortmunder Subrosa.
Drangvolle Enge herrscht in der schummerigen Eckkneipe am Dortmunder Hafen an diesem Donnerstagabend. Bei freiem Eintritt will sich ein bunt gemischtes Publikum mit dem Orchestral-Pop der Domstädter auf die Ostertage einstimmen. Offenbar hat sich inzwischen herumgesprochen, dass Lingby mit ihrem Sound den Nerv der Zeit treffen und doch nicht nur so klingen wie alle anderen auch. "In Lingby stecken viele Jahre Soundcheck und Songwriting, Nachtfahrt und Neubeginn. Ein Orchester zu fünft, eine Rockband auf Tour. Mit Gitarren, Gesängen, Trompeten und Mut", heißt es im Waschzettel zur neuen Platte - und das trifft es wirklich gut. Klar, ihre Melange aus klassischen Singer-/Songwriter-Elementen, (Synth-)Pop-Einwürfen, Indierock-Flavour und orchestralem Flair allein macht die Band noch nicht zu etwas Besonderem, wohl aber das, was sie daraus macht. Nicht nur, dass sich Gitarrist Willi Dück und Keyboarderin Judith Heß, die Lingby einst zu zweit aus der Taufe hoben, immer wieder am Gesang abwechseln - auch die Stimmung der Songs ist immer wieder anders, von melancholisch-zurückhaltend bis energiegeladen-lebhaft. Das zeigt sich gleich bei den praktisch ineinanderfließenden ersten beiden Songs, "Swans" und "This Takes Me Out", die eigentlich grundverschieden sind und sich trotzdem ganz ausgezeichnet ergänzen.

Gleich zu Beginn unterstreichen Lingby mit pfiffigem Bläsereinsatz - Trompete, Flügelhorn und bisweilen gar Posaune sind auch bei vielen weiteren Songs zu hören -, dass sie mehr sein wollen als nur eine Band unter vielen. Das kann man auch daran ablesen, dass dieses Konzert gerade einmal das dritte seit Veröffentlichung des neuen Albums ist, aber schon wieder eine Handvoll brandneuer Nummern ins Programm gerutscht sind, von denen vor allem "MHmm" durch die markante Horn Section das Prädikat "außergewöhnlich" verdient. Auch mit dem von dunkel gefärbten Synth-Sounds angeschobenen "Tired Eyes", eine Art Schattenduett zwischen Willi und Judith, denken Lingby außerhalb der üblichen Bahnen.

Für alte Songs bleibt im rund einstündigen Set daher nicht viel Platz. Ihren heimlichen Superhit "Like A Stone" (der Ohrwurm mit dem Killer-Bläsersatz am Ende) aus ihrem Debütalbum "Count The Stars" spielen die Kölner zum Glück trotzdem. Dass sie ihn ganz ans Ende des Programms setzen, ist dabei praktisch die einzige echte Konzession an die Gepflogenheiten des Pop-Business. Am Ende der Zugabe steht das Titelstück des neuen Albums, das als getragene Klaviernummer beginnt und sich dann erst mit Bläsern und kurz darauf mit dem Einsatz der kompletten Band zu einem wahrlich imposanten Finale steigert.

Bei so viel beeindruckenden Liedern sind große Ansagen zwischen den Songs kaum nötig. Die wenigen, die es gibt, sitzen aber perfekt. So sagt Willi zwei Tage vor dem Fußball-Bundesliga-Klassiker Dortmund - Bayern, dass Lingby die ersten beiden Konzerte ihrer Tournee in München und Offenbach bestritten hätten. "Offenbach war ganz nett - und über München reden wir nicht", lautet sein augenzwinkernder Kommentar, bevor er das nächste Stück als Lied über Dortmund ankündigt, denn: "'If Anything', dann Dortmund!" Bei aller Melancholie in ihren Liedern - witzig sind Lingby also auch noch!

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Surfempfehlung:
www.lingby.de
www.facebook.com/Lingby
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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