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Konzert-Bericht
 
Liebenswert unkonventionell

Jad Fair & Norman Blake

Köln, King Georg
15.05.2015
Jad Fair
Jad Fair ist eine lebende Legende des DIY-Punk-Indie-Irgendwas, obwohl, oder gerade weil seine Werke mit Half Japanese, als Solist oder im Verbund mit hochkarätigen Fans und Freunden wie Yo La Tengo, The Pastels oder Teenage Fanclub seit inzwischen fast 40 Jahren oft nur haarscharf an der Unhörbarkeit vorbeischrammen. Deshalb ist er bei seinen Konzerten gut beraten, Teenage Fanclub-Frontmann Norman Blake als Sidekick mitzunehmen, um seinem Dreiklang aus Kunst, Krach und Kult ein bisschen Wohlklang entgegenzusetzen.
Norman Blake
Beim einzigen Deutschlandauftritt der zwei im Kölner King Georg funktioniert das ganz ausgezeichnet - und das nicht erst bei den iPad-unterstützten Songs aus dem just veröffentlichten gemeinsamen Album "Yes" wie etwa "Add Your Name", das mit einem lupenreinen 60s-Pop-Arrangement punktet, bei dem sicher auch Burt Bacharach feuchte Augen bekommen hätte. Egal, ob Jad das Publikum gleich zu Beginn mit der lediglich von simplen Akkorden Normans auf der Akustikgitarre begleiteten zehnminütigen Sprechgesang-Großtat "This Could Be The Night " in seine wundersame Welt abtauchen lässt, mit einer ganzen Batterie Half-Japanese-Hymnen wie "Red Dress", "I Have A Secret", "Roman Candles" oder "Song Of Joy" für freudestrahlende Gesichter bei den Zuschauern in den ersten Reihen sorgt oder bei "Shake Baby Shake" seine bunt bemalte Gitarrenspezialanfertigung mit dem beweglichen Griffbrett dehnt und biegt und ihr dabei die abenteuerlichsten Töne entlockt, während Norman auf das Schlagzeug eindrischt - ungemein unterhaltsam ist der inzwischen 61-jährige Charismatiker aus den USA den ganzen Abend über. Dass weder er ein brillanter Sänger ist noch Norman ein perfekter Drummer, macht rein gar nichts. Hier geht es um echte Emotionen, nicht um sterile Perfektion.
Jad Fair
Statt anstrengend exzentrisch gibt sich Jad an diesem Abend in Köln liebenswert unkonventionell und kennt dabei auch seine Grenzen genau: Immer, wenn es doch einmal etwas zu abenteuerlich zu werden droht, streut er kurzerhand Songs wie die eingängige alte Musical-Nummer "Sunny Side Of The Street" ein, um gegenzusteuern, oder setzt sich selbst ans Drumkit und überlässt Norman das Mikrofon, um seinen schottischen Mitstreiter einige der schönen Teenage-Fanclub-Songs des neuen Jahrtausends wie "It's All In My Mind" und "Baby Lee", eine witzige Unplugged-Fassung des Velvet Underground-Krachers "What Goes On" oder eine herzergreifende Version von Daniel Johnstons "Story Of An Artist" singen zu lassen, an das er mit "Casper, The Friendly Ghost" gleich noch seine eigene Johnston-Hommage anschließt. Keine Frage: Für einen schrägen Vogel, der für seine Ecken und Kanten bekannt ist, liefert Jad Fair an diesem Abend einen geradezu erstaunlich runden Auftritt ab.
Surfempfehlung:
ww.jadfair.org
www.teenagefanclub.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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