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Konzert-Bericht
 
Musik für Spätgeborene

Motorama

Oberhausen, Druckluft
21.05.2015

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Motorama
Jules Verne schaffte es einst in 80 Tagen um die Welt, Motorama brauchen 2015 dafür gerade einmal 36. Mitte April startete die Band daheim in Russland ihre Welttournee, nach Abstechern nach Süd- und Mittelamerika ging es dann kreuz und quer durch Europa - bis in Oberhausen das vorerst letzte Headline-Konzert auf dem Programm stand. Ein Abenteuer, das ganz offenbar erfolgreich war, denn am Devotionalienstand gibt es an diesem Abend nur noch Restposten des inzwischen drei Alben und diverse Kleinformate umfassenden Oeuvres der Band, die ein wenig so klingt, als sei in ihrem Klanguniversum für immer 1980.
Keine Frage, Motorama machen Musik für Spätgeborene. Auch auf ihrem kürzlich erschienenen dritten Album, "Poverty", fängt die Band aus Rostow am Don das Lebensgefühl der Post-Punk-Ära perfekt ein und klingt mit ihrer eigenen Melange aus Cold Wave und Indie-Pop doch anders als viele ähnlich inspirierte Combos. Während das treibende Schlagzeug und der Grummelbass in Richtung Joy Division und The Cure deuten, erinnert die in diesem Kontext herrlich unorthodoxe Vintage-Orgel eher an die alten Creation Records-Lieblinge Felt, und manchmal hat man bei den betont schlanken Gitarrenmelodien sogar das Gefühl, dass auch The Chills nicht weit sind. Gepaart mit einem erstaunlich hohen Ohrwurmfaktor macht das die Band auch für all diejenigen interessant, die mit "retro" eigentlich nichts am Hut haben. Dementsprechend gut gefüllt ist dann an diesem Abend auch der Saal des Druckluft.

Die Band scheint das allerdings nicht sonderlich zu interessieren. Obwohl die kleine Bühne noch nicht einmal kniehoch ist und sich die Zuschauer dicht davor drängeln, bleiben die vier Musiker ganz in ihrer Welt und starren sich lieber auf die eigenen Füße, anstatt (Blick-)Kontakt zum Publikum aufzunehmen - von Ansagen ganz zu schweigen. Weil ihre etatmäßige Bassistin ein Kind erwartet, sind Motorama derzeit nur zu viert auf Tournee. Die beiden bisherigen Gitarristen teilen sich nun die Aufgaben an Gitarre und Bass im fliegenden Wechsel, und die hektische Übergabe der Saiteninstrumente zwischen den Songs ist - abgesehen von einigen eigenwilligen, gedankenverlorenen Tanzeinlagen und der ständig verrutschenden Brille des Frontmanns - die einzige Show, die uns das Quartett an diesem Abend gönnt. Auch die Interaktion untereinander beschränken die vier Herren auf das Allernötigste. Vielleicht auch deshalb will der Funke im Druckluft nicht so wirklich überspringen. Sicher, gegen Ende kommt durchaus etwas Bewegung ins Publikum, vor allem, wenn sich unter die Songs von "Poverty", die den Löwenanteil des Programms ausmachen, auch vereinzelte Rückgriffe auf Lieder der früheren Veröffentlichungen à la "Alps" mischen.

Am Eindruck, dass Motorama herausragende Platten machen, sie aber live nicht so umzusetzen wissen, dass man nicht nur gerne zuhört, sondern auch zuschaut, änderte das allerdings nichts mehr. Es gibt Bands, die Schüchternheit als Stilmittel einsetzen, Motorama dagegen steht sie bei ihrem Abstecher nach Oberhausen leider eher im Wege.

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Surfempfehlung:
wearemotorama.com
www.facebook.com/wearemotorama
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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