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Ende gut...

Julie Doiron

Düsseldorf, Kassette
02.07.2015
Julie doiron
Nein, ein Auftritt für die Ewigkeit war das Düsseldorfer Konzert der zu Recht allenthalben hochgelobten kanadischen Singer/Songwriterin Julie Doiron nun wirklich nicht, denn dafür kamen einfach zu viele widrige Umstände zusammen. Fast 40 Grad Sommerhitze draußen, freier Eintritt, eine überschaubare Gage per Hutspende, das ständige Kommen und Gehen der Terrassengäste auf dem Weg zu den Toiletten, eine winzige Bühne, geliehene Verstärker und eine bisweilen etwas überforderte Nanny für die mitreisenden Kinder der Künstlerin konnte die 43-Jährige über weite Strecken ihres Gastspiels in der Kassette nicht kompensieren. Erst ganz am Ende blitzten ihre Qualitäten auf.
Christopher Leigh McLaughlin
Julie Doiron macht Musik an der Schnittstelle von ambitioniertem Indierock und zeitgeistigem Folk-Pop, der man zuhören, auf die man sich einlassen muss - und genau das fiel aufgrund der erwähnten Umstände an diesem stickig heißen Donnerstagabend zumeist sehr schwer. Doch nicht nur mit ihren auf Platte herrlich sperrigen und live oft einfach nur sperrigen Songs aus einem Dutzend Soloplatten legte sich die Dame an der elektrischen Gitarre an diesem Abend bisweilen selbst Steine in den Weg. Auch die Zwiegespräche mit ihrem Lebensgefährten Christopher Leigh McLaughlin, der an der zweiten Stromgitarre für effektbeladene Atmosphäre sorgte, verpufften in der Kassette erstaunlich wirkungslos. Anstatt ihre Geschichten zwischen den Songs ans Publikum zu adressieren, erzählten sich die zwei des Öfteren einander zugewandt und etwas unbeholfen gegenseitig die Ereignisse der bisherigen Tournee - leider ohne echte Highlights oder Pointen. Der Tiefpunkt war eine mehrminütige Diskussion, wer nun wem die Koffer öfter nachträgt, ein Wettstreit, der keinen Gewinner haben konnte. Das merkten die zwei irgendwann wohl auch selbst. Jedenfalls wunderte es Doiron überhaupt nicht, dass es vor der Bühne mit jedem Song leerer wurde.
Julie Doiron
Doch es gab auch Lichtblicke. Gut wurde das Konzert allerdings erst, als es praktisch schon vorbei war. Für die erfreulich lange Zugabe entband Doiron ihren Beau nämlich von seinen Aufgaben ("Ich reiß mir jetzt sofort alle Kleider vom Leib", waren seine letzten Worte, die eine weitere eher unnötige Anekdote, dieses Mal zum Thema Nacktbaden, anstießen). Die letzten 25 Minuten des Auftritts bestritt die Kanadierin dann allein - und mit Publikumswünschen. Dabei begeisterte sie zuerst mit einer umgekrempelten, ungemein intensiven Version von "The Songwriter", begab sich dann mit dem traurigen Walzer "Me And My Friend" auf Folk-Spurensuche, thematisierte mit "Elevator Show" ihren Abschied von ihrer alten Band, den Noise-Pop-Helden Eric's Trip Mitte der 90er, kramte mit "The Life Of Dreams" eine ihrer eingängigsten Nummern hervor, zauberte mit "Dance Music" eine letzte richtig druckvolle Nummer aus dem Hut und sorgte mit einem wackeligen, aber dafür auch lange nicht mehr gespielten "The Sweetest Eyes" für einen auch textlich versöhnlichen Ausklang. Dabei offenbarte sie eine Leichtigkeit, die man während der ersten 60 Minuten der Show allenfalls erahnen konnte.

Am Ende fragte man sich ein wenig, warum nicht das ganze Konzert so gelaufen war, und freut sich trotz der unter dem Strich eher durchwachsenen Vorstellung dennoch auf weitere Auftritte Doirons im Herbst - bei angenehmeren Temperaturen, in einem echten Konzertsaal und durchaus gerne auch mit Eintritt.

Surfempfehlung:
juliedoiron.ca
www.facebook.com/juliedoironmusic
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twitter.com/juliedoiron
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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