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Konzert-Bericht
 
Blues, hier und jetzt

Ryan Lee Crosby

Düsseldorf, Sprachtherapeutische Juchems/Berg
04.10.2015

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Ryan Lee Crosby
Wann immer es in Düsseldorf Konzerte mit kleinen großen Künstlern in ungewöhnlichen Locations gibt, steckt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Initiative Lama-Musik e.V. dahinter, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, gute Musik abseits des Kommerzes in die Landeshauptstadt zu bringen. Im Frühjahr gab es unter anderem Auftritte von Binoculars und Rachel Sermanni, im Herbst stehen noch Konzerte mit Colin Wilkie und Kristina Jung, Simon Wahl und Tom Liwa an. Den Auftakt in der Herbstoffensive machte allerdings der amerikanische Blues-Gentleman Ryan Lee Crosby, der mit seinem aktuellen Album "Busker On The Broad Highway" im Gepäck Anfang Oktober seine zweiwöchige Deutschland-Tournee mit einem Sonntagnachmittag-Konzert startete - in den Räumen einer Sprachtherapeutischen Praxis im Düsseldorfer Stadtteil Lierenfeld!
Zugegeben, auf dem Papier mag diese Kombination etwas seltsam anmuten, ein sehr schöner Auftritt wurde es aber dennoch. Einmal mehr konnte der schüchterne Singer/Songwriter im wahrsten Sinne des Wortes spielend beweisen, dass man nicht alt und grau sein, in den US-Südstaaten leben und am besten noch wie der Tod auf Urlaub aussehen muss, um authentisch den Blues spielen zu können. Crosby ist jung, nennt Boston, Massachusetts, sein Zuhause, sieht aus wie aus dem Ei gepellt, und dennoch klingen unter seinen Fingern selbst Coverversionen von fast 100 Jahre alten Liedern wie Songs aus der Jetztzeit, und das bunt gemischte Publikum zwischen Kindergarten und wohlverdientem Ruhestand sorgte dafür, dass die üblichen Vorurteile über das angebliche Altherren-Genre an diesem Nachmittag überhaupt nicht zogen.
Dabei begeisterte Crosby nicht nur mit seinem großartigem Gitarrenspiel, egal ob er ein akustisches, ein sechs- oder zwölfsaitiges Instrument in Händen hielt. Weil die wenigsten im Publikum echte Blues-Aficionados waren, wurde der einstündige Auftritt auch gleich noch zu einer Nachhilfestunde zum Thema Südstaatenmusik. Da erklärte Crosby - wie immer fast ohne Blickkontakt zum Publikum und dennoch nicht ohne Charme - die besondere Saiten-Stimmung der Songs aus dem Blues-Mekka Bentonia erzählte die tragische Geschichte von Robert Johnson, der angeblich einst dem Teufel an der Kreuzung von Highway 49 und Highway 61 seine Seele verkaufte und daraufhin zwar zum Star, aber mit nur 27 auch zum Opfer eines Giftmordes wurde, dozierte über Skip James, einen der modernen Urväter des Genres, und erklärte ausgiebig die Verbindung zwischen seinem "Winter Hill Blues" und dem neuen Johnny-Depp-Streifen "Black Mass", in dem es um die berüchtigte Winter-Hill-Verbrecherbande aus Boston geht.
So hauchte er Songs wie seiner pfiffigen Version von Howlin' Wolfs "Smokestack Lightning", Robert Johnsons "Traveling Riverside Blues" (mit rasantem Bottleneck-Spiel), aber auch seinen eigenen Großtaten wie dem mitreißenden "Institution Blues" (samt frenetisch mitgestampftem Beat) gleich doppelt neues Leben ein und sorgte dafür, dass der Auftritt vor allem eines unterstrich: Obwohl oft totgesagt - der Blues kommt nie aus der Mode.

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Surfempfehlung:
www.ryanleecrosby.com
www.facebook.com/ryanleecrosbymusic
ryanleecrosby.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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