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Konzert-Bericht
 
Eisenbahn-Romantik

Mark Olson

Recklinghausen, Räuber & Rebellen
17.02.2016

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Mark Olson
Mark Olson mag Züge. Selbst auf der Reunion-Tournee für vor Jahren mit seiner alten Band, der Alt-Country-Institution The Jayhawks, wollte der 53-jährige Amerikaner nicht zusammen mit seinen Mitstreitern im Sprinter über die Autobahnen jagen, sondern zog es vor, gemeinsam mit seiner norwegischen Ehefrau und musikalischen Partnerin Ingunn Ringvold auf der Schiene zu reisen. Kein Wunder also, dass er an diesem nasskalten Februarabend gerne in Recklinghausen ist: Der Räuber & Rebellen-Club befindet sich nämlich direkt im Hauptbahnhof der Ruhrfestspielstadt. Die problemlose Anreise ist allerdings nicht das Einzige, was Olson an Venues in Gleisnähe reizt: "Wenn's nicht gut läuft, ist man auch schnell wieder weg", erklärt er mit einem Lachen. An diesem Abend gibt es allerdings überhaupt keinen Grund, vorzeitig die Flucht zu ergreifen. Ein durchaus gut gefüllter Club, nette Gastgeber und ein aufmerksam zuhörendes Publikum sorgen für prima Rahmenbedingungen für das, was Olson und Ringvold an diesem Abend auf die Bühne bringen wollen: Folk-Musik in allen erdenklichen Schattierungen.
Eines fällt schon früh auf: Das Chaos-Element, das bei Olsons früheren Creekdippers-Auftritten mit seiner ersten Ehefrau Victoria Williams allgegenwärtig war, ist inzwischen verschwunden. Das beraubt die Zuschauer sicherlich einiger spontaner magischer Momente, erspart ihnen aber auch ebenso spontane Zusammenbrüche. In Recklinghausen präsentieren sich Olson und Ringvold als bestens eingespieltes Team, das zwischen den Songs oft nur einen kurzen Blickkontakt als Absprache für den nächsten Song benötigt, denn eine schriftliche Setlist gibt es nicht. Das Hauptaugenmerk legen die zwei natürlich auf die Songs ihres aktuellen Werks "Good-bye Lizelle", doch das bietet genügend Abwechslung, um nie Langeweile aufkommen zu lassen.

Mit leichter Hand mischen Olson und Ringvold harmonieverliebten Westcoast-Folk mit Crosby, Stills & Nash-Einschlag ("Heaven's Shelter"), eine perfekte Emulation der Summer of Love-Psychedelia ("Lizelle Djan") und exotische Ausreißer wie "Running Circles", das allein schon rein instrumentell eine Brücke vom Kaukasus nach Afrika schlägt, bedienen sich die zwei für die Nummer doch eines armenischen Kanuns, einer Art Zither aus Aprikosenholz, und einer Djembe, einer afrikanischen Handtrommel. Aber auch sonst werden die Instrumente zwischen den Liedern fliegend gewechselt: Gitarre, Piano, Dulcimer und diverse Percussions ergänzen das exotische Handwerkszeug.

Die "Good-bye Lizelle"-Nummern bleiben die einzigen Rückgriffe auf Olsons Solowerk, und auch die Lieder der Creekdippers-Zeit zuvor bleiben die Ausnahme. Dafür gibt es - und das ist durchaus eine kleine Überraschung - gleich ein halbes Dutzend Jayhawks-Nummern zu hören, alte ("Will I Be Married?", "Two Angels") genauso wie neuere ("Black-Eyed Susan"), und mit "Blue" ist sogar ein wachechter Hit darunter. Die auf das Duo-Format heruntergebrochenen Lieder zeigen auf, worum es den beiden heute geht: einen betont naturbelassenen Sound zwischen Gefühl und Kontemplation, der an alte Traditionen anknüpft, ohne hip sein zu wollen. Das Publikum in den besten Jahren ist darüber sichtlich erfreut.

Mit der letzten Zugabe, "Clifton Bridge", schlagen Olson und Ringvold dann ein letztes Mal eine Brücke zwischen sanfter Melancholie und positiver Lebenseinstellung und versprechen, ab sofort für Recklinghausen kräftig Werbung machen zu wollen. "Ich kenne nicht mehr viele Leute in den guten alten Vereinigten Staaten, weil ich mit meiner Frau in einer kleinen Hütte im Death Valley wohne, aber wenn ich jemanden sehe, werde ich sagen: Wenn ihr mit dem Zug fahrt, steigt auf jeden Fall in Recklinghausen aus, dort ist es wunderbar!", sagt Olson zum Abschied und lässt die Show dort enden, wo sie angefangen hat: am Bahnhof.

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Surfempfehlung:
markolsonmusic.com
www.facebook.com/markolsonmusic
de.wikipedia.org/wiki/Mark_Olson
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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