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John Howard And The Night Mail

Köln, King Georg
13.03.2016
John Howard And The Night Mail
Bei Tapete Records haben sie ein Händchen für die großen Pop-Gentlemen des Commonwealth: Dass neben Lloyd Cole und Robert Forster nun auch John Howard bei dem Hamburger Label gelandet ist, ergibt durchaus Sinn. In den 70ern mit einem einzigen Album zu Kult-Ehren gekommen, heimste der Engländer erst 30 Jahre später die Lorbeeren für sein Frühwerk ein - und legte letztes Jahr mit seiner neu formierten Band The Night Mail seine wohl schönste Platte vor. Wie schon auf dem Album liegen auch bei seinem Auftritt im Kölner King Georg der Sound der späten Beatles und der Geist des frühen Elton John wie ein unsichtbarer Schatten über seinem Tun. Dem handverlesenen Publikum gefällt das sehr gut.
John Howard And The Night Mail
Als er 1975 sein Album "Kid In A Big World" veröffentlichte, war John Howard ein großer Hoffnungsträger seines Labels CBS, doch der ganz große kommerzielle Wurf blieb dem Engländer verwehrt - die Zeit war selbst nach den ersten großen Erfolgen von David Bowie und Elton John einfach noch nicht reif für einen offen homosexuellen Popstar. Also verschwand Howard in der Versenkung, fand später mit seinem Ehemann in Spanien ein neues Zuhause und hat nun eine Menge persönlich gefärbter Geschichten zu erzählen aus der Zeit, als er mit späteren Stars wie Art Of Noise oder Buggles-Erfinder Trevor Horn zusammenarbeitete und am Ende doch mit leeren Händen dastand. Damit unterhält er in Köln bisweilen fast besser als mit seinen Songs, denn obwohl seine drei Begleiter mit viel Verve bei der Sache sind und sich in ihre schönsten Vintage-Anzüge geworfen haben, wirkt die Performance des 62-Jährigen bisweilen ein wenig steif, wenn er mit wehender Mähne und vorn auf der Nasenspitze sitzender Brille am Klavier seine Lieder vom Blatt spielt.
John Howard And The Night Mail
Dabei sind die Songs - fast allesamt von der aktuellen "Night Mail"-Platte, erst ganz am Ende geht es mit dem ursprünglich für Tina Charles gedachten "I Can Breathe Again" zurück in die 70er - natürlich über jeden Zweifel erhaben. Wie einst der großartige Ed Ball (The Times, TV Personalities) badet Howard gerne in Spät-60er-Pop-Harmonie, zollt bei "In The Light Of Fires Burning" seinen Helden Joe Meek, Gerry Goffin, Carole King und Neil Sedaka Tribut, offenbart mit "Intact & Smiling" ein Soul-Faible und kann bei "Deborah Fletcher" seine Stärken als cleverer, augenzwinkernder Texter voll ausspielen. Bei der Zugabe wird es sogar noch richtig melancholisch, als er ganz allein am Klavier und mit viel Pathos "The Time Of Day" spielt, das - typisch Howard'scher Humor - nicht von seinem 50., sondern von seinem 51. Geburtstag inspiriert wurde. Dass viele der Songs an diesem Nachmittag seltsam vertraut klingen, unterstreicht lediglich, dass Howards Lieder trotz der langen Pause vom Rampenlicht auch heute immer noch vor allem eines sind: zeitlos eingängig.
Surfempfehlung:
www.kidinabigworld.co.uk
www.facebook.com/johnhowardsongs
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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