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Konzert-Bericht
 
Harmonische Perfektion

Sarah And Julian
Andreas Kretschmer

Münster, Pension Schmidt
20.03.2016

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Sarah And Julian
Federn schmücken ihre Mikrofonständer und ihren Merch-Tisch, federleicht sind auch ihre Songs. Keine Frage, Sarah And Julian haben mit ihrem LP-Debüt "Birthmarks" ein Indie-Folk-Kleinod mit viel Pop-Appeal abgeliefert, wie man es in hiesigen Breiten nur selten zu hören bekommt. Einschmeichelnde Melodien, die trotzdem ohne Klischees auskommen, schlanke Arrangements mit Piano, (Akustik-)Gitarre, Bass und Schlagzeug und tolle Gesangsharmonien - woran andere sich die Zähne ausbeißen, das klingt bei dem inzwischen in Hamburg heimischen Indie-Folk-Duo mit amerikanischen Wurzeln, das auf der Bühne ein Quartett ist, ganz einfach. So war es auch beim hinreißenden Auftritt in der Münsteraner Pension Schmidt.
Es ist kein Konzert wie jedes andere für die Geschwister, sondern eine echte Premiere: An diesem Abend beenden sie ihre allererste Tournee als Headliner, nachdem sie sich in der Vergangenheit stets als Anheizer für Acts wie Tocotronic, Enno Bunger, I Am Kloot oder Gisbert zu Knyphausen verdingt haben. Dass man in der Pension Schmidt trotzdem kaum einen freien Sitz findet, zeigt allerdings, dass Sarah And Julian "angekommen" sind. Apropos freie Sitze: Eine weitere Premiere ist, dass die Band den Soundcheck vor den Augen und Ohren des nachmittäglichen Café-Publikums machen muss, doch auch das kriegen sie ganz lässig hin. Am Ende der Tonkontrolle lässt sich Julian breit grinsend sogar noch zu einem "Danke Münster, ihr wart großartig, bis zum nächsten Mal" hinreißen. Humor haben sie also auch noch!

Humorvolle Ansagen hat auch Support Andreas Kretschmer parat, der von haarsträubenden WG-Auftritten in Erfurt, unsichtbaren Bassisten und marketingtechnisch ungünstigen Namen auf Flyern erzählt, seine nur mit Akustikgitarre (und manchmal auch zusätzlich mit Bob Dylan-Gedächtnis-Mundharmonika) vorgetragenen Songs dagegen sind bisweilen ein bisschen zu ernsthaft. So erfährt das Publikum zwar eine Menge Details aus seinem Leben, allerdings wünscht man sich bisweilen mehr poetisches Charisma als nur die ungeschminkte Wahrheit.

Als wir Sarah And Julians Erstling "Birthmarks" vor Kurzem an dieser Stelle zur Platte der Woche kürten, lobte der Kollege Ullrich Maurer die "Sammlung wunderhübscher, melancholischer Folkpop-Songs" und zeigte sich begeistert von dem "perfekten Beispiel in Sachen Sibling-Harmony". Letzteres ist auch beim Auftritt in Münster das große Highlight - und das nicht nur gesanglich. Denn genauso mühelos, wie die zwei stimmlich harmonieren, werfen sie sich auch bei den Ansagen zwischen den Songs die Bälle zu, wenn sie herrlich ungezwungen die Inspirationen ihrer Songs ausplaudern, ganz egal, ob es um französische Brieffreunde, unvergessliches "Unnützes Wissen" aus der Neon, eine Hommage an ihr altes Heimatstädtchen Waldaschaff oder Meret Beckers Einsatz an der singenden Säge bei "Monster" geht.

Musikalisch steht zwar bei wunderbaren Nummern wie "Like A Letter" oft die sanfte Folk-Seite des Duos mit acht Fäusten im Vordergrund, immer wieder gibt es aber auch Passagen, in denen aufbrausende Bandparts die stille Melancholie von Akustikgitarre und Piano aufbrechen, etwa am Ende von "Birds Of A Feather". Schließlich haben Sarah And Julian nicht nur klassische Songwriter-Tugenden perfekt verinnerlicht - sie haben auch ein unverhohlenes Faible für (indie-)poppige Eingängigkeit, wenn sie beim "schlimmen" Ohrwurm "Elephants" The Beautiful South zu Glanzzeiten zitieren oder mit "Mayflies" einen Hit im Programm haben, den sicher auch eine Band wie die Shout Out Louds mit Kusshand nehmen würden.

Ihre Vielseitigkeit beweisen die Geschwister auch mit ihrer letzten regulären Nummer, "Slow", als sie sich erst an der Trommel duellieren, bevor sie am Ende, als sei es das Natürlichste der Welt, auch noch ihre Instrumente tauschen. Vor der letzten Zugabe, "Yesterday I Thought", bedankt sich Julian dann strahlend bei den Zuschauern: "Toll, dass ihr alle da wart - wir sind echt happy". Der lang anhaltende Applaus am Ende beweist: Das Publikum ist es nach diesem großartigen Auftritt auch!

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Surfempfehlung:
www.sarahandjulian.com
www.facebook.com/sarahandjulian
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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