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Konzert-Bericht
 
Folk im Rückspiegel

Damien Jurado And The Heavy Light
The Weather Station

Köln, Stadtgarten
28.04.2016

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Damien Juardo
Mit seiner wunderbaren Trilogie "Maraqopa", "Brothers And Sisters Of The Eternal Son" und "Visions Of Us On The Land" hat Damien Jurado in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen, wie man dem altehrwürdigen Genre-Folk auch heute noch mit Leichtigkeit neue Seiten abgewinnen kann, wenn man nur genug Fantasie und keine Scheu davor hat, die breit gefächerten eigenen Einflüsse als Inspirationsquelle für etwas Neues zu nutzen. Auf seiner von Gaesteliste.de präsentierten Tournee brachte der kauzige Singer/Songwriter aus Seattle nun seine stets alt, aber nie altbacken klingenden Songs erstmals auch mit kompletter Band auf die Bühne und konnte damit im gut gefüllten Kölner Stadtgarten restlos begeistern.
Grund zur Freude gab es für das Publikum aber schon vorab. Schließlich bestritt keine Geringere als Tamara Lindeman alias The Weather Station das Vorprogramm. Die 31-jährige Kanadierin hat mit "Loyalty" eine der schönsten Platten des letzten Jahres veröffentlicht und dabei - ganz ähnlich wie Jurado - neue, zeitgemäße Wege gefunden, mit ihren Folk-Wurzeln umzugehen. Ihre Roadsongs sind feinfühlig und zart, gleichzeitig aber auch ungemein präzise und komplex, trotzdem brauchte sie nicht mehr als ihre betörende Stimme, eine halbakustische Gitarre für ihr Fingerpicking und einen Drummer, der sein Instrument zumeist mit Samthandschuhen spielt, um mit viel Understatement das Echo längst vergangener Laurel-Canyon-Zeiten heraufzubeschwören. Dabei ist bei ihrem hinreißenden 30-Minuten-Auftritt jeder Ton, jedes Wort wohlüberlegt, die Arrangements sind schlank, aber deshalb nicht ohne Raffinesse. Charismatisch sind allerdings nicht nur Lindemans Lieder. Zwischen ihren Songs beweist die Dame aus Toronto, dass sie bei aller musikalischen Ernsthaftigkeit auf den Spuren Joni Mitchells auch noch Humor besitzt. "Das nächste Lied handelt davon, wie ich vor einigen Jahren aus dem Haus ging, an der Ecke eine Freundin auf einen Kaffee traf und wir uns unterhalten haben. Das ist schon die ganze Geschichte!", verrät sie augenzwinkernd vor "Shy Women" und nimmt damit die ausufernden Ansagen vieler anderer klassischer Folkies aufs Korn. Dass sie mehr interessiert als nur alte Folk-Traditionen, ist da allerdings schon längst klar.
Auch Damien Jurado ist einer, der Folkmusik heute bestenfalls noch im Rückspiegel betrachtet. Vielmehr ist er heute von Psychedelic Rock, afrikanischer Weltmusik und waberndem Krautrock inspiriert, und es ist wohl auch kein Zufall, dass er neben seiner Freundin und seinem Schöpfer auch noch zwei Jazz-Giganten auf seiner Gitarre verewigt hat: "Coltrane - Miles - Lindsay - Jesus" steht da mit Edding geschrieben. Umringt von seinen Mitstreitern an Stromgitarre, Schlagzeug, Bass und Keyboards versucht der 43-Jährige erst gar nicht, die kleinteiligen Mosaikstücke seiner letzten Studioproduktionen 1:1 auf der Bühne zu reproduzieren, dennoch gelingt es ihm bravourös, den Geist der detailverliebten Produktion mit viel Hall und vielen Effekten auch im Stadtgarten lebendig werden zu lassen. Überhaupt findet Jurado sichtlich Gefallen daran, sich auf eine Art in seiner Musik fallen zu lassen, wie ihm das bei seinen Soloauftritten nicht möglich ist. "TAQOMA", auf dem neuen Album keine vier Minuten lang, wächst sich in Köln zu einem rund achtminütigen Orkan aus, der in allen erdenklichen psychedelischen Farben schillert, bevor die Band beim herzerweichenden "Working Titles" ihre Flexibilität unter Beweis stellt und sich auf ganz leisen Sohlen verabschiedet.

Dass seine Songs diese überbordende Opulenz aber eigentlich gar nicht nötig haben, unterstreicht Damien bei der Zugabe, die er allein bestreitet. Wenn er, allen voran beim fantastischen "Kola", fast schon gedankenversunken auf seinem Klappstuhl sitzt, nicht mehr als die Akustikgitarre auf dem Schoß und ganz, ganz viel Hall auf der Stimme, dann schrumpft der Stadtgarten plötzlich auf Wohnzimmergröße zusammen. Totenstill ist es in diesen Momenten im Publikum, so sehr fesselt Jurado sein Publikum mit der Intimität und Verletzlichkeit seiner Songs. Ganz uncharakteristisch erfüllt er nach einem seiner "gefürchteten" Zehn-Minuten-Monologe ganz am Ende des Konzerts mit dem hinreißenden "Museum Of Flight" sogar noch einen spontanen Zuschauerwunsch. Es ist das i-Tüpfelchen eines wirklich perfekten Konzertabends.

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Surfempfehlung:
www.damienjurado.com
www.facebook.com/jurado.damien
the-weather-station.com
www.facebook.com/TheWeatherStn
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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