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Zurück zu den Wurzeln

Damien Jurado

Wiesbaden, Kesselhaus im Schlachthof
18.07.2016

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Damien Jurado
Damien Jurado ist nicht zufrieden mit sich. "Das nächste Mal komm ich zu Anfang der Tour bei euch vorbei und nicht am Ende, wenn ich völlig müde und ausgebrannt bin", ruft er dem Publikum im Kesselhaus des Wiesbadener Schlachthofs zu. "Während des letzten Liedes habe ich darüber nachgedacht, wie ich die noch ausstehenden drei Konzerte der Tournee durchstehen soll, ganz ehrlich, ich weiß es nicht!" Allerdings ist das erste Gastspiel des amerikanischen Indie-Folk-Heroen in der hessischen Landeshauptstadt dennoch beeindruckend. Das liegt nicht zuletzt an seinen beiden Mitstreitern, die seine Tour-Blues-bedingten Fehler mit stoischer Ruhe (und viel Können) ausbügeln. Als der 43-Jährige "Working Titles" versehentlich ohne Capo in einer völlig falschen Tonart spielt ("Das ist mir erst bei der letzten Strophe aufgefallen", gesteht er danach zerknirscht), brauchen Josh Gordon und Heather Woods Broderick nur ein paar Sekunden und schon spielen alle drei das Stück in der neuen Tonlage, als sei das von Anfang an so gewollt gewesen.
Überhaupt tragen die beiden viel zum Gelingen des Abends bei. Ob Gordons unauffällig-effektiver Begleitung an der 12-Saitigen und Brodericks engelsgleichem Gesang merkt man oft gar nicht, dass die auf den Platten so herrlich üppig instrumentierten Arrangements an diesem Abend für die Trio-Besetzung mit zwei Akustikgitarren, Keyboard und vereinzelten Percussions deutlich eingedampft sind. Getragen von Jurados wie gewohnt in viel Hall getauchter Stimme und seinem Talent als manchmal etwas verschrobener, aber dennoch stets begnadeter Geschichtenerzähler leben seine Lieder in Wiesbaden ganz von ihrer Atmosphäre und Intimität. Bisweilen klingen diese Versionen sogar besser als die auf die auf den umwerfenden Platten - und unterstreichen so nur Jurados außergewöhnliche Fähigkeiten als Songwriter. Im Zentrum stehen dabei wie schon auf der mit großer Band absolvierten Frühjahrstournee die Songs der psychedelisch umwehten Album-Trilogie, die 2012 mit "Maraqopa" begann, zwei Jahre später mit "Brothers And Sisters Of The Eternal Son" fortgeführt wurde und nun dieses Jahr mit "Visions Of Us On The Land" ihren Abschluss fand. Nur einmal geht es weiter zurück: Mit seinem inzwischen nur noch selten gespielten Meisterwerk "Ohio" aus dem Album "Rehearsals For Departure" von 1999 räumt Jurado seinen größten heimlichen Hit gleich zu Beginn des Konzertes aus dem Weg. Dann stürzt er sich ganz in den aktuellen Songzyklus, singt Lieder über Idealismus und bessere Zeiten, beleuchtet die aktuelle Misere und macht sich auf die Suche nach einer besseren Zukunft. Die größtenteils entspannt auf dem Fußboden vor der Bühne sitzenden Zuschauer hören gebannt zu.
Nach einer oft ergreifend schönen Stunde verlassen Gordon und Broderick die Bühne und Jurado bestreitet das letzte Drittel des Auftritts allein. Doch nicht nur deshalb geht es gewissermaßen zurück zu den Wurzeln. Kurz vor Schluss setzt er noch zu einem seiner berühmten Monologe an ("Um ehrlich zu sein, ich brauch eine Pause zum Verschnaufen", gibt er mit einem Lachen unumwunden zu) und sorgt dann für ungläubiges Staunen im Publikum, als er verrät, dass er die ersten sieben Jahre seines Lebens hier in "good old Wiesbaden" verbracht hat. "Als ich sieben war, sind wir dann zurück in die Staaten und meine Eltern haben gesagt: 'So, kein Deutsch mehr, jetzt musst du nur noch Englisch sprechen.' Deshalb habe ich die Sprache leider komplett vergessen, vor allem, weil es in unserer Kleinstadt namens Surprise, Arizona, niemanden gab, mit dem ich Deutsch hätte sprechen können. Heute leben dort 50.000 Menschen, aber damals gab es nur ein Postamt, ein Lädchen und ein Dutzend Wohnwagen, das war schon alles!" Nach der Reise zu den eigenen Wurzeln ist er dann plötzlich so gelöst, dass er noch mit den Zuschauern herumalbert und verspricht, nach der Show Autogramme zu geben, und statt des geplanten einzigen Zugabensongs gibt es dann sogar doch noch zwei. Auf eine ganz besonders emotionale Version von "Museum Of Flight" folgt ganz am Ende das bewegende "Kola". "I will remember you" singt Jurado mit einem fast unmerklichen Schluchzen in der Stimme und beendet so ein Konzert, das bei vielen im Publikum noch lange positiv nachhallen wird.

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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