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Konzert-Bericht
 
Ungebrochene Strahlkraft

Patti Smith

Essen, Lichtburg
10.08.2016
Partti Smith
Eines ist sicher: Auch mit knapp 70 Jahren hat Patti Smith nichts von der Leidenschaft verloren, die sie in den 70ern zu einer der wegweisenden Künstlerinnen für die aufkeimende Punk-Bewegung machte. Dennoch erleben wir an diesem Abend eine andere Patti Smith als die, die letztes Jahr mit ungebrochener Inbrunst ihr bahnbrechendes 1975-Debüt "Horses" komplett auf die Bühne des Kölner Tanzbrunnen gebracht hatte. In Essen hält sich ihre dreiköpfige Band hörbar zurück, alles ist konzentriert auf die unverminderte Strahlkraft der Protagonistin und ihrer kaum gealterten Stimme.
Punkrock hätte allerdings auch nicht zu den roten Plüschsesseln im wunderschönen Saal der altehrwürdigen Lichtburg gepasst. Stattdessen gibt sich die amerikanische Rock-Poetin zwischen den Songs ungekünstelt, bescheiden, ja, bisweilen fast schüchtern - und ganz als Familienmensch. Anstelle ihres langjährigen musikalischen Begleiters Lenny Kaye spielt an diesem Abend Smiths Sohn Jackson die Gitarre - und auch ihr 1994 verstorbener Mann Fred "Sonic" Smith ist allgegenwärtig. Gleich zwei Lieder widmet sie ihm in Essen: Früh am Abend steht ihr Liebesbekenntnis "Frederick" auf dem Programm und vor "Because The Night" sagt sie hörbar emotional: "Romeo hatte seine Julia, Tristan seine Isolde und ich hatte meinen Fred." Mit "Summer Cannibals" spielt sie zudem einen der letzten gemeinsam mit ihrem Mann geschriebenen Songs.

Auch sonst gedenkt sie ihrer verstorbenen Lieben und Idolen: Gleich zu Beginn rezitiert sie mit dem Schwung einer Rapperin Allen Ginsbergs "Footnote To Howl", ein dramatisches "Birdland" ist Charlie Parker gewidmet, "This Is The Girl" handelt von Amy Winehouse, mit "When Doves Cry" covert sie sogar Prince und bei der Zugabe zollt sie Lou Reed mit "Perfect Day" Tribut. Dazwischen singt sie eigene Klassiker wie das relaxt groovende "Dancing Barefoot", das ergreifende "Ghost Dance", das mitreißende "Pissing In A River" oder das aufrührerische "People Have The Power" mit der gleichen Überzeugung wie am ersten Tag. Dass einige dieser Songs ganz ohne Gitarre auskommen - wenn Bassist Tony Shanahan ans Keyboard wechselt, übernimmt Smiths Sohn zumeist den Bass -, fällt gar nicht weiter auf. Die Songs haben trotzdem den altbekannten Drive, wenngleich gerade das nuancierte Schlagzeugspiel von Seb Roachford - der einzige Musiker auf der Bühne, der nicht schon seit Jahren zu Smiths musikalischen Begleitern zählt - Garant dafür ist, dass die entschlackten Fassungen einen Tick moderner klingen als die nah an den Originalen orientierten Versionen, die Patti sonst mit ihrer regulären Band auf die Bühne bringt.

Doch auch wenn wir über weite Strecken der 95 Minuten eine betont entspannte Patti Smith erleben, die des Öfteren den Dialog mit dem Publikum sucht und sich am Ende dafür entschuldigt, dass sie gleich mehrere Anläufe braucht, bis sie auf Zuruf "Life" korrekt nicht mit "Lieben", sondern mit "Leben" übersetzen kann - spätestens bei der allerletzten Nummer ist sie doch wieder ganz die Alte, wenn sie sich mit voller Wucht in "Gloria" stürzt, bis es auch die Letzten im Saal nicht mehr in den Polstersesseln hält. Die einen sagen, Smith sei in Würde gealtert, die anderen dagegen glauben, sie sei für immer jung.
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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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