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Konzert-Bericht
 
Kratzbürstig und cool

Margaret Glaspy

Rees-Haldern, Haldern Pop Bar
30.08.2016

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Nein, leicht macht es Margaret Glaspy ihrem Publikum nicht unbedingt. Wo sich andere junge Künstlerinnen derzeit gerne dem Diktat der Masse unterordnen und sich pflegeleicht in gängige Schubladen einsortieren lassen, geht die Amerikanerin lieber ihren eigenen Weg. Mit expressiver Stimme, Kieksen und Röhren inklusive, und virtuosem, aber stets unkonventionellem Gitarrenspiel polarisiert die junge Amerikanerin bei ihrem Auftritt in der Haldern Pop Bar durchaus. Die einen sind hellauf begeistert ob der schwer in Worte zu fassenden Melange aus Indierock, Blues und Avantgarde, in der unzählige Inspirationsquellen widerhallen, ohne dass es zu offensichtlich wird, die anderen ergreifen ob der zugegebenermaßen bisweilen ziemlich abenteuerlichen Mischung aus Sehnsucht, Kratzbürstigkeit und Coolness die Flucht.
Besonders wird das Konzert nicht zuletzt dadurch, dass die 27-jährige Kalifornierin gar nicht erst versucht, den Versionen ihrer Songs von ihrem intensiven Debüt "Emotions And Math" live nahezukommen, sondern sich samt ihren famosen Mitstreitern Tim Kuhl am Schlagzeug und Chris Morrissey am Bass mit sichtbar viel Spaß und einer fast schon kindlicher Neugier in raue, unpolierte und spartanische Bühnen-Arrangements ihrer Lieder zwischen Storytelling und ungeschminkter Selbstanalyse stürzt, die viel Raum für Improvisationen bieten und bei denen auch mal etwas schiefgehen darf. Das Im-Moment-Leben-und-Spielen ist Glaspy und den Ihren offenbar wichtiger als reiner Schönklang. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer spannenden und äußerst kurzweiligen Performance belohnt, die durchaus noch länger hätte sein können. Denn obwohl Glaspy bislang nur ein Album veröffentlicht hat, reicht die knappe Stunde Auftrittszeit bis zur Curfew nicht, um ihr gesamtes Programm unterzubringen - wenige Tage zuvor in Bremen hatte sie locker 80 Minuten auf der Bühne gestanden.
Abseits der LP-Songs gibt es mit "You're Smilin' (And I Don't Believe You)" den heimlichen Hit aus ihrer ersten EP zu hören und gleich eine ganze Reihe kuriose Coverversionen wie eine herrlich eigensinnige Version von Björks "Who Is It" und ganz am Ende als Solo-Zugabe sogar noch Lauryn Hills "Ex-Factor", bei dem Glaspy bezeichnenderweise ihrer Heldin Joni Mitchell näher kommt als mit ihren eigenen (Indie-)Folk-Songs. Dass ausgerechnet ihre Version des Lucinda-Williams-Songs "Fruits Of My Labor", eigentlich ihrem musikalischen Kosmos am nächsten, ein wenig abfällt, unterstreicht letztlich nur, wie ungewöhnlich Margaret Glaspy ist.

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Surfempfehlung:
margaretglaspy.com
facebook.com/mglaspymusic
en.wikipedia.org/wiki/Margaret_Glaspy
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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