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Konzert-Bericht
 
Bezaubernde Emotionalität

Saint Sister

Rees-Haldern, Haldern Pop Bar
27.09.2016

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Saint Sister
Dass uns an diesem Abend kein gewöhnliches Indie-Folk-Konzert erwartet, verrät bereits ein Blick auf die Bühne: Statt Gitarren, Bass, Klavier oder Schlagzeug stehen dort nur ein kleiner Korg Synthesizer, ein Sampler für ein paar Beats aus der Konserve und eine Harfe, und genau mit diesem Instrumentarium nähern sich die beiden jungen Irinnen Morgan MacIntyre und Gemma Doherty dem Folk-Thema von einer ungewöhnlichen Seite. Wer dahinter nun eine findige Plattenfirma mit einem Masterplan im Hintergrund vermutet oder ein Management, das in irgendwelchen Excel-Tabellen eine Marktlücke entdeckt hat, liegt allerdings falsch. "Ich kann einfach keine Gitarre spielen", erzählt uns Gemma lachend. "Die Harfe war dagegen mein erstes Instrument. Ich spiele sie, seit ich fünf war!"
"Atmosfolk" nennen die beiden Damen ihre zartbesaitete Musik selbst, bei der sie keltische Volksmusik-Tradition, 60er-Jahre-Folk und modernen elektronischen Pop verbinden und mit verspielten Synth-Sounds eine sanft-verträumte Ambient-Klanglandschaft für ihre feinen Gesangsharmonien mit viel Seele schaffen. Mehr als einmal muss man deshalb während des rund 50-minütigen Auftritts an This Mortal Coil und andere seelenverwandte Acts von 4AD Records denken, andere sahen in dem Duo bereits das Bindeglied zwischen Joni Mitchell und Enya. In ihren Lieder singen Saint Sister von verrückten Elfen ("Davon gibt es bei uns in Irland reichlich”, verrät Gemma lachend), verlorener Liebe, Albträumen und Einsamkeit, schaffen es aber immer, mit ihrer Musik den düsteren Schleier von ihren Texten zu nehmen. Dazu passt auch die einzige Coverversion des Abends, schließlich huldigen sie mit dem geschickt für ihre Welt reduzierten "Songs Of Love" einem der ganz großen Geschichtenerzähler der melancholischen irischen Popmusik, Neil Hannon von The Divine Comedy.
In Haldern spielen Saint Sister vor einem ergriffen lauschenden Publikum nicht nur die vier Songs ihrer bislang einzigen Veröffentlichung, der EP "Madrid", sondern auch noch ein halbes Dutzend neue Lieder, bei denen bisweilen Eingängigkeit und subtile Beats die bezaubernde Emotionalität ihrer Frühwerke ergänzen, ohne dass die besondere Atmosphäre des Sounds deshalb darunter zu leiden hätte. Leicht kann man sich deshalb vorstellen, dass aus vielen dieser Songs mit etwas weniger DIY und dem richtigen Produzenten waschechte Popsongs werden könnten - wenn die zwei das denn wollten. Am Ende dieses berührenden Konzerts bleibt das Gefühl, dass diesen beiden Damen in Zukunft alle Türen offenstehen.

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Surfempfehlung:
www.saintsisterband.com
facebook.com/Saint.Sister.band
saintsister.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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