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Gut wie nie

Samba

Essen, Grend/ Münster, Gleis 22
08.12.2001/ 12.12.2001
Samba
Samba schienen bisher immer eine der deutschen Bands zu sein, die alle mochten, aber nur wenige wirklich liebten. Sie waren charmant in genau dem Sinne des Wortes, das Sänger Knut Stenert überhaupt nicht mag: "Das Adjektiv 'charmant' fand ich immer schon ekelhaft, weil es immer dann benutzt wird, wenn etwas nicht so richtig geklappt hat. Für mich ist das gleichbedeutend mit harmlos oder unbedarft. Das scheint mir ein deutsches Phänomen zu sein, daß die Leute Rockmusiker wollen, die ihr Ziel nicht erreichen und deshalb ungemein sympathisch sind." Mit dem vierten Album der Münsteraner ("Komando") und vor allem mit der folgenden Tour änderte sich das nun ganz gewaltig.
Während sie sich auf dem - übrigens zum Großteil in den eigenen vier Wänden aufgenommenen - neuen Album noch tiefer in die inzwischen fast zum Markenzeichen gewordene intelligente Beschaulichkeit vertiefen, die seit dem zweiten Album "TBA" langsam aber sicher die lauten Hamburger-Schule-Avancen des Debüts "Zuckerkick" abgelöst hat, sind Samba auf der Bühne eine andere Band. Zu dritt, das heißt frei von irgendwelchen soundtechnischen Schnörkeln und ohne den zusätzlichen Mann an den sechs Saiten und am Keyboard, den sie früher öfters mit dabei hatten, konzentrieren sich die drei live inzwischen auf das Wesentliche: Gute Popmusik abzuliefern. Und dabei hilft die Triobesetzung ungemein, denn einer ganzen Reihe von Songs, die auf den Platten streckenweise zu behutsam angefaßt wurden, wird damit ein neues Leben schenkt, ohne gleich in das Klischee zu verfallen, live müsse alles nur härter, schneller und lauter sein. So wurde "Sie brauchen uns", ein Stück, das sich auf "Komando" nicht gerade als Lieblingsstück aufdrängt, gleich zu Beginn der Konzerte zu einem echten Highlight, das - vor allem durch Hirzels entspanntes Schlagzeugspiel - eine schüchterne, aber sehr, sehr angenehme Melange aus Mitträller-Pop, Rock-Groove und fast schon countryesker Glückseligkeit im Geiste von Neil Youngs "Harvest" war. Überhaupt war es überraschend, daß sich die neuen Stücke fast allesamt wie liebgewonnene Oldies anhörten. "Schein", "Nicht dabei" oder "Öffentlich" jedenfalls kamen mit einer unwirklichen Vertrautheit daher - weil sie ganz einfach wie typische Samba-Songs klingen. Was die Tatsache nur unterstreicht, daß die Münsteraner allerspätestens mit dieser Platte ihre eigene Nische für sich gefunden haben. Ganz davon überzeugt zu sein schien Knut allerdings nicht, als er sich in Münster artig beim Publikum für die Geduld bedankte, mit der es den neuen Stücken gelauscht hatte. Zur Belohnung gab es dann ein altbekanntes Duo, "Feuerwehr Pizzaservice" / "Satzkiller", mit dem Samba schon vor vier Jahren ihre Popambitionen eindrucksvoll unterstrichen hatten. Trotzdem war das Highlight des Konzerts wohl ausgerechnet ein neuer Song, "Fing Feuer", mit der seltsam-genialen Eingangszeile: "Plötzlich fing der Dealer vor mir Feuer, er glänzte wie ein rot-weiß gestreiftes Ungeheuer" ("Der Einstieg zu dem Song war eine Bravo-Bildgeschichte, in der es um einen bösen Ecstasy-Dealer geht, der das unbescholtene junge Techno-Pärchen mit bösen Pillen versorgt", hatte Knut Gaesteliste.de den Ursprung des Stück erklärt. "Dann kommt es zum Kampf, und plötzlich fängt der Dealer Feuer. Im Balken darüber stand: 'Der Dealer fing Feuer und schrie.' Den Satz fand ich super."). Irgendwie schien dieser Song - der live auch wesentlich weniger verspielt klang als auf dem Album - alles zu beinhalten, was Samba im Jahre 2001 ausmacht: Die Sensibilität für (englisch) geprägte Popmusik, der Hang zu hymnischen Refrains und ein Gespür für abgedrehte, scheinbar aus dem Zusammenhang gerissene Phrasen wie: "Das war wie Greenpeace - mutig, neu und machen". Interessant auch zu sehen, daß das Publikum mit der Band gewachsen bzw. erwachsen geworden ist. "Das Publikum ist jetzt älter und nicht mehr nur gekommen, um 'Das Licht' zu hören", bestätigte uns auch Bassist Götz Grommek. Will heißen: Besagtes Lied können die drei heute problemlos von der Setlist streichen, ohne nach dem Auftritt zwangsläufig in große, enttäuschte Teenageraugen blicken zu müssen. Trotzdem war in Essen noch mehr als beim "Heimspiel" in Münster die Glückseligkeit bei den alten Krachern à la "Hölle, ich bin ein Rebell", "Zuckerkick", Trios "Kummer" oder "Route 66" (das wiederum Vergleiche mit Neil Young, dieses Mal allerdings in seiner elektrischen Phase, herausforderte) am größten. Was nicht unbedingt gegen das Publikum, sondern vielmehr für die Konstanz der Band spricht. Und die konnte auf dieser Tournee wirklich restlos überzeugen. Wenn sie diese Liveshows jetzt auch noch genauso im Studio umsetzen könnten, wären sie wohl in Kürze jedermanns Lieblingsband.
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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