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Konzert-Bericht
 
Läßt sein Licht scheinen

Tilman Rossmy Quartett

Köln, MTC
06.01.2002
Tilman Rossmy
"Irgendwann landet man immer wieder im MTC. Schön zu wissen, daß es ein paar Konstanten gibt", begrüßte Tilman sein Publikum in Köln. Mindestens genauso schön war es aber auch, nach einigen für ihn privat sehr turbulenten Jahren Rossmy endlich wieder auf der Bühne sehen zu können. Zweieinhalb Jahre hatten die vier Herren des Tilman Rossmy Quartetts aus München, Hamburg, Berlin und San Francisco nicht mehr zusammen gespielt, aber davon war an diesem Abend nicht viel zu merken. Okay, gerade Rossmy schien etwas Zeit zu brauchen, um richtig auf Betriebstemperatur zu kommen, aber dafür war auch genug Zeit, denn das Quartett stand über zweieinhalb Stunden auf der Bühne.
Tilman Rossmy
Die erste Hälfte war vor allem den alten Songs vorbehalten. Schließlich hatte Rossmy sein brandneues - via eigene Website www.tilman-rossmy.de veröffentlichtes - Album "Reise im eigenen Land" im Gepäck, auf dem er Stücken seiner alten Band Die Regierung ein neues Leben schenkt. "Hennarotes Haar" war gleich zu Beginn ein echtes Highlight, weil das TRQ nicht so sorglos durch den Song preschte wie damals die Regierung, "Immer jemand im Busch" hatte sich selbst im Vergleich zur neuaufgenommenen Platten-Version schon wieder weiterentwickelt und konnte in Köln mit einem explosiven Ende begeistern, das auf "Reisen im eigenen Land" leider fehlte. Überhaupt schien seine Band von Rossmys Parole ("Wir rocken nicht mehr so") nicht viel zu halten, denn als beispielsweise "1975" auf dem Programm stand, waren sich die drei Musiker einig, nicht die umarrangierte, gedämpftere neue Version zu spielen, sondern polterten munter mit dem alten Arrangement der Regierung los, bis Rossmy den Song abbrach und die überarbeitete Fassung anspielte!

Während Gitarrist Folke Jensen und Keyboarder Ralf Schlüter maßgeblich an der neuen Platte beteiligt waren, hatte Drummer Rob Feigel in Kalifornien laut Tilman noch nicht einmal Schlagzeug gespielt - in Köln jedenfalls schienen sie alle froh zu sein, wieder spielen zu dürfen und von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, machten sie ihre Sache wie gewohnt ausgezeichnet. Daß sie nicht ganz die Perfektion erreichten, die sie beispielsweise Ende 1998 geboten hatten, war verständlich, aber gerade die kleinen Pannen machten die Show so sympathisch. Vor allem, weil auch Rossmy die ganze Sache locker sah und nach einer ziemlich katastrophalen Version von "Zur Erinnerung oder so" nur grinsend meinte: "Genau so haben wir das einstudiert!"

Der unerwartete Höhepunkt der Show war allerdings kein Regierungs-Stück, sondern "Die Stimme", das mit einigen endlosen Soli besser (und lauter) klang als je zuvor. Aber nicht nur Songs aus allen sieben bisherigen Platten hatte Rossmy mitgebracht. Zu den Highlights zählten vor allem auch die fünf neuen Stücke, die das Quartett in Köln zum Besten gab. Neben der ausgezeichneten, aber einmal mehr sehr traurigen Klavierballade "Die alte Wohnung" ragte von den neuen Stücken vor allem "Junkie" heraus, musikalisch sehr nah an "Jessica" von den Allman Brothers orientiert - musikalisches Neuland für Rossmy, aber sehr, sehr gelungen. Zum Schluß gab es natürlich auch noch Rossmys größten Hit "Loswerden", der mit seinem neuen dreiminütigen Anfangsmonolog heute auch gut "Eine humorvolle Essener Tragödie in drei Akten" heißen könnte, und "Willkommen Zuhause", das am Ende in die nette George-Harrison-Hommage "Here Comes The Sun" mündete, eine von zwei Coverversionen des Abends: Davor hatte das TRQ nämlich schon Johnny Cashs "Orange Blossom Special" gecovert, ein Song, der in Kürze auf einem deutschen Johnny-Cash-Tributealbum erscheinen wird.

Tilman Rossmy
Für die Zugaben war dann wieder verstärkt Chaos angesagt. Den Publikumswunsch "Alles gar nicht wahr" spielte Rossmy wie gewohnt solo und als dann jede Menge weitere Wünsche aus dem Publikum kamen, suchte sich Tilman ausgerechnet den Song "Ich bin das Leben" aus. Begründung: "Den können wir eigentlich überhaupt nicht, deshalb werden wir den jetzt versuchen!" Und abgesehen davon, daß er sich anfangs nicht ganz sicher war, was Strophe und was Refrain sein sollte, klang's auch ziemlich gut. Als Rausschmeißer gab's dann noch "Wittgenstein sagt", und wer im Publikum dann immer noch nicht glücklich war, dem war wirklich nicht mehr zu helfen. Ein tolles Comeback!
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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