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Konzert-Bericht
 
Heimspiel mit Hippieansagen

Messer

Münster, Gleis 22
03.12.2016

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Die Gruppe Messer
Ganz ehrlich? Ein wenig hatten wir ja schon befürchtet, dass wir die Gruppe Messer nach zwei ausgezeichneten Platten von der Liste der erklärten Lieblingsbands würden streichen müssen. Neuer Gitarrist, neuer Sound, neues Label, aber alte Qualität? Das schien fast unmöglich zu sein. Mit dem neuen Album "Jalousie" im Gepäck bewiesen die fünf Herren bei ihrem Heimspiel/Tourneeabschluss im Münsteraner Gleis 22 allerdings, dass unsere Sorge vollkommen unbegründet war. Denn Messer klangen inzwischen zwar anders als früher, aber immer noch ziemlich umwerfend.
Neu war allerdings nicht nur der Sound, sondern auch die ungewohnt gelöste Stimmung auf der Bühne, mit der sich die Band selbst aller Ernsthaftigkeit beraubte, wie Sänger Hendrik Otremba lachend erklärte. Hatte man bei früheren Gastspielen an gleicher Stelle bisweilen ein wenig das Gefühl gehabt, die Band wolle es gerade dem dicht gedrängt stehenden Publikum in ihrer Gründungsstadt zeigen, war der Auftritt dieses Mal je nach Sichtweise eine triumphale Rückkehr, eine freudetrunkene Siegesfeier oder ein gut gelauntes Schaulaufen, bei dem sich Otremba ein ums andere Mal um Kopf und Kragen redete, bis er von Bassist Pogo McCartney breit grinsend für die "Hippieansagen" gescholten wurde - später wurden dann sogar noch anwesende Musikereltern von der Bühne herab begrüßt... Dass Messer in der Vergangenheit bisweilen als Soundtrack für eine waschechte Depression durchgegangen waren, davon spürte man an diesem Abend herzlich wenig.
Natürlich mag der ein oder andere alte Weggefährte im Publikum den ausgeschiedenen Gitarristen Pascal Schaumburg vermisst haben, aber dennoch muss man neidlos anerkennen, dass Neuzugang Milek wirklich eine Wucht ist und spielerisch dort ansetzt, wo Schaumburg aufgehört hat, und dabei rein visuell besser zur Band zu passen scheint als sein Vorgänger. Doch nicht nur er sorgte für eine neue Note. Aus dem, man verzeihe uns den Kalauer, messerscharfen Post-Punk der frühen Tage ist inzwischen ein oft herrlich ausufernder Jam-Sound mit avantgardistischen Spitzen geworden, der dem Krautrock oft mehr zu verdanken scheint als dem New Wave und trotzdem nicht mit Wiedererkennungswerten geizt. So bedient McCartney inzwischen des Öfteren statt Bass ein Keyboard und die sich nun fliegend an Schlagzeug und Percussion abwechselnden Philipp Wulf und Manuel Chittka sorgen dafür, dass der Rhythmus prägnanter ist als je zuvor. Das fiel nicht nur bei neuen Highlights wie "Detektive" oder "Die Lust" auf, sondern vor allem bei den hörbar anders gespielten Stücken des ersten Albums. Als eines der alten Lieder, es dürfte "Augen in der Dunkelheit" gewesen sein, in einem atemberaubenden Endlos-Instrumentalteil aufging, war längst vergessen, dass man anfangs noch ein wenig die alte Power vermisst hatte. Gleiches galt für die beiden als Zugaben gespielten Stücke "Mutmaßungen über Hendrik" und "Abel Nema", die inzwischen deutlich weniger punkig klingen, dafür aber deutlich an Musikalität gewonnen haben. Hut ab! So und nicht anders muss sich konsequente künstlerische Weiterentwicklung anhören!

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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